Kabarettisten gehen online

Der Kabarettist Helmut Sanftenschneider mit einer Gitarre, Pressebild

Kabarettisten gehen online

Von Stefan Keim

Der Bochumer Helmut Sanftenschneider präsentiert seine "Late Night Show" täglich von Dienstag bis Freitag live aus seinem Büro. In der ersten Ausgabe waren zwei Musikkabarettisten zu Gast.

Helmut Sanftenschneider, Musikkabarettist aus Bochum, greift zur Selbsthilfe. Auf der Bühne darf er nicht mehr spielen. Also geht er online. Viermal die Woche, von Dienstag bis Freitag sendet er aus seinem  Büro, in dem ein Klavier steht. Das Personal ist coronatechnisch klein, eine Frau steht hinter der Kamera, es gibt nur zwei Gäste, die brav Abstand halten. Zumindest meistens. Bei der ersten Show waren es Guntram Feuerstein und Christian Hirdes.

Jeder hat seinen eigenen Becher mit Salzstangen, auf dem Stehtisch sind ein Fläschchen mit Desinfektionsmittel und eine Rolle Klopapier drapiert. Witze über Hamsterkäufe und Klopapier sind allerdings selten an diesem  Abend, die sind schon alle gemacht. 

Oft ist ein Summen zu hören, der Kabarettist Guntmar Feuerstein hält sich das Mikro nicht nah genug an den Mund. Klar, das ist eine Zeit des Abstand haltens, doch der Ton ist so nicht immer der beste. Es wird noch fröhlich improvisiert in der ersten Show. Zwischen den Nummern wird geplaudert, und einmal telefoniert Helmut Sanftenschneider mit einer Angsttherapeutin.

Am sichersten fühlen sich die drei, wenn sie zu den Instrumenten greifen und einige ihrer Songs präsentieren. Christian Hirdes hat ein Lied über eine Mutter im Supermarkt dabei, deren Tochter nach den Kaugummis grabscht. "Tu die wo die war", heißt das. Und Guntram Feuerstein erzählt von den Leiden eines Musikers auf Kindergeburtstagen.

Es ist erkennbar ein Ruhrgebietsabend. Am Ende singen alle zusammen das schöne Lied "No Woman in Kray" über einen Jüngling, der in jedem Essener Stadtteil eine Liebste hat, nur eben nicht in Kray. Eine gute halbe Stunde dauert die Show. Gedanklichen Tiefgang hat sie nicht vermittelt, sondern fröhlich unterhalten. Ein Lebenszeichen in Zeiten des erlahmten öffentlichen Lebens. Spenden sind erwünscht.

RuhrKultur live - Die kulturelle Corona-Notversorgung

Dienstag bis Freitag, jeweils 20.30 Uhr
Onlineshow
Live aus dem  Büro des Bochumer Musikkabarettisten Helmut Sanftenschneider

Stand: 18.03.2020, 09:37