Serap Güler: Politikerinnen werden auf ihr Äußeres reduziert

SPECIAL Warum gibt's weniger Politikerinnen, Serap Güler? I 0630

0630 by WDR aktuell 14.11.2020 31:19 Min. Verfügbar bis 14.11.2021 WDR Online


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Serap Güler: Politikerinnen werden auf ihr Äußeres reduziert

Serap Güler (CDU), Staatssekretärin für Integration in NRW, hat in der Politik Karriere gemacht. Ein Gespräch über Sexismus im Parlament und das Problem mit der Frauenquote.

Was wird heute wichtig? Was musst du wissen, um mitreden zu können? "0630 by WDR aktuell", der Nachrichten-Podcast am Morgen, liefert die Hintergründe. Das Special mit Serap Güler in voller Länge gibt es jederzeit in allen Podcast-Portalen - und in den Online-Angeboten des WDR.

WDR: Frau Güler, haben Sie das Gefühl, dass Ihr Geschlecht bei Ihrem Job eine Rolle spielt?

Serap Güler: Nein, für mein Ressort und mein Thema nicht. Es ist vielleicht ein bisschen anders, wenn man das es auf das ganze Feld Politik ausweitet. Da haben wir nach wie vor zu wenig Frauen, vor allem in bestimmten Positionen oder Ämtern.

WDR: Was halten Sie von Rankings im Netz, wie die "Top Ten der schönsten Politikerinnen"?

Güler: Im besten Fall schmunzle ich darüber. Aber es ist eher ein erschöpftes Schmunzeln. Es ist eine Art von Sexismus, die einem als Frau in der Politik schon ziemlich auf die Nerven geht.

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WDR: Haben Sie das Gefühl, dass man als Politikerin auf sein Äußeres reduziert wird?

Güler: Das kommt schon oft vor. Uns wird eher unterstellt, dass wir mehr Wert auf unser Äußeres legen als auf unsere politischen Positionen. Dabei zeigen Frauen wie Kamala Harris und Michelle Obama, dass man durchaus beides kann.

WDR: Haben Sie persönlich auch schon krassere Erfahrungen gemacht?

Güler: Ja, als Abgeordnete - was damals auch für einige Schlagzeilen gesorgt hat. Als der ehemalige Integrationsbeauftragte Herr Schmelzer, versucht hat, meine Politik auf mein Äußeres zu reduzieren. So eine Erfahrung macht man als Frau immer mal wieder. Es sind aber eher die subtilen Sexismen, die einen viel stärker auf die Palme bringen.

WDR: Im NRW-Landtag liegt die Frauenquote aktuell bei 27,6 Prozent. Im Bundestag ist sie nur geringfügig höher. Kann uns eine solche Zusammensetzung von Abgeordneten gut repräsentieren?

Güler: Ich glaube, die Abgeordneten sind unabhängig vom Geschlecht sehr bemüht, die Belange der Menschen in ihren Wahlkreisen ins Parlament zu bringen. Aber bei den Themen Frauen oder Migrationsgeschichte ist das Bild, das der Landtag oder Bundestag abgibt, nicht repräsentativ für die Vielfalt in der Gesellschaft.

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WDR: Müsste es eine Quote geben?

Güler: Ich sag mal: jein. Ich bin auf jeden Fall für eine 50-Prozent-Quote, wenn es die Parteiämter betrifft. Ein Paritätsgesetz für die Parlamente, wie es bereits in Thüringen und Brandenburg versucht wurde, wurde ja von den Landesverfassungsgerichten abgewiesen.

In NRW müssten in 63 Wahlkreisen die Hälfte der Plätze weiblich besetzt werden. Das geht vielleicht bei einer reinen Listenpartei noch. Bei einer Volkspartei, die vor allem Direktmandate holt, fehlt mir im Augenblick noch die Fantasie, wie das funktionieren soll.

Das Gespräch führten Carolin Bredendiek und Jan Koch.

Für die Online-Version wurde das Gespräch sprachlich bearbeitet und stark gekürzt.

Stand: 14.11.2020, 19:12