Von der "Disco" ans Theater: Ilja Richter wird 65

Von der "Disco" ans Theater: Ilja Richter wird 65

Von Ingo Neumayer

Licht aus, Spot an: Mit "Disco" revolutionierte Ilja Richter in den Siebzigern das Musikfernsehen und verband Pop und Humor. Später wandte er sich dem seriöseren Fach zu - auch das mit Erfolg. Am 24. November 2017 wurde er 65.

Ilja Richter 1971

Stets gut gekleidet, blickt er mal naiv, mal spöttisch in die Kamera und präsentiert die größten Stars aus Rock, Pop und Schlager: Wer in den 70ern jung ist und sich für Musik interessiert, kommt an Ilja Richter nicht vorbei.

Stets gut gekleidet, blickt er mal naiv, mal spöttisch in die Kamera und präsentiert die größten Stars aus Rock, Pop und Schlager: Wer in den 70ern jung ist und sich für Musik interessiert, kommt an Ilja Richter nicht vorbei.

Richter ist ein echter Frühzünder. Schon als Grundschüler übernimmt er die ersten Sprecherrollen beim Berliner Radio RIAS. Schnell kommen Auftritte in Musicals und Theaterstücken dazu. Mit gerade mal 16 Jahren wird er Co-Moderator der ZDF-Sendung "4-3-2-1 Hot & Sweet", eine Antwort auf den "Beat-Club" der ARD.

Wenig später moderiert Richter die Show "Humor ist, wenn man trotzdem singt", unter anderem mit Stargast Heinz Erhardt. Die Kombination aus Komik und Musik ist Ilja Richter wie auf den Leib geschneidert.

Das wird spätestens 1971 einer breiten Öffentlichkeit klar, als Richter als Moderator für die neue ZDF-Show "Disco" engagiert wird. Dort kann er sein komödiantisches Talent voll ausspielen.

Zwischen den Auftritten und Videos der musikalischen Stars und Sternchen lässt es Richter gerne krachen: Sketche, Tänze, alberne Darbietungen – der Moderator ist sich für nichts zu schade. Seine Sprüche wie "Licht aus! Wom! Spot an! Ja!" werden zu geflügelten Worten.

Interessant an "Disco" ist die musikalische Bandbreite. Ob Schlager, Hardrock, Country oder Neue Deutsche Welle, ob Tony Marshall, Deep Purple, Falco, Tom Jones, Tina Turner, ABBA, The Who oder die Schlümpfe: In Ilja Richters Show darf jeder kommen.

Neben der "Disco"-Moderation ist Richter auch in diversen Filmen zu sehen. Diese haben nicht den allerhöchsten Anspruch, sondern sind meist das, was man leicht despektierlich als "Lustspiel" oder "Klamotte" bezeichnet: Er spielt im letzten Teil der Klamauk-Reihe "Die Lümmel von der ersten Bank" sowie an der Seite von Roy Black in "Wer zuletzt lacht, lacht am besten".

In der nach einem Heino-Hit benannten Verwechslungskomödie "Blau blüht der Enzian" spielt Richter neben bekannten Gesichtern: Unter anderem sind darin Uschi Glas (li.) und Hansi Kraus (Mi.) zu sehen.

Hoher Besuch aus Hollywood: Auch mit der Superdiva Zsa Zsa Gabor macht Richter so seine Späßchen.

Nach fast zwölf Jahren schließt im November 1982 die "Disco" ihre Türen. Richter will neue Dinge ausprobieren und seine Karriere in eine etwas seriösere Richtung lenken. Sein Einfluss bleibt hingegen weiter sichtbar: Musiksendungen wie "Formel Eins" oder "Bananas" setzen ebenfalls auf die von Richter populär gemachte Mixtur aus Pop und Klamauk.

Richter zieht es unterdessen auf die Bühnen und vor die Kameras: Ob in der Krankenhausserie "Für alle Fälle Stefanie" ...

... im Theaterklassiker "Jedermann" ...

oder an der Seite von Dieter Hallervorden: Richter zeigt seine Vielseitigkeit und beweist, dass er mehr drauf hat, als nur den albernen Schwerenöter zu geben.

Goldene Kamera, Deutscher Hörbuchpreis, Bravo Otto, Echo: Ilja Richter ist inzwischen mit einigen Preisen ausgezeichnet worden. Auch als Schriftsteller versucht er sich, und das durchaus mit Erfolg. Sein jüngstes Buch heißt "Du kannst nicht immer 60 sein". Das stimmt – schließlich wird er am Freitag (24.11.2017) schon 65 Jahre alt. Wir gratulieren herzlich!

Stand: 15.11.2017, 13:39 Uhr