Wenn Farben atmen. Gotthard Graubner im Arp-Museum

Gotthard Graubner. Mit Bildern atmen, Arp-Museum Rolandseck, Remagen 2018 (Ausstellungsansicht)

Wenn Farben atmen. Gotthard Graubner im Arp-Museum

Von Thomas Köster

Mit seiner vibrierenden Farbigkeit gehört der Düsseldorfer Maler Gotthard Graubner zu den wichtigsten deutschen Vertretern der Abstraktion. Das Arp-Museum Bahnhof Rolandseck würdigt ihn mit einer Retrospektive - und schafft überraschende Bezüge.

Wenn Farben atmen. Gotthard Graubner im Arp-Museum

Gotthard Graubner. Mit Bildern atmen, Arp-Museum Rolandseck, Remagen 2018 (Ausstellungsansicht)

"Die Aktion der Farbe ist das Entscheidende. Die Kommunikation von kalten und warmen Werten bringt Austausch. Der Farbraum bewegt sich im Sog der Pigmenthäufungen. Die Fläche atmet." So hat der 2013 in Düsseldorf verstorbene Maler die Intention seiner Kunst selbst benannt. Die vibrierende Dramaturgie der Farbflächen soll soghaft in den Raum weiterwirken.

"Die Aktion der Farbe ist das Entscheidende. Die Kommunikation von kalten und warmen Werten bringt Austausch. Der Farbraum bewegt sich im Sog der Pigmenthäufungen. Die Fläche atmet." So hat der 2013 in Düsseldorf verstorbene Maler die Intention seiner Kunst selbst benannt. Die vibrierende Dramaturgie der Farbflächen soll soghaft in den Raum weiterwirken.

"Mit Bildern atmen" heißt dem entsprechend die Ausstellung im Arp-Museum Rolandseck, die rund 50 Werke Graubners aus ganz Deutschland zusammenträgt. Und dabei die Brücke schlägt von den zunächst eher düsteren, auf Nylon gemalten Farbflächen in Grau, Braun und Schwarz …

… hin zu den großformatigen, schon skulpturalen, mit synthetischer Watte ausgestopften und von der Wand wegstrebenden "Farbraumkörpern" und "Kissenbildern" auf Leinwand, die Graubner seit den späten 1960erJahren schuf. Hier kann man das "Atmen" der Bilder, die Graubner als eine Art lebendiges Gegenüber verstand, am eigenen Leibe erfahren.

Beeindruckend sind dabei vor allem die Triptychen, von denen in den großzügigen Räumlichkeiten des Richard-Meier-Neubaus im Arp-Museum gleich zwei zu sehen sind. Hier treten die Farbräume in einen Dialog, der Besucher, Raum und Wand mit einbezieht. Getreu dem Motto Graubners, dass nicht die Wand das Bild trage, sondern das Bild die Wand.

Besonders schön ist, dass die herausragende Arbeit "Venezia" den Weg aus Frankfurt hierher gefunden hat: 1982 für die 40. Biennale geschaffen, scheint sie laut Kuratorin Jutta Mattern "den gesamten kunstgeschichtlichen und atmosphärischen Farb- und Stimmungskosmos Venedigs in sich aufgesogen zu haben". Zumindest zeigt sie, welche Rolle auch der Außenraum spielt, in dem oder für den die Werke entstanden.

Ausgangspunkt der Schau bilden zehn kleine (und etwas arg kontrastreich aufgenommene) Schwarz-Weiß-Fotografien aus Museumsbesitz, die Graubner 1976 während einer Reise nach Butan aufnahm. Sie zeigen buddhistische Mönche des Klosters Wangdue Phodrang beim Tanz.

In den Fotos, die im Arp-Museum auch im Original zu sehen sind, wird deutlich, wie die Begegnung mit der buddhistischen Verbindung von Dynamik und Stillstand im Tanz – wie ja auch im meditativen Atmen – Graubner beeindruckt und geprägt haben muss.

Zu sehen sind aber nicht nur die "Farbraumkörper" oder "Kissenbilder", sondern auch weniger bekannte Arbeiten auf Papier und Leinwand, die zeigen, wie das Meditative bei Graubner bereits in den 50er Jahren vorhanden war. Die hingehauchten Bilder wirken wie noch weiter abstrahierte Köpfe Jawlenskis. Oder wie entschleunigte Versionen der informellen Expressionen von Graubners Lehrer Karl Otto Götz.

Schade ist da nur, dass man die Werken, in die man hineingesogen wird, nicht berühren darf. Oder andere nicht blätternd zum Atmen bringen kann. Wie in Graubners "Sickerbuch" mit Schwammgouachen, dem ein handgeschriebenes (und hier leider verborgenes) Zitat des italienischen Dichters Giuseppe Ungaretti voransteht: "Jede Farbe breitet sich aus / Und gibt sich auf in den anderen Farben / Um einsamer zu sein wenn du hinsiehst."

Vom Künstlerbahnhof Rolandseck und der "kreativen Situation" seiner Räumlichkeiten ließ sich Graubner immer wieder inspirieren. Beim Besuch des Dalai Lama 1982 war er vor Ort, auch mit dem Werk von Hans Arp setzte er sich hier intensiv auseinander. Umso schöner, dass die Retrospektive - ergänzt durch einige buddhistische Exponate - nach fast zehnjähriger Vorbereitungszeit hier stattfinden kann.

Da passt es gut, dass parallel zur großen Graubner-Schau im Kabinett des Arp-Museums die kleine, aber feine Ausstellung "Rendez-vous des amis" eröffnet. Sie beleuchtet anhand von teils noch nie gezeigten Werken und Kombinationen die freundschaftliche Beeinflussung von Hans Arp und Kurt Schwitters. Rechts Arp, links Schwitters.

Und: Wenn man schon mal da ist, dann lohnt sich auch ein Gang durch die ständige Sammlung mit Werken der beiden "Hauspatrone" Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, die passend zu den Ausstellungseröffnungen in neuem Glanz erstrahlt.

"Gotthard Graubner. Mit Bildern atmen" ist noch bis zum 10. Februar 2019 im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck bei Remagen zu sehen, "Rendez-vous des amis" schließt bereits am 17. Juni 2018.

Gotthard Graubner - Mit den Bildern atmen

WDR 5 Scala - Hintergrund Kultur | 16.02.2018 | 09:37 Min.

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Stand: 17.02.2018, 06:00