Malen ohne Umschweife. Gabriele Münter in Köln

Gabriele Münter. malen ohne Umschweife, Museum Ludwig, Köln 2018 (Ausstellungsansicht)

Malen ohne Umschweife. Gabriele Münter in Köln

Gabriele Münter war eine der bedeutendsten Malerinnen des Expressionismus. Das Museum Ludwig, in dem diese Epoche gut vertreten ist, besitzt kein Bild von ihr. Eine große Retrospektive füllt jetzt die Lücke. Absolut sehenswert.

Gabriele Münter in Köln

Von Thomas Köster

Gabriele Münter. malen ohne Umschweife, Museum Ludwig, Köln 2018 (Ausstellungsansicht)

"Was an der Wirklichkeit ausdrucksvoll ist, hole ich heraus, stelle es einfach dar, ohne Umschweife, ohne Drum und Dran." So hat Gabriele Münter (1877-1962) ihr Schaffen einmal selbst bezeichnet. "Malen ohne Umschweife" heißt auch die große Retrospektive, die nach Stationen in München und im dänischen Humlebæk in Köln zu sehen ist.

"Was an der Wirklichkeit ausdrucksvoll ist, hole ich heraus, stelle es einfach dar, ohne Umschweife, ohne Drum und Dran." So hat Gabriele Münter (1877-1962) ihr Schaffen einmal selbst bezeichnet. "Malen ohne Umschweife" heißt auch die große Retrospektive, die nach Stationen in München und im dänischen Humlebæk in Köln zu sehen ist.

Rund 120 Gemälde sowie Drucke und bemerkenswert reife Fotografien der Frühzeit sind im Museum Ludwig versammelt, die einen hervorragenden Überblick geben über rund 60 Jahre künstlerischer Tätigkeit.

Dabei ist es erstaunlich zu sehen, wie sich die Malerin immer wieder neu erfand. Sie blieb keineswegs im Expressionismus, dem Porträt und der Landschaftsmalerei aus der Umgebung ihres Hauses in Murnau stecken, ...

... sondern zeigte auch eine große Faszination gegenüber der Technik und entwickelte sich stilistisch hin zur Neuen Sachlichkeit ("Baugerüst", 1930).

In Humlebæk kamen über 250.000 Besucher, um die Werke Münters zu sehen. Ein solcher Erfolg ist auch dem Museum Ludwig zu wünschen. Denn vieles wirkt so frisch, als hätte man es zum ersten Mal gesehen. Abgesehen davon, dass viele der gezeigten Werke zuvor noch nie in der Öffentlichkeit ausgestellt waren.

Beeindruckend ist bis heute Münters Gespür für Farbigkeit und Komposition, dass schon ihre Kollegen rund um die Gruppierung des "Blauen Reiters" faszinierte. Ebenso wie ihr Hang zur Abstraktion auf das "Wesentliche".

Schön ist auch, dass die Ausstellung Bezüge aufzeigt, die das faszinierende Schaffen der Malerin erklären. So wie diese Pfingsttaube ...

... die später, für Münter typisch, in mehreren, auch ironisch wirkenden Bildvarianten als Motiv wieder aufgegriffen werden. In Köln sind hierfür mehrere Beispiele zu sehen, hier "Stilleben Pfingsten II" von 1934.

An anderer Stelle zeigt die Schau zum Beispiel auf, wie Münter Kinderzeichnungen als Vorlage verwendete, um dann in der ihr eigenen Farbigkeit zu versuchen, noch "kindlicher", spontaner, ausdrucksvoller – ohne Umschweife eben – zu malen.

Hin und wieder bezog Münter auch Kinderzeichnungen direkt in ihre Gemälde mit ein. Diese hier von Elfriede Schröter, genannt "Friedel", aus dem Besitz des Münchner Lenbachhauses, finden sich im Gemälde "Im Zimmer" von 1913 wieder, das in der Ausstellung direkt daneben hängt.

Dabei ist Köln als Station für die Schau nur konsequent. Ihre Arbeiten wurden dort sehr oft gezeigt, ihre erste Ausstellung fand 1908 hier statt, danach zeigte der Kunstsalon Lenobel Holz- und Linolschnitte, darunter auch die Serie "Aurelie" (im Bild). 1925 präsentierte der Kölner Kunstverein eine große Einzelausstellung, ein Jahr vor ihrem Tod waren ihre Bilder in der Galerie Aenne Abels zu sehen. Da war die Malerin schon weltberühmt.

Bei dieser lokalen Präsenz ist es mehr als verwunderlich, dass das Museum Ludwig noch keine Arbeit von Münter besitzt. Das soll sich jetzt aber ändern: Im Rahmen der Ausstellung ist der Ankauf von Münters "Knabenkopf (Willi Blab)" von 1908 geplant, der hier in der Mitte hängt.

"Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife" ist noch bis zum 13. Januar 2019 im Museum Ludwig in Köln zu sehen.

Gabriele Münter - Malen ohne Umschweife

WDR 3 Mosaik | 14.09.2018 | 06:56 Min.

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Stand: 14.09.2018, 09:00