Vorwärts immer!

Szene aus dem Film "Vorwärts immer!" - als falscher Erich Honecker begibt sich Otto (Jörg Schüttauf) ins ZK

WDR 2 Kino

Vorwärts immer!

Von Andrea Burtz

Ein Schauspieler schleust sich als Erich Honecker ins Zentralkomitee ein, um den Schießbefehl für eine Demonstration rückgängig zu machen und das Leben seiner Tochter zu retten. Nicht alle Gags zünden, aber Jörg Schüttauf überzeugt in dieser Verwechslungskomödie.

Leipzig, 1989. Theaterschauspieler Otto Wolf (Jörg Schüttauf) spielt in einem für DDR Verhältnisse frechen Theaterstück Honecker – und parodiert ihn köstlich mit angeklebter Nase und weinerlichem Tremolo in der Stimme. Stasischnüffler wittern bereits einen Skandal.

Auch privat droht Otto Ärger. Seine Tochter Anne (Josefine Preuß) ist schwanger und will unbedingt in den Westen rübermachen. Sie plant mit einem Anarcho (Jakob Matschenz) nach Leipzig aufzubrechen.

Als am Theater Gerüchte laut werden, die SED wolle die Proteste in Leipzig gewalttätig niederknüppeln, macht sich Otto zu seiner größten Rolle auf: Er will in die Parteizentrale – in Honecker Maskerade – um den Schießbefehl zurückzunehmen. Doch dabei geht einiges schief. So landet der falsche Honi im Bett des echten und wird von Ehefrau Margot untergebuttert. Als dann der echte Honecker auftaucht, ist das Durcheinander auf dem Höhepunkt.

Es ist ein Vergnügen, Jörg Schüttauf in seiner (Doppel)-Rolle als Honecker zu sehen. Regisseurin Franziska Meletzky legt die Geschichte als Boulevardkomödie an. Neben politischen Witzen setzt sie auch auf Slapstick und Klamauk – mehr als einmal wird die falsche Tür geöffnet oder auf frisch gebohnerter Treppe ausgerutscht. Nicht alle Gags zünden, es dauert, bis die Story – mal ohne Ostalgie-Elemente wie Spreewaldgurken und Moccafix – in Gang kommt. Bis schließlich Jörg Schüttauf als doppelter Honecker übernimmt und überzeugt.

Komödie, Deutschland 2017, Regie: Franziska Meletzky, ab 12 Jahren

Kinostart: 12.10.2017

Stand: 12.10.2017, 00:00