Vice - Der zweite Mann

Christian Bale sitzt als Dick Cheney in einer Szene des Films "Vice - Der zweite Mann" vor einem Mikrofon, das auf einem Schreibtisch steht

WDR 2 Kino

Vice - Der zweite Mann

Von Andrea Burtz

In beiden Legislaturperioden begleitete Dick Cheney den republikanischen Präsidenten George W. Bush als Vizepräsidenten. Adam McKays Biopic porträtiert diesen besonderen Vize.

Neu im Kino: "Vice - Der zweite Mann" und "Mein Bester & Ich"

WDR 2 Kino 14.02.2019 03:41 Min. Verfügbar bis 21.02.2020 WDR 2

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Dick Cheney gilt als einer der mächtigsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten.

In "Vice – Der zweite Mann" beleuchtet Adam McKay ("The Big Short") als Drehbuchschreiber und Regisseur Cheneys sagenhafte Karriere: wie aus dem disziplinlosen Studenten, der sich prügelte, trank und schließlich von der Uni flog, der stille Bürokrat und Washington-Insider wurde.

An der Seite von George W. Bush entwickelte sich Cheney zum einflussreichsten Politiker der Welt und wusste seine Macht zu nutzen. Im Chaos des 11. September sah er seine Chance gekommen. Cheneys Entscheidungen prägen das Land noch immer, auch sein außenpolitisches Wirken ist bis heute spürbar.

Kein brav erzähltes Biopic

Adam McKay hat aus dem Stoff kein brav chronologisch erzähltes Biopic gemacht, sondern eine Politsatire, die vor ätzendem Spott nur so sprüht. So spitzt der Film die Rolle von Cheneys ehrgeiziger Ehefrau Lynne Vincent (Amy Adams) zu und zeigt sie als treibende Kraft für den politischen Aufstieg ihres Mannes.

Am Morgen nach durchzechter Nacht konfrontiert sie ihren Gatten mit seinem Gestank und fehlenden Ambitionen. Sie droht ihn zu verlassen, wenn er es nicht endlich zu etwas bringt. Die Standpauke rüttelt ihn auf: Cheney macht langsam aber sicher Karriere, entwickelt sein Netzwerk.

Vom Praktikanten zum Vizepräsidenten

Vom Praktikanten beim aufstrebenden Republikaner Donald Rumsfeld (großartig zynisch: Steve Carell) zum schlauen Taktiker, der sich geduldig in die erste Reihe vorarbeitet, dann unter George Bush sen. Verteidigungsminister wird und schließlich Vize von George W. Bush (Sam Rockwell).

Die innere Dynamik der Cheney-Familie macht einen wichtigen Teil von McKays Geschichte aus, die ihn bei aller Machtversessenheit auch als gutmütigen Familienvater zeigt:  Als sich seine Tochter Mary als lesbisch outet, stellt Cheney seine beruflichen Ambitionen zurück, um sie zu schützen.

Ritt durch 50 Jahre US-Geschichte

Adam McKay ist ein unterhaltsamer und zugleich informativer Ritt durch 50 Jahre amerikanischer Geschichte gelungen.

Lustvoll zieht er sämtliche Stil- und Drehbuchregister, lässt den ersten Abspann schon nach einer Stunde über die Leinwand laufen, um dann anzuhalten, zurückzuspringen und die Geschichte näher an der Wahrheit zu erzählen. Spielerischer kann man mit filmischen Mitteln kaum umgehen.

In acht Kategorien für den Oscar nominiert

Christian Bale hat für die Rolle des Vize mächtig zugelegt, Maske und sein eindringliches Spiel tun das Übrige, um Cheney in McKays Interpretation lebendig werden zu lassen.

Gattin Lynne, die zu Beginn der 60er Jahre noch verdammt dazu ist, über ihren Ehemann aufzusteigen, wird von der überzeugenden Amy Adams verkörpert.

Am kommenden Sonntag geht "Vice – Der zweite Mann" in acht Kategorien ins Oscarrennen. Der tolle Film wird sicher nicht leer ausgehen.

Politsatire, USA 2019

Regie: Adam McKay ("Der Anchorman", "Stiefbrüder", "Die etwas anderen Cops", "The big short")

Darsteller: Christian Bale ("Batman begins", "American Hustle", "American Psycho", "The big short"), Amy Adams ("Arrival", "Verwünscht", "Glaubensfrage", "American Hustle"), Sam Rockwell ("Three Billboards outside Ebbing Missouri", "Moon", "Iron Man 2"), Steve Carrel ("Foxcatcher", "Little Miss Sunshine", "Beautiful Boy")

Länge: 134 min

Ab 12 Jahren

Kinostart: 21.02.2019

Stand: 21.02.2019, 00:01