Tolkien

Szene aus dem Film "Tolkien": Nicholas Hoult als J.R.R. Tolkien

WDR 2 Kino

Tolkien

Von Andrea Burtz

Die bekanntesten Werke von J.R.R. Tolkien - der "Herr der Ringe" und der "Hobbit" - waren auch im Kino große Erfolge. Nun wurde das Leben
des Autors verfilmt. Entstanden ist ein bewegendes Biopic.

Die Erinnerungen aus dem Schützengraben lassen J.R.R. Tolkien (Nicholas Hoult) nicht los. Als Soldat hat er im Ersten Weltkrieg bei der Schlacht an der Somme grausame Kämpfe erlebt, Freunde qualvoll sterben sehen und tiefe Verletzungen davongetragen. Auch nach Kriegsende verwandeln sich in seinen Träumen verbrannte Bäume in knorrige Figuren mit schwarzen Gliedmaßen, die durch den Nebel flüchten. Das Kriegsgrauen wird zum Szenario seiner Fantasy-Geschichten.

Über Schaffensprozess wenig bekannt

So stellen die Drehbuchautoren David Gleeson und Stephen Beresford Tolkiens Inspiration dar, die zum weltbekannten Mittelerde-Epos "Herr der Ringe" werden. Da über den Schaffensprozess des Autors außer chronologischen Fakten wenig bekannt ist, ist dieser Part spekulativ. Der Nachlass des Autors hat dem Film weder zugestimmt, noch mitgewirkt.

Die Drehbuchautoren beschränken sich darauf, von Tolkiens Kindheit, seiner Jugend in Oxford und prägenden Jahren im Ersten Weltkrieg zu erzählen und springen zwischen diesen Stationen.

Nach dem frühen Verlust des Vaters verliert Tolkien mit zwölf Jahren auch seine Mutter. Ein strenger Priester (Colm Meaney) wird daraufhin sein Mentor. Finanziell minderbemittelt, helfen Tolkien sein großes literarisches Talent und sein Gefühl für Sprache, um gefördert zu werden. An der Schule fremdelt der introvertierte Junge zunächst mit seinen Mitschülern, findet dann jedoch Gleichgesinnte, um einen Literaturclub zu gründen. Sehr früh entdeckt er in Edith Bratt (zauberhaft: Lily Collins) eine verständige Begleiterin, die seine große Liebe und Muse wird. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, werden das junge Paar und auch der Kreis der Literaturfreunde auseinandergerissen.

Trauma Erster Weltkrieg

Die Zeit, in der Tolkien erwachsen wurde, lässt Regisseur Dome Karukosi spürbar lebendig werden: Als hochbegabter, aber armer Student hat Tolkien mit Standesdenken und bildungsbürgerlichen Konventionen zu kämpfen. Vom Ersten Weltkrieg traumatisiert, kann er schließlich mit der Unterstützung und Liebe seiner Frau ein Fantasy-Werk erschaffen, das bis heute Menschen auf der ganzen Welt begeistert.

"Tolkien" ist keine Dokumentation, sondern ein Spielfilm, der sich künstlerische Freiheiten nimmt: Hier steht die große Liebesgeschichte im Mittelpunkt, das literarische Werk tritt dahinter zurück.

Eine bewegende Autorenbiographie.  

Biopic, USA 2019, Regie: Dome Karukosi, ab 12 Jahren

Kinostart: 20.06.2019

Stand: 19.06.2019, 00:00