The house that Jack built

WDR 2 Kino

The house that Jack built

Von Andrea Burtz

Regisseur Lars von Trier meldet sich mit einem provokanten und brutalen Thriller zurück. Er erzählt in "The house that Jack built" von einen Serienmörder, gespielt von Matt Dillon. WDR 2 Kinokritikerin Andrea Burtz: "Toleranzgrenze überschritten".

Jack (Matt Dillon) ist unauffällig. Ein blasser Typ mit farbloser Brille und Trenchcoat. Kein Wunder, dass eine Frau (Uma Thurman) zunächst keine Scheu hat, den fremden Autofahrer im Wald anzuhalten, um ihr bei einer Reifenpanne zu helfen. Unaufhörlich redet sie auf ihn ein, Jack wird sichtlich nervös. Bis er schließlich mit dem Wagenheber zuschlägt, immer wieder. Sein erster Mord. Es werden noch vier weitere folgen, die Regisseur Lars von Trier in aller Ausführlichkeit zeigt. Jack ist ein Serienkiller, der bestialisch mordet und die Tatorte zwanghaft säubert. Szenen, die von Trier zynisch in Szene setzt.

Zwölf Jahre nach dem ersten Mord blickt Jack auf sein Leben, seine Obsessionen und seine Moral zurück. Er hält Zwiesprache mit einem gottgleichen Gegenüber, in Gestalt von Bruno Ganz. Dabei versucht er, das Verhältnis von Gewalt und Kunst auszuloten. Für ihn ist jeder Mord ein kreativer Akt.

Provokation und Brutalität

Um seinen kruden Gedanken zu folgen, muss der Zuschauer durch eine Anhäufung von Provokationen und explizite Brutalitäten. Morde werden aus Jacks krankem Psychopathen-Blickwinkel als künstlerischer Akt dargestellt. Am Ende steht eine Installation aus gefrorenen Leichen – eine visuelle Tortur!

Schon die detailliert inszenierten Mordszenen, die langen Todeskämpfe sind schwer erträglich. Auch psychische Erniedrigungen der Opfer mutet Regisseur Lars von Trier seinem Publikum zu. Da muss eine Mutter erst mitansehen, wie ihre Kinder gezielt erschossen werden, dann soll sie die toten Körper mit Kuchen füttern.

In Cannes, wo der Film außer Konkurrenz zu sehen war, spaltete der Film sein Publikum. Die einen spendeten Standing Ovations, die andern verließen während der 155 Minuten (!) den Kinosaal, weil sie sich vor den Bildern geekelt haben. Lars von Trier kann das gut verstehen, gab er in einem Interview zu: "Wenn ich nicht der Regisseur wäre, würde ich meine eigenen Filme auch nicht anschauen wollen."

Toleranzgrenze überschritten

Seine Filme haben schon immer provoziert, egal, ob "Breaking the waves", "Melancholia" oder "Nymphomaniac". Mit "The house that Jack built" hat von Trier meine Toleranzgrenze überschritten. Kino ist mehr, als Lust an der Provokation.

Thriller, Dänemark, Frankreich, Schweden, Deutschland 2018, Regie: Lars von Trier, ab 18 Jahren   

Kinostart: 29.11.2018

Stand: 29.11.2018, 00:00