Von "The Wolf Man" bis "Wild": Der Wolf im Film

Von "The Wolf Man" bis "Wild": Der Wolf im Film

Von Jasper Witkowski

Der Wolf erscheint nicht nur im Nordosten Deutschlands wieder zunehmend auf der Bildfläche, sondern ist auch Protagonist zahlreicher Filmklassiker der vergangenen Jahrzehnte.

Der Schein trügt: Werwolf Larry (Lon Chaney jr.) und Gwen (Evelyn Ankers) halten sich nicht etwa liebevoll in den Armen. Zwar hat der Erbe des Talbot-Anwesens in Schottland ein Auge auf die Tochter des Antiquitätenhändlers geworfen, doch nachdem er von einem blutrünstigen Wolf gebissen wurde, wird er selbst wild. Schon 1941 erkennt Universal mit "Der Wolfsmensch" ("The Wolf Man") das Horrorpotenzial eines Menschen, der sich gegen seinen Willen in einen Werwolf verwandeln muss. Andere Universal-Horrorfilme waren aber trotzdem deutlich erfolgreicher: Man denke nur mal an Frankenstein oder Dracula (beide 1931).

Um das Leben aus der Sicht eines Wolfs in nahezu dokumentarischem Stil geht es in Disneys "Lobo, der Wolf" ("The Legend of Lobo") aus dem Jahre 1962. Neben tapsigen Welpenbildern für die ganze Familie thematisiert der Film aber auch das Eindringen der Menschen in die Heimat der Wölfe – auf dem Filmposter prangt der Slogan: "The hunter … the hunted! In one lifetime he was both."

Nicht wirklich um Wölfe, aber um nächtliche Albträume und Schreckensvisionen während der "Stunde des Wolfs" geht es im gleichnamigen Film von 1968, einer Schwarzweißproduktion des schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman. Johan (Max von Sydow) wird regelmäßig von dämonischen Gestalten heimgesucht – nicht selten befindet sich darunter auch seine Ex-Freundin Veronica Vogler.

François Truffauts "Der Wolfsjunge" ("L'enfant sauvage", 1970) basiert auf der Geschichte eines um 1800 in den Wäldern Südfrankreichs aufgefundenen Jungen, der ohne jegliche soziale Interaktion in der Wildnis aufgewachsen ist. Der Arzt Dr. Jean Itard, im Film verkörpert vom Regisseur selbst, nimmt ihn unter seine Fittiche.

Genau 40 Jahre nach "The Wolf Man" verschlägt es in "American Werewolf" ("An American Werewolf in London") 1981 zwei amerikanische Rucksacktouristen wieder ins britische Hochmoor, das offenbar ein besonders gut geeigneter Ort für Horrorfilme ist. David (David Naughton) und Jack (Griffin Dune) stoßen auch hier zwangsläufig auf einen Werwolf, nur einer von ihnen überlebt und verwandelt sich fortan selbst zum Biest.

Im selben Jahr stehen Wölfe in der Filmbranche hoch im Kurs: Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Gary Brandner kommt der Werwolf-Horrorfilm "The Howling" (deutscher Titel: "Das Tier") in die Kinos. Und Michael Wadleigh, einst durch seine weltberühmte Woodstock-Dokumentation bekannt geworden, inszeniert mit "Wolfen" die Geschichte eines Rudels mutierter Wölfe, die ihr von den Menschen abspenstig gemachtes Revier zurückerobern wollen.

In "Wenn die Wölfe heulen" ("Never Cry Wolf"), einer Disney-Produktion von 1983, soll der Biologe Tyler (Charles Martin Smith) der stark abnehmenden Rentierpopulation in der Arktis auf den Grund gehen. Auch hier sind aber nicht die Wölfe, sondern die Menschen das Problem, wie Tyler bald herausfindet ...

Zwei Jahre später kommt aus dem Hause Disney ein weiterer Film in die Kinos, in dem ein Wolf ein wichtiges Wörtchen mitzureden hat: "Die Abenteuer der Natty Gann" ("Journey Of Natty Gann") handelt von einem Mädchen, das auf der Suche nach seinem Vater einem Wolf begegnet, der sich fortan als treuer Aufpasser und Begleiter zu ihr gesellt.

Wo es um Wölfe geht, dürfen Märchen-Verfilmungen nicht fehlen. "Rotkäppchen" schaffte es dabei schon häufig in die Kinos – so z. B. hier im Bild im Jahre 1987 mit abgewandelter Handlung (der Wolf als Handlanger eines fieses Tyrannen, der Rotkäppchens Mutter begehrt) oder 2011 als "Red Riding Hood – Unter dem Wolfsmond" (Rotkäppchens Vater als Werwolf, "Twilight"-Flair durch Regisseurin Catherine Hardwicke).

1990 schreibt Kevin Costner mit "Der mit dem Wolf tanzt" ("Dances with Wolves") Filmgeschichte. Zugegeben, der Wolf ist hier vor allem Namensgeber für Lieutenant John Dunbar (Kevin Costner) – aber als absoluter Klassiker darf dieser Film in dieser Fotostrecke selbstverständlich nicht fehlen.

"Wolfsblut" ("Whitefang", 1991) zeigt wiederum Parallelen zu Natty Gann auf: Ein junger Goldsucher namens Jack (Ethan Hawke) wird von einem Bären angefallen, ein Wolf-Hund-Mischling rettet ihn in letzter Sekunde und steht ihm von nun an als Freund und Begleiter zur Seite.

Jack Nicholson hat sich in "Shining" (1980) als Darsteller für Horrorfilme bewährt. Dass er auch den Werwolf kann, zeigt er eindrucksvoll in "Wolf – Das Tier im Manne" ("Wolf", 1994).

Nicolette Krebitz führt in "Wild" (2016) Regie: Eine junge IT-Spezialistin fängt einen Wolf ein, hält ihn bei sich zu Hause, desozialisiert immer mehr und sieht in ihm ihren zukünftigen Lebenspartner.

Stand: 30.04.2019, 17:54 Uhr