Die Gag-Giganten

Die Gag-Giganten

Von Ingo Neumayer

Peter Sellers, Jerry Lewis, Louis de Funès: Ohne diese drei Großmeister wäre die Geschichte des komischen Films ganz anders verlaufen. Eine Würdigung.

Jerry Lewis im Porträt (circa 1950)

Eigentlich meinte er es immer nur gut: Jerry Lewis geriet in seinen Rollen oft in alltägliche Situation, die durch sein Zutun langsam eskalierten. Und seine Versuche, die Dinge gerade zu rücken, machten alles nur noch schlimmer.

Eigentlich meinte er es immer nur gut: Jerry Lewis geriet in seinen Rollen oft in alltägliche Situation, die durch sein Zutun langsam eskalierten. Und seine Versuche, die Dinge gerade zu rücken, machten alles nur noch schlimmer.

Ein Highlight in seinem frühen Schaffen ist "Hallo Page" aus dem Jahr 1960. Lewis spricht in der Komödie fast gar nicht und verlässt sich komplett auf seine Gestik und Mimik. Tipps dafür holt er sich bei einem der Größten aller Zeiten: Stan Laurel, in Deutschland besser bekannt als "Doof".

Auch mit albernen Verkleidungen wusste Lewis umzugehen. In "Ein Froschmann an der Angel" spielt er einen unbedarften Buchhalter, der sich vor einer Diebesbande verstecken muss. Schlimme Frisur, Trottelbrille, falsche Zähne, schlechter Anzug - und fertig ist die Tarnung.

Viele seiner großen Momente lieferte Lewis (li.) an der Seite von Dean Martin (2.v.r.) ab. Die beiden bildeten ein kongeniales Duo: Martin war der gutaussehende Schwerenöter und Lebemann, Lewis der liebenswerte Schussel. Und am Ende ging trotz vieler Irrungen und Wirrungen alles gut aus.

Jerry Lewis galt zwar nie als offizielles Mitglied des "Rat Pack" um Dean Martin (li.), Frank Sinatra (Mi.), Sammy Davis jr., Joey Bishop und Peter Lawford. Aber als Gast war er in der lässigen Truppe, die Musik, Comedy und Entertainment auf legendäre Weise verband, immer gerne gesehen.

Na, haben Sie den Mann links erkannt? Richtig: Es ist Peter Sellers in einer seiner letzten Rollen als Dr. Fu Man Chu. Sellers war einer der vielseitigsten Komiker aller Zeiten. Kaum einen Akzent, den er nicht beherrschte, kaum eine Rolle, in die er nicht schlüpfen konnte.

In der frivolen Komödie "Was gibt's Neues, Pussy?" geriet Sellers als exzentrischer Psychiater in Paris mitten hinein in die Liebeseskapaden seiner Patienten. Ein Highlight in Sellers Karriere - und nicht nur in seiner. Der Film war das erste verfilmte Drehbuch von Woody Allen, Tom Jones gelang mit dem Titelsong "What's New Pussycat?" ein Welthit, und neben Sellers glänzten unter anderem Romy Schneider, Ursula Andress und Françoise Hardy.

1976 gab es "Eine Leiche zum Dessert" - und nur die besten Detektive und Ermittler aller Zeiten kamen in Frage, um den Fall zu lösen. An der Seite von Peter Falk, David Niven, Alec Guinness, Maggie Smith und Truman Capote spielte Sellers eine Parodie auf den Meisterdetektiv Charlie Chan namens Sidney Wang.

Kriminalfälle lösen war genau sein Ding. Auch als Inspektor Clouseau war Sellers stets dem Bösen auf der Spur. Legendär ist bis heute die "Pink Panther"-Reihe, und das nicht nur wegen der Musik von Henry Mancini. Wie Sellers den trotteligen Ermittler spielt, der mit sparsamer Mimik auf die größten Tölpeleien reagiert und sich felsenfest für einen großen Kriminalisten hält, ist bis heute unerreicht. Und ein Vorbild für nachfolgende Komiker.

Doch Sellers beherrschte weit mehr als nur die Klamotte. So drehte er Anfang der 60er "Lolita" und "Dr. Strangelove" mit Regie-Legende Stanley Kubrick. Und für einen seiner letzten Filme, die Politik- und Gesellschaftssatire "Willkommen Mister Chance", wurde er sogar für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.

Komik und Kriminalistik scheinen zwei Felder zu sein, die gut miteinander harmonieren. Denn auch Louis de Funès machte sich einen Namen als Ermittler. In den 60er Jahren war er dem Superschurken "Fantomas" auf der Spur.

Am meisten im Gedächtnis geblieben sind aber wohl seine Auftritte als Gendarm Ludovic Cruchot, der in Saint-Tropez auf Jagd nach Bösewichtern geht. Cruchot war ein Spießbürger par excellence: Seine Familie und seine Untergebenen wurden gepiesackt, während er sich bei Vorgesetzten und Höhergestellten einschleimte und buckelte.

"Nein!" - "Doch!" - "Ohhh!" ist einer dieser typischen de-Funès-Dialoge, der in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. Besonders in Deutschland war der Komiker äußerst beliebt, und das, obwohl ihn die Drehbuchautoren zum Teil ziemlich frei übersetzt haben. Das ging bis zu den Filmtiteln der Cruchot-Reihe: Dort hieß er mal Louis, mal Balduin - aber nie Ludovic. Wenigstens die wunderbare Musik "La Marche des Gendarmes" von Raymond Lefebvre wurde nicht geändert.

Ähnlich wie Peter Sellers und Jerry Lewis konnte sich auch de Funès in seiner Paraderolle als Choleriker stets auf seine ausdrucksstarke Mimik und Gestik verlassen. Und genau wie die beiden anderen griff auch er gerne mal tief in die Kiste des Klamotten-Fundus. In "Die dummen Streiche der Reichen" spielte er Don Sallustre, den Finanzminister des spanischen Königs im 17. Jahrhundert.

Viele seiner Stoffe basierten auf Theaterklassikern. Mal war es Victor Hugo, mal Molière wie hier in "Der Geizige". Doch de Funès schaffte es immer, scheinbar verstaubte Bühnenstücke für die Leinwand zu inszenieren und die Komik aus ihnen herauszukitzeln. Humor im Film zu erzeugen, da sind sich Experten einig, ist eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Und nur wenigen gelang das so gut wie Louis de Funès, Peter Sellers und Jerry Lewis.

Stand: 28.07.2020, 14:54 Uhr