Narziss und Goldmund

Sabin Tambrea (l) als Narziss und Jannis Niewöhner als Goldmund in einer Szene des Films "Narziss und Goldmund"

Narziss und Goldmund

Von Andrea Burtz

Zwei grundverschiedene junge Männer begegnen sich in einem mittelalterlichen Kloster - ein lebensfroher Künstler und ein vergeistigter Grübler - aufwändiges Kostümdrama nach dem Roman von Hermann Hesse.

Neu im Kino: "Narziss und Goldmund" und "Zu weit weg"

WDR 2 Kino 12.03.2020 03:05 Min. Verfügbar bis 12.03.2021 WDR 2

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Mittelalter in einer alten Abtei. Hier lernen sich Narziss und Goldmund als Kinder kennen. Der strenge Klosteralltag schweißt die Jungen zusammen. Gemeinsam stehen sie harte Strafen und Entsagungen durch. Es entwickelt sich eine Freundschaft, die über die Kindheit hinaus geht. Narziss sieht in seinem Klosterbruder bald mehr als nur einen Freund.

Asket und Künstler

Dabei könnten die beiden unterschiedlicher kaum sein: Narziss (Sabin Tambrea) lebt asketisch, ihm fehlt jedoch jede Sinnlichkeit. Goldmund (Jannis Niewöhner) ist der musisch begabte Künstler, von weltlichen Genüssen angezogen.

Er verlässt das Kloster, um sich auf die Suche nach seiner Mutter zu machen, wird Schüler eines Bildhauers und eines Schreibers. Nach Jahren kehrt er als einäugiger Krüppel ins Kloster zurück, um Narziss seine Geschichte zu erzählen - die Rahmenhandlung des Films.

Wanderjahre in Hochglanz

Das Drehbuch von Stefan Ruzowitzky stellt Abenteurer Goldmund in den Mittelpunkt. Seine ereignisreichen Lehr- und Wanderjahre sind als kurzweiliger Hochglanzbilderbogen in Szene gesetzt.

Goldmund berichtet von seiner musischen Entwicklung, seiner Leidenschaft für die Künste, aber besonders von seiner Liebe zu den Frauen.  Diese erotischen Eskapaden inszeniert Regisseur Stefan Ruzowitzky (Oscar für "Die Fälscher") ausführlich und wird dabei seinem Anspruch, großes Gefühlskino zu machen, gerecht.

Märchenhaftes Mittelalter

Es ist ein märchenhaftes Mittelalter, das Ruzowitzky hier auferstehen lässt. Goldmund Darsteller Jannis Niewöhner lächelt dem Leben mit strahlend weißen Zähnen entgegen und zeigt viel nackte Haut. Sein Körper ist bis in die letzte Faser trainiert.

Ein Fest fürs Auge sind auch die aufwändigen, kunterbunten Kostüme von Goldmunds Geliebten. Ruzowitzky hat aus Hermann Hesses weltbekannter Vorlage einen Abenteuerfilm gemacht.

Sinnlichkeit und Schockmomente

Psychologische und philosophische Fragestellungen, die den Roman so vielschichtig machten, treten in den Hintergrund. Die prallen Kinobilder leben von gewagter Sinnlichkeit und Schockmomenten: blutige Striemen der Klosterschüler und Pestbeulen lassen die Grauen des Mittelalters wieder auferstehen.

Keine Angst vor Kitsch

"Narziss und Goldmund", die erste Verfilmung des Stoffs, ist eine lustvolle Interpretation des Stoffs, die auch vor Kitsch nicht zurückschreckt.

Drama, Deutschland 2019

Regie: Stefan Ruzowitzky ("Die Siebtelbauern", "Anatomie", "Die Fälscher", "Hexe Lilli: Der Drache und das magische Buch")

Darsteller: Jannis Niewöhner ("Ostwind 2", "4 Könige", "Jonathan", "High Society", "Rubinrot"), Sabin Tambrea ("Ludwig II.", "Ostwind: Aris Ankunft", "Marie Curie")

Länge: 118 min

Ab 12 Jahren

Kinostart: 12.03.2020

Stand: 12.03.2020, 00:00