Die Faszination des Horrors: Godzilla, King Kong und Tarantula

Die Faszination des Horrors: Godzilla, King Kong und Tarantula

Von Antonia Kasparek

Größe ist wichtig – auf jeden Fall im Monsterleben. Wir lassen daher einige Supermonster der Filmgeschichte Revue passieren: Godzilla, die Spinne Tarantula, Frankenstein und natürlich King Kong.

In den Fünfzigern begannen mit Formicula (1954) und Tarantula (1955) erstmals Insekten bzw. Spinnen, die Horrorfilme zu bevölkern. Sie bildeten den Ausgangspunkt für eine bis heute immer wieder erfolgreiche Sparte des Tierhorrors. Dieses Genre brachte eine Reihe von Thriller- und Horrorfilmklassikern, jedoch auch zahlreiche B-Movies hervor.

In dem Horrorfilm "Formicula" von 1954 treiben mutierte Riesenameisen ihr Unwesen, die bei Atombombenexperimenten in der Wüste von New Mexico nuklearer Strahlung ausgesetzt wurden. Dadurch mutieren die Ameisen zu riesigen Monstern und ziehen menschenfressend durch die Gegend. Die Natur schlägt also zurück: Das Motiv der Metamorphose durch menschliche Einflüsse wie wissenschaftliche Experimente, Umweltverschmutzung oder atomare Strahlung überschneidet sich mit anderen Filmgenres wie Science Fiction.

Eine Variante des Genres ist der japanische Monsterfilm, der auf die Tradition von "King Kong" und die prähistorischen Monsterfilme zurückgreift. Der erste Film dieser Reihe war der noch ernst angelegte "Godzilla" (1954), dessen Titelfigur als Allegorie auf die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki angelegt war. Godzillas zahlreiche Fortsetzungen und Nachahmer wandten sich zusehends an ein jugendliches Publikum und glitten ins Komische ab.

Ähnlich wie King Kong kehrt auch die Riesenechse Godzilla alle Jahre wieder auf die Leinwand zurück – meistens größer und spektakulärer. Ab 30. Mai 2019 ist nun eine neue Godzilla-Verfilmung im Kino zu sehen: "Godzilla – King of the monsters". Im neuen Film ist Godzilla 120 Meter groß. Er wird sich darin, wie aus der Filmgeschichte bekannt, mit anderen Monstern auseinandersetzen, wie Rodan oder Ghihdorah. Der Film ist also als ein monströses Gipfeltreffen angelegt.

"King Kong" war das erste Monster, das für den Film erfunden und nicht aus Literaturvorlagen adaptiert wurde. Das Original, das 1933 unter dem Titel "King Kong und die weiße Frau" produziert wurde, ist ein Meilenstein der Filmgeschichte und läutete die Ära der Spezialeffekte ein. Der Riesengorilla King Kong, der es auf blonde Frauen abgesehen hat, ist im nächsten Jahr mit einer Neuverfilmung dran: Dann wird der Film "Godzilla vs. Kong" in die Kinos kommen. Bereits 1962 gab es ein Gipfeltreffen zwischen Godzilla und King Kong in dem japanischen Film "Die Rückkehr des King Kong".

Prägend und stilbildend für viele spätere Tierhorrorfilme wurde Alfred Hitchcocks "Die Vögel" (The Birds, 1963), obwohl der Film nicht auf das Horrorgenre zu reduzieren ist. Der Publikumserfolg des Films war überragend.

Auch andere geflügelte Tiere wurden zu Bedrohungen in entsprechenden Horrorfilmen stilisiert. Dazu gehören auch Filme, in denen Fledermäuse im Mittelpunkt stehen. 1999 inszenierte Louis Morneau den Horrorfilm "Bats – Fliegende Teufel". 2007 folgte diesem eine späte Fortsetzung mit "Bats 2: Blutige Ernte". In dem 2001 entstandenen Film "Bat Attack – Angriff der Fledermäuse" stehen genmanipulierte Fledermäuse im Zentrum der Geschichte.

An der Fledermausangst ist vor allem er schuld: Graf Dracula. Der mehrfach verfilmte Klassiker über den blutsaugenden Vampir, der auch gerne in Gestalt einer Fledermaus bei Frauen ins Schlafzimmer flattert, um ihr Blut zu trinken. Der Film basiert auf dem Roman "Dracula" von Bram Stoker, die Hauptrollen spielen in der Version von 1958 Christopher Lee als Graf und Peter Cushing als sein Widersacher Van Helsing.

Ein Vorläufer des Dracula-Themas ist "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens" – ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau. Der Stummfilm ist eine – nicht autorisierte – Adaption von Bram Stokers Roman "Dracula" und erzählt die Geschichte des Grafen Orlok (Nosferatu), eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt. Nosferatu gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und übte mit seiner visuellen Gestaltung einen großen Einfluss auf das Genre aus.

"Frankenstein" ist die erste Tonverfilmung des Romans von Mary Shelley. Der Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1931 verwendet nur einige Motive und Personen aus dem Roman. Mit "Frankenstein" wurde ein Klassiker des Horrorfilms geschaffen, dem zahlreiche weitere Verfilmungen folgten. Boris Karloff, der das Monster spielte, gelang mit Frankenstein der Durchbruch als Schauspieler. Die Darstellung des Monsters ist für die Zeit der Verfilmung recht differenziert. Obwohl das Monster Menschen tötet, sind die Sympathien heutiger Zuschauer auf der Seite des Monsters.

Dem Begriff Werwolf liegt die mythologische Vorstellung zugrunde, dass ein Mensch die Fähigkeit besitzt, sich in einen Wolf zu verwandeln. Zu den modernen Werwolf-Mythen gehört die in verschiedenen Horrorfilmen vorgestellte Verwandlung eines Menschen, der von einem Werwolf verletzt worden ist. Zu sehen in verschiedenen Hollywoodfilmen von "Harry Potter" über "Twilight" bis zu "Wolf – Das Tier im Manne" oder "Teen Wolf".

Spätestens seit Steven Spielbergs später mehrfach fortgesetztem Film "Der weiße Hai" (Jaws, 1974) etablierte sich eine wahre Flut an Tierhorrorfilmen, deren Protagonisten im Wasser zuhause sind. Neben Haien und anderen Fischen wie Piranhas waren und sind vor allem Reptilien wie Krokodile und Seeschlangen oder auch Riesenkraken häufig auf der Leinwand zu sehen.

Auch "Nessi" das Ungeheuer aus dem schottischen Loch Ness ist in die Filmgeschichte eingezogen: 1934 wurde im britischen Film "The Secret of the Loch" die Legende zum ersten Mal thematisiert. Nessie wird üblicherweise als Plesiosaurier beschrieben, mit einer Länge von bis zu 20 Metern. Ihre Existenz wäre als so genanntes Kryptid erklärbar, ein dem Menschen unzugängliches und somit unerforschtes Tier, vergleichbar mit Bigfoot und Yeti.

Neben Vampiren zählen auch Mumien und Zombies zu den Monstern. Als Zombie wird ein Mensch bezeichnet, der scheinbar verstorben und wieder zum Leben erweckt worden ist und als ein seiner Seele beraubtes, willenloses Wesen herumgeistert. Eine zumindest zombieähnliche Gestalt erschien bereits 1920 im expressionistischen deutschen Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari".

Eine weitere Art von Zombiefilmen entstand durch die angeblichen UFO-Sichtungen in den USA und die Entstehung des Science-Fiction-Films. Hier waren die Zombies von Außerirdischen gesteuerte Marionetten, die die Erde auf eine Invasion vorbereiten sollten.

Doch warum gruseln wir uns eigentlich so gerne? Das Gefühl von Gefahr stellt für Menschen einen Kontrast zum oft eintönigen Alltag dar. Jedoch ist das Angstgefühl nur dann genießbar, wenn die Sicherheit besteht, die furchteinflößende Situation auch unbeschadet zu überstehen. Genau das bewirken Horrorfilme. Sie sind gleichzeitig abstoßend und anziehend und selbst, wenn es so furchterregend ist, dass wir nicht hinschauen können, blinzeln wir unter hervorgehaltener Hand hervor.

Stand: 29.05.2019, 14:28 Uhr