Der Leuchtturm

Robert Pattinson als Ephraim Winslow in einer Szene des Films "Der Leuchtturm"

Der Leuchtturm

Von Andrea Burtz

Zwei Leuchtturmwärter auf einer abgelegenen Insel: düsteres Drama, konsequent in schwarz-weiß gedreht, mit Robert Pattinson und Willem Dafoe.

Neu im Kino: "Die schönste Zeit unseres Lebens" und "Der Leuchtturm"

WDR 2 Kino 28.11.2019 03:11 Min. Verfügbar bis 27.11.2020 WDR 2

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Zwei rauhe Typen werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine abgelegene, unwirtliche Insel gebracht. Sie sind die einzigen Bewohner. Sie sollen sich um den Leuchtturm kümmern, sein Licht und das Nebelhorn in Stand halten. Thomas (Willem Dafoe), der ältere der beiden, spielt sich als Routinier auf und unterjocht den jüngeren Ephraim (Robert Pattinson), wo er nur kann. Er lässt den ehemaligen Holzfäller nicht ans Licht des Leuchtturms. Ephraim muss stattdessen die Latrine säubern und andere niedere Arbeiten verrichten.

Ungleiches Paar

Tagsüber gehen sich die beiden aus dem Weg. Doch abends isst das ungleiche Paar gemeinsam in der dunklen Kaschemme, teilt sich getrockneten Fisch und Bohnen. Thomas spült alles mit Alkohol runter, Ephraim zieht Wasser vor und beobachtet angewidert seinen Kompagnon, der ungeniert rülpst und Darmwinden freien Lauf lässt. Für Thomas gehört all das zum Leben eines Leuchtturmwärters.

Betrunken erzählt er unaufhörlich alte Geschichten und spinnt Seemannsgarn, das Ephraim offenkundig nicht interessiert. Thomas wiederum glaubt seinem Kompagnon nicht, dass er grundlos vom Holzfäller zum Leuchtturmwärter wurde und piesackt ihn mit Fragen zu seiner Vergangenheit.

Keine Rettung in Sicht

Beide sehnen sich dem Ende ihrer abgeschiedenen Zeit entgegen, als ein großer Sturm aufzieht, der ihnen das Arbeitsleben erschwert und scheinbar verhindert, dass ihre Ablöse kommt. Vergeblich warten sie nachts auf das Boot, das sie aus der Hölle befreit. Auch Ephraim beginnt zu trinken. Die Feindseligkeit zwischen den beiden vom Schicksal Verdammten eskaliert, den Rettung ist nicht Sicht.

Nach dem packenden Horrorfilm "The Witch" ist Regisseur und Drehbuchautor Robert Eggers erneut ein besonderer Grusel gelungen: Seine eigenwillige Männergeschichte hat er konsequent in schwarz-weiß gedreht, eindrucksvoll spielt er mit Licht und Schatten und schafft von Beginn eine eindringliche Atmosphäre. Einzelne Einstellungen wirken wie Zeichnungen aus einem Buch mit Gruselgeschichten, die das stete Dröhnen des Nebelhorns untermalt.

Konsequent reduzierter Thriller

Der ehemalige Twilightstar Robert Pattinson sorgt dafür, dass der in sich gekehrte Ephraim geheimnisvoll bleibt. Willem Dafoe ist als derber Seemann zum Fürchten. Robert Eggers hat seinen Protagonisten geschliffene Dialoge in den Mund gelegt und verbeugt sich mehrmals vor Herman Melville und dessen Meisterwerk Moby Dick. Ein konsequent reduzierter Thriller, der sich ins Gedächtnis brennt.  

Thriller, USA 2019, Regie: Robert Eggers, ab 16 Jahren

Stand: 28.11.2019, 00:00