Der Fall Collini

Filmszene aus dem Kinofilm "Der Fall Collini" mit Franco Nero und Elyas M'Barek

WDR 2 Kino

Der Fall Collini

Von Andrea Burtz

Warum hat der bis dahin unbescholtene Fabrizio Collini den Unternehmer Hans Meyer getötet? Ein packender Justizthriller mit kleinen erzählerischen Schwächen.

Neu im Kino: "Der Fall Collini" und "Van Gogh"

WDR 2 Kino 18.04.2019 03:08 Min. Verfügbar bis 17.04.2020 WDR 2

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Caspar Leinen (Elyas M’Barek) ist erst drei Monate im Beruf. Man merkt es ihm an – älteren Kollegen gegenüber wirkt er unsicher, im Gerichtssaal vergisst er, sein Mikro einzuschalten und wird verlacht.

Über eine Pflichtverteidigung gerät er an einen rätselhaften Fall. Der bekannte Unternehmer Hans Meyer (Manfred Zapatka) wurde in seiner Hotelsuite durch Kopfschüsse hingerichtet. Collini (Franco Nero), ein seit 30 Jahren unbescholten in Deutschland lebender Italiener, leugnet die Tat nicht. Er schweigt - auch zu seinem Motiv.

Für Caspar steht noch mehr auf dem Spiel, als sein erster großer Fall als Strafverteidiger. Denn das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war auch für ihn wie ein Ersatzvater. Außerdem hat er mit Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (ein überzeugender Heiner Lauterbach mit fragwürdiger Perücke) einen Gegner, der ihm durch Erfahrenheit und Selbstvertrauen haushoch überlegen scheint.

Caspar will auf eigene Faust herausfinden, warum Collini ausgerechnet einen vorbildlichen Menschen wie Meyer ermordet hat, denn Collini schweigt beharrlich zu den Beweggründen für die grausame Tat. Als Caspar schließlich gegen alle Widerstände immer tiefer in den Fall eintaucht, wird er nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern stößt auf einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte.

Dem Drehbuch zu "Der Fall Collini" liegt der gleichnamige, erste Roman des Juristen Ferdinand von Schirach zugrunde, der ein skandalöses Gesetz aus dem Jahr 1968 wieder in Erinnerung ruft. Durch die Rechtsverordnung konnten Taten vieler Kriegsverbrecher wegen Verjährung nicht mehr verfolgt werden. Auf dieses hochinteressante Stück Zeitgeschichte steuert auch das Drehbuch zu.

Zahlreiche Rückblenden erklären die Beziehung zwischen Collini und Meyer allerdings so plakativ, dass der Film seine Intensität verspielt. Die Figur des stillen Collini spielt Franco Nero, der legendäre "Django" aus Italowestern – wer könnte beredtes Schweigen emotionaler und packender darstellen, als er? Die Geschehnisse schlicht aus seinem Mund zu hören und dabei sein Gesicht zu sehen, wäre eindringlicher gewesen, als jedes Detail zu zeigen.  

Weil ausführlich der private Hintergrund des jungen Anwalts ausgeleuchtet wird, dauert es, bis der Justizthriller in Fahrt kommt.

Justizthriller, Deutschland 2019

Regie: Marco Kreuzpaintner ("Sommersturm", "Krabat")

Darsteller: Elyas M'Barek ("Fack ju Göhte", "Dieses bescheuerte Herz"), Franco Nero ("Django", "Django Unchained"), Manfred Zapatka ("Falscher Bekenner"), Alexandra Maria Lara ("Der Vorleser", "Control", "Der Untergang")

Länge: 122 Minuten

Ab 12 Jahren

Kinostart: 18.04.2019

Stand: 18.04.2019, 09:49