Intrige

Jean Dujardin (l) als Picquart und Louis Garrel als Dreyfus in einer Szene des Films "Intrige"

Intrige

Von Andrea Burtz

Die Dreyfus-Affäre erschütterte Frankreich vor mehr als 100 Jahren. Regisseur Roman Polanski nimmt sich den Fall nun vor: "Intrige" ist beeindruckendes, elegantes Erzählkino.

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts. Der französische Hauptmann Alfred Dreyfus (Louis Garrel) ist vielen ein Dorn im Auge, weil er Jude ist - der einzige im französischen Generalstab. Am 5. Januar 1895 verliert er alle militärischen Ehren -  ihm wird Spionage vorgeworfen. Vor seinen Untergebenen wird er degradiert.

Neu im Kino: "Intrige" und "Enkel für Anfänger"

WDR 2 Kino 06.02.2020 03:01 Min. Verfügbar bis 05.02.2021 WDR 2

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Einer der Zuschauer ist Oberst Marie-Georges Picquart (Jean Dujardin), der wie viele andere im Militär etwas gegen Juden hat. Er pflichtet dem öffentlichen Gespött seiner Kameraden bei. Alfred Dreyfus wird zu lebenslanger Haft auf die Teufelsinsel verbannt.

Picquart wird anschließend Chef des Geheimdienstes, der die Verurteilung Dreyfus zu verantworten hat. Bei eigenen Recherchen stößt er auf Unstimmigkeiten: Auch nach Dreyfus' Verurteilung wurden militärische Geheimnisse an die Deutschen verraten. Bei den Vorgesetzten kommen seine Zweifel jedoch nicht gut an. Sie wollen Ungereimtheiten lieber vertuschen.

Kampf um die Wahrheit

Doch Picquart lässt sich nicht beeindrucken, sondern kämpft um die Wahrheit. Dabei deckt er immer mehr fragwürdige Beweise in Dreyfus Indizienprozess auf. Als der entschlossene Picquart der Wahrheit zu nahekommt, stellen ihn seine Vorgesetzten kalt.

Der Offizier gibt nicht auf, wendet sich an den Schriftsteller Emile Zola, der seinen berühmten Brief verfasst: "J’accuse". In der offenen Anklage enthüllt er alle Details der Dreyfus Affäre und bringt damit das französische Volk gegen sich auf. Die aufgebrachten Massen marodieren in den Straßen, verbrennen Zolas Bücher und verwüsten jüdische Geschäfte. Dafür findet Regisseur Roman Polanski Bilder, die an die Reichspogromnacht erinnern und seinen packenden Historienfilm in die Gegenwart rücken.

Komplexe Geschichte spannend erzählt

Meisterlich gelingt es Polanski, die komplexe Geschichte spannend und emotional zu erzählen, ohne sich in Details zu verlieren. Jean Dujardin – für seine Rolle in "The Artist" mit dem Oscar ausgezeichnet – beweist als widerspenstiger Offizier Picquart einmal mehr sein schauspielerisches Können auch im dramatischen Fach.

"Intrige" ist ein spannender, exzellent beobachteter Film ohne Schnörkel. Und darin liegt seine Kraft. Polanski setzt auf eine ruhige, kammerspielartige Inszenierung und präzise Dialoge, die sich meist zwischen zwei Personen abspielen. Sein Drehbuch basiert – wie bereits "The Ghostwriter" auf der Vorlage von Robert Harris.

"Intrige" ist beeindruckendes, elegantes Erzählkino, das am 28. Februar bei der Césars Verleihung, den französischen Oscars, mit zwölf Nominierungen als Favorit ins Rennen geht.

Historiendrama, Frankreich 2019

Regie: Roman Polanski ("Tanz der Vampire", "Rosemarys Baby", "Der Pianist", "Gott des Gemetzels", "Venus im Pelz")

Darsteller:Jean Dujardin ("The Artist", "Mein ziemlich kleiner Freund"), Louis Garrell ("Little Women", "Die Träumer"), Emmanuelle Seignier ("Frantic", "Bitter Moon", "Venus im Pelz")

Länge: 132 min

 ab 12 Jahren

Kinostart: 06.02.2020

Stand: 06.02.2020, 00:00