"Pottoriginale" - wie eine Rucksackreise im Ruhrgebiet

 Gerrit Starczewski mit seinem Protagonisten VfL Jesus.

"Pottoriginale" - wie eine Rucksackreise im Ruhrgebiet

Von David Nienhaus

Gerrit Starczewski hat in nur sechs Monaten einen Kinofilm gedreht. Ein Kunstwerk, das an "Bang Boom Bang" und "Manta, Manta" erinnert. Und doch so anders ist. Ein Interview.

Wir treffen Gerrit Starczewski in Bochum an der Castroper Straße in Bochum. Denn "anne Castroper" ist nicht nur sein VfL beheimatet, sondern in der Ostkurve des Ruhrstadions auch der Tankwart und der VfL Jesus, die beiden Hauptdarsteller seines Debütfilms "Pottoriginale – Roadmovie", der am Freitag (08.12.17) Weltpremiere feiert.

WDR: Herr Starczewski, können Sie Ihren Debütfilm in drei Wörtern beschreiben?

Gerrit Starczewski: Trash. Avantgarde. Authentizität. 

WDR: Klingt eher nach einem Kunstwerk als nach einem Spielfilm.

Starczewski: Es vereint beides. Aber eigentlich möchte ich von diesen Etiketten weg. Natürlich ist es ein Kunstwerk, aber vielmehr ist es ein umgesetzter Traum.

WDR: Um was ging es Ihnen denn?

Starczewski: Ich lebe von Fantasien. Sie sind mein Antrieb. Es gibt nichts Geileres, als Träume zu verwirklichen. Der Film ist wie eine Rucksackreise. Man startet und weiß nicht genau, wo man landet, wo man die Nacht verbringt.

WDR: Erzählen Sie uns die Story in zwei Sätzen.

Regiesseur Gerrit Starczewski (l.) mit dem Tankwart a.D.

Regiesseur Gerrit Starczewski (l.) mit dem Tankwart a.D.

Starczewski: Tankwart a.D. und VfL Jesus graben im Stadion von Herne das verschollen geglaubte Geld des früheren Westfalia-Mäzens Erhard Goldbachs aus. Beim Verprassen der Kohle kommen sie von einem skurrilen Erlebnis ins nächste. 

WDR: Wie schwierig war die Zusammenarbeit mit diesen beiden Schauspielern?

Starczewski: Die beiden sind wirkliche Laien, die nicht in der Lage sind, einen Satz zweimal fehlerfrei zu sagen. Die beiden waren dabei aber so fantastisch, weil es entweder total grottig war oder eben großartig. Wir hatten kein klassisches Drehbuch, keine richtige Organisation und haben jeden Drehtag quasi improvisiert. Es war ein Selbstversuch, um zu sehen, ist so etwas möglich, eine Schnapsidee einfach mal umzusetzen.

WDR: Was entgegnen Sie denen, die sagen, Sie stellen Ihre Hauptdarsteller bloß?

Gerrit Starczewski mit VfL Jesus, Uwe Fellensieck und dem Tankwart a.D.

Die Protagonisten am Set: Künstler und Filmemacher Gerrit Starczewski mit seiner Crew.

Starczewski: Nichts liegt mir ferner, als sie bloßzustellen. Das passiert auch nicht. Die beiden sind total bei sich und können wunderbar über sich selbst lachen. Anderswo werden Menschen vorgeführt, ich höre ihnen zu und schenke ihnen eine Stimme.

Und nur, weil der Tankwart trinkt, ist er noch lange kein Asi. Das ist ein Beispiel für die Doppelmoral in unserer Gesellschaft. Wenn ein Rockstar wie Lemmy von Motörhead eine Flasche Whisky am Tag trinkt, ist das geil. David Bowie wird vergöttert, war aber heroinabhängig. Der Tankwart wird verurteilt, weil er Bier trinkt. Übrigens: VfL Jesus wäre in Berlin ein Hipster.

Das Interview führte David Nienhaus

Ausschnitte und "Filmrezension":

In der Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" vom 3. Dezember gibt es Ausschnitte und Infos zum neuen Film "Pottoriginale". ( Wer die sehenswerte Sendung nicht komplett nachschauen möchte, findet die "Filmrezension" ab TimeCode 00:24:15 - Viel Vergnügen!)

Stand: 07.12.2017, 06:00