100 Dinge

WDR 2 Kino

100 Dinge

Von Andrea Burtz

Zwei erfolgreiche Jungunternehmer verfallen im Erfolgsrausch auf die Wette, 100 Tage lang auf ihren gesamten Besitz zu verzichten. Alles wird in einer Lagerhalle deponiert, aus der sie pro Tag nur einen Gegenstand zurückholen dürfen.

Nein. Viel Kleidung haben Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) die meiste Zeit nicht an. Eine Wette ist daran schuld, dass sie nackt durchs verschneite Berlin laufen müssen oder gekrümmt auf dem Parkett ihres leeren Lofts liegen, notdürftig die Scham verdecken und ihre trainierten Oberkörper zeigen. So will es das Drehbuch von Florian David Fitz, der die Komödie "100 Dinge" in Szene setzte und eine der beiden Hauptrollen übernahm.

Von Anfang an: Paul und Toni besitzen gemeinsam ein boomendes Start Up Unternehmen. Sie haben eine App entwickelt, die individuell mit dem Nutzer kommunizieren kann und so das Leben mit süßlich naiver Stimme zum Traum macht. Dass dabei auch zig Daten gespeichert und anderweitig verwendet werden, stört sie zunächst nicht. Der große Internetguru David Zuckerman ist von der Idee so begeistert, dass er sie kaufen will.

Partywette um Firmenanteile

Doch bei der anschließenden Party mit der Belegschaft geraten Paul und Toni über ihr Konsumverhalten aneinander und schließen – vor den Augen ihrer Mitarbeiter – im betrunkenen und aufgebrachten Zustand eine Wette ab: Um sich ihre Unabhängigkeit vom Materiellen zu beweisen, wollen sie 100 Tage lang auf ihren Besitz verzichten. Täglich dürfen sie ein "Ding" aus der Garage zurück in ihr Loft holen. Dabei zählt eine Unterhose genauso viel, wie eine Zahnbürste oder ein Smartphone. Wer aufgibt, muss dem anderen seinen Teil an der Firma überschreiben.

Auch wenn Toni seine Hautcreme vermisst und Paul ständig friert, entwickeln beide im Lauf der Zeit nicht nur einen Blick für Alternativen, sondern auch ein Gespür für das wirklich Wichtige im Leben. Dabei helfen die ehrlichen Worte von Pauls Oma (Katharina Thalbach) und eine hübsche Unbekannte (Miriam Stein), die ihren schrillen Besitz im Depot neben Paul und Toni verstaut. Für ein Date kann ein Teebeutel auch zweimal aufgekocht werden. Und: Warum nicht mal aus der Dose essen, wenn weder Teller, noch Besteck vorhanden sind?

Leichte Unterhaltung mit etwas Anspruch

Florian David Fitz hat sich für sein fünftes Drehbuch viele charmante Details und Wendungen ausgedacht. Die Konsumkritik ist allerdings zu dick aufgetragen, ganz so, als würde Fitz seinem Skript selbst nicht trauen. Wie schon in "Der geilste Tag" funktionieren Schweighöfer und Fitz als Buddys vor der Kamera. Auch Katharina Thalbach als Oma, Hannelore Elsner als weise, stets qualmende Mutter und Maria Furtwängler als durchgeknallte Assistentin des großen Zuckerman können zeigen, welch komödiantisches Talent in ihnen steckt. "100 Dinge" - leichte Unterhaltung mit einem Schuss Anspruch, der nicht weh tut.

Komödie, Deutschland, 2018

Regie:
Florian David Fitz ("Jesus liebt mich", "Der geilste Tag")

Darsteller: Florian David Fitz ("Der Vorname", "Jesus liebt mich", "Der geilste Tag"), Matthias Schweighöfer ("Der Nanny", "Vaterfreuden", "Der geilste Tag"), Hannelore Elsner ("Die Unberührbare"), Katharina Thalbach ("Wuff", "Die Blechtrommel"), Maria Furtwängler ("Das Wetter in geschlossenen Räumen", "Tatort"), Miriam Stein ("Goethe", "Hin und Weg")

Länge: 110 min

Ab 6 Jahren

Kinostart: 06.12.2018

Stand: 06.12.2018, 00:00