Holmes & Watson

WDR 2 Kino

Holmes & Watson

Von Andrea Burtz

Holmes und Watson - wahrlich kein "wahrer" Sherlock Holmes. Legendäre Detektive stolpern hier durch eine hanebüchene Geschichte, der jegliche Finesse fehlt. Daumen runter, sagt Kinokritikerin Andrea Burtz.

Dr. Watson (John C. Reilly) steht lebensmüde auf einem Dach. Es ist das Haus von Sherlock Holmes (Will Ferrell), der in seinem Garten eine riesige Zucchini glänzend poliert. Als er den - noch - Fremden auf seinem Haus bemerkt, ruft er ihm Beleidigungen zu, die Watson jedoch missversteht. Er fühlt sich plötzlich wahrgenommen, will zu seinem Retter und zerschmettert mit seinem Gewicht die Riesen-Zucchini. Sherlock ist außer sich, doch Watson erkennt in ihm den Freund, dem er nicht mehr von der Seite weichen will. Drehbuchautor und Regisseur Etan Coen (nicht zu verwechseln mit Ethan Coen der Coen Brüder!) erzählt den Beginn des legendären Ermittlerpaares "Holmes & Watson" als ein großes Missverständnis. 

Die alberne, plump inszenierte Eingangsszene gibt einen Vorgeschmack auf folgende, sehr lange 90 Minuten. Es geht um einen mysteriösen Mord im Buckingham Palace. Zunächst scheint es ein klarer Fall zu sein, denn alle Anzeichen deuten auf Professor James Moriarty (Ralph Fiennes) hin, ein krimineller Mastermind und langjähriger Feind von Holmes und Watson. Innerhalb von vier Tagen müssen die beiden den Fall lösen, sonst wird Queen Victoria ermordet.

Grobe Sketchparade

Buch und Regie sind weit davon entfernt, pointierte Persiflage einer Legende zu sein. In dieser groben Sketchparade werden Mücken mit Pistolenschüssen gejagt, ein verrutschender Schnurbart zum Minutengag ausgewalzt. Und wann immer ein Fenster offen steht, ist klar: Gleich wird hier jemand hinaus fallen. Was hat dieser Unsinn mit Sherlock Holmes zu tun? Ach ja, wir sind in London. Also reden alle geschwollen und trinken ständig Tee. Überraschende Komik geht anders. Überspitzung auch. Legendäre Detektive werden hier schlicht zu Idioten einer hanebüchenen Geschichte, der jegliche Finesse fehlt.

Ja, Will Ferrell und John C. Reilly sind für alberne Komödien bekannt, gemeinsam waren sie vor zehn Jahren schon in der Klamotte "Stiefbrüder" zu sehen, aber in "Holmes & Watson" unterbieten sie Vorhergegangenes.

Wer über Leichen in Geburtstagstorten und wiederkehrenden Würgereiz nicht lachen kann, ist in diesem Film falsch. In den USA floppt "Holmes & Watson" bereits. Bei der Verleihung der "Goldenen Himbeere", den Negativ-Oscars, könnte er in diesem Jahr allerdings gleich in sechs Kategorien abräumen.

Komödie, USA 2018, Regie: Etan Coen, ab 12 Jahren

Kinostart: 07.02.2019

Stand: 07.02.2019, 00:00