Gut gegen Nordwind

Alexander Fehling und Nora Tschirner in einer Szene des Films "Gut gegen Nordwind"

Gut gegen Nordwind

Von Andrea Burtz

Emma schickt versehentlich eine Mail an Leo, zwischen den beiden Unbekannten entspinnt sich ein sehr persönlicher Dialog - via Mail. Bestsellerverfilmung mit Nora Tschirner und Alexander Fehling.

Neu im Kino: "Gut gegen Nordwind"

WDR 2 Kino 12.09.2019 02:14 Min. Verfügbar bis 11.09.2020 WDR 2

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Ein verdrehter Buchstabe lässt eine E-Mail von Emma (Nora Tschirner) versehentlich im Account von Leo Leike (Alexander Fehling) landen. Der Linguist antwortet prompt. Aus diesem Versehen entwickelt sich kurz vor Weihnachten ein wortgewandter, witziger E-Mail Dialog zwischen zwei Unbekannten.

Leo und Emma beschließen zunächst, die Freundschaft in virtuellen Bahnen zu belassen und nicht mit ihrem Alltag zu belasten, der sehr unterschiedlich ist. Leo ist frisch verlassen und kommt nicht von seiner Ex-Freundin (Claudia Eisinger) los, Emma hat Witwer Bernhard (Ulrich Thomsen) geheiratet und seither zwei Stiefkinder.

Virtuelle Insel für Emma und Leo

In stillen Momenten tippt sie Nachrichten wie: "Lieber Leo, wenn wir uns schreiben, fühle ich mich wie ein Schokokuss in der Mikrowelle!" Und Leo pariert prompt: "Ein Schokokuss in der Mikrowelle ist das Hässlichste, was ich je gesehen habe." Verschreckt entschuldigt sich Emma. Und Leo tröstet: "Es sind doch nur wir beide hier auf unserer virtuellen Insel."

Zwischen Fremdheit und Intimität

Die Flirtinsel liegt so abgelegen, dass die die beiden gleichzeitig im selben Supermarkt einkaufen, ohne einander zu erkennen, denn Fotos haben sie sich verbeten. Auf schmalem Grad zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sie sich immer näher.

Kann das gut gehen? Sollten sie sich nicht doch treffen? Oder machen dann die Umstände alles zunichte und die Schmetterlinge im Bauch halten dem schnöden Alltag nicht stand?

Romanvorlage von Daniel Glattauer

Der romantischen Komödie liegt der gleichnamige Bestseller von Daniel Glattauer zugrunde – ein Roman, der aus einer Abfolge von E-Mails besteht und Kopfkino entfacht. Menschen am Laptop zu zeigen, ist im Film auf Dauer langweilig. Deshalb hat sich Regisseurin Vanessa Jopp einiges einfallen lassen, um einem Schreib-Ping-Pong zu entgehen.   

Der Film begleitet zunächst Leo, der sich langsam in Evas originelle Sprache und eigenwillige Stimme verliebt. Emma ist zunächst auch für den Zuschauer ein Mysterium, das nur Stimme und Sprache hat.

Diese Projektionsfläche des puren E-Mail Kontakts nutzt Vanessa Jopp für Spannung in ihrer filmische Erzählung, denn der Zuschauer ist zunächst auf Leos Kenntnisstand. Dann wechselt die Perspektive zu Emma, offenbart ihr Gesicht, die tolle Garderobe und ihr chaotisches Familienleben.

Jenseits des Alltag

Zwei einsame Herzen, die einander zufällig finden? Nein, so leicht macht es sich die Vorlage nicht. Emma ist weder in ihrer Ehe unglücklich, noch steckt sie in einer Lebenskrise. Sie empfindet den Kontakt zu Leo als Insel in ihrem Alltag.

Vanessa Jopp bringt schnell Sprachnachrichten mit ins Spiel, um so ein zu oft wiederkehrendes Schreibszenario zu umgehen und mit Hilfe der Stimmen die Story interessanter zu machen.

Chemie zwischen den Protagonisten stimmt

Nora Tschirner, bislang häufig in komödiantischen Rollen besetzt, ("Keinohrhasen", "What a man") kann hier endlich mal zeigen, dass sie auch dramatischere Rollen stemmt. Und auch Alexander Fehling überzeugt. Die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren stimmt, man folgt dem sympathischen Paar gern bei ihrem Geplänkel um große und kleine Fragen.

Wer sich ihrer großen Sehnsucht im E-Mail-Roman gern hingegeben hat, der wird auch von der Verfilmung nicht enttäuscht.

Nora Tschirner: "Die Rolle muss mich packen"

WDR 2 12.09.2019 06:14 Min. Verfügbar bis 11.09.2020 WDR Online

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Romantische Komödie, Deutschland 2019

Regie: Vanessa Jopp ("Vergiss Amerika", "Engel & Joe", "Lügen und andere Wahrheiten", TV: "Klimawechsel")

Darsteller: Nora Tschirner ("Keinohrhasen", "Zweiohrküken", "What a Man", "SMS für Dich"), Alexander Fehling ("Goethe!", "Im Labyrinth des Schweigens", "Inglourious Basterds"), Claudia Eisinger ("Mängelexemplar"), Ulrich Thomsen ("Das Fest", "The International", "Adams Äpfel")

Länge: 122 min

Keine Altersbeschränkung

Kinostart: 12.09.2019

Stand: 11.09.2019, 16:35