Kirschblüten und Dämonen

WDR 2 Kino

Kirschblüten und Dämonen

Von Andrea Burtz

Elf Jahre nach dem Kinoerfolg "Kirschblüten - Hanami" verfilmt Doris Dörrie eine Fortsetzung der Geschichte. Aufgeladen mit japanischer Symbolik, aber bayrisch geerdet.

Karl (Golo Euler) lebt allein in München. Weil er zu viel trinkt, hat er seinen Job und seine Familie verloren und leidet sehr unter der Trennung von seiner kleinen Tochter. Er erinnert sich an bessere Zeiten in Japan, weiß aber nicht, wie er sein Leben in den Griff bekommen soll. Im Vollrausch verfolgen ihn Dämonen.

Neu im Kino: "Kirchblüten und Dämonen" und "Die Berufung"

WDR 2 Kino | 07.03.2019 | 03:29 Min.

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Fortsetzung von "Kirschblüten - Hanami"

Eines Tages steht die Japanerin Yu (Aya Irizuki) vor seiner Tür, die sich zehn Jahre zuvor um Karls Vater Rudi (Elmar Wepper) in Tokio gekümmert hat, als Karl keine Zeit für ihn hatte. Jetzt ist sie plötzlich wieder da und möchte das Haus und auch das Grab von Rudi sehen. Widerwillig fährt Karl mit ihr aufs Land.

Dem Charme von Yu kann er sich dabei nicht entziehen. Sein Elternhaus steht schon lange leer. Die Geschwister haben sich über das Erbe so zerstritten, dass zwischen ihnen Funkstille herrscht. Yu und Karl übernachten in dem Haus, an dem viele Erinnerungen hängen. Prompt kehren Karls Dämonen zurück. Yu weiß, wie man am besten mit ihnen fertig wird.

Karl wird immer stärker von bedrückenden Erinnerungen an seine Kindheit bedrängt, Geschwister und verstorbene Eltern klagen ihn an und fragen Karl: Was machst Du mit Deinem Leben? Warum bist Du nicht glücklich? Karl beginnt mit Yus Unterstützung, um seine eigene Geschichte zu kämpfen und verliebt sich immer mehr in die reizende Japanerin. Er muss fast sterben und bis nach Japan gehen, um herauszufinden, ob er selbst schon ein Gespenst oder noch am Leben ist.

Kammerspiel auf der Kinoleinwand

Vor elf Jahren war Doris Dörries Film "Kirschblüten – Hanami" ein großer Kinoerfolg. Dem unverstellt ruppigen Charme des bayerischen Paars Trudi und Rudi, gespielt von Hannelore Elsner und Elmar Wepper, konnte man sich nicht entziehen. Die geerdeten Charaktere erdeten auch die poetische Geschichte, die sanft in die japanische Kultur einführte.

Die Fortsetzung nimmt einige Figuren wieder auf, unterscheidet sich formal jedoch stark vom Vorgänger. "Kirschblüten und Dämonen" ist erzählt wie eine japanische Geistergeschichte, die vor Symbolen und Metaphern nur so strotzt. Rudi und Trudi tauchen als mahnende Figuren nur noch in hochdramatisch inszenierten Albträumen ihres Sohnes auf.

Schlichter, aber umso eindringlicher ist das Zusammentreffen der Geschwister in Szene gesetzt. Kammerspielartig treffen die drei im Elternhaus aufeinander, Strukturen und Mechanismen innerhalb der Familie werden deutlich, Probleme klar benannt. Hier wird die Geschichte - wie ihr Vorgänger - bayerisch geerdet. Der Culture Clash, der den Vorgänger ausmachte, fehlt in der Fortsetzung.

"Kirschblüten und Dämonen" ist ein Japanfilm für Fortgeschrittene.

Drama, Deutschland 2018

Regie: Doris Dörrie

Darsteller: Golo Euler, Aya Irizuki, Felix Eitner, Floriane Daniel, Birgit Minichmayr, Elmar Wepper, Hannelore Elsner u.a.

Länge: 110 Minuten

Ab 12 Jahren

Kinostart: 07.03.2019

Stand: 07.03.2019, 00:00