Regisseurin Emily Atef über "La Romy"

Marie Bäumer als Romy Schneider, Filmszene aus "3 Tage in Quiberon"

Regisseurin Emily Atef über "La Romy"

Eine ungeschminkte und sehr verletzliche Romy Schneider hat der Reporter erlebt, der sie 1981 für den Stern interviewte. Emily Atef hat diese Begegnung im Film "3 Tage in Quiberon" festgehalten. Ein Gespräch mit der Regisseurin über die "französische Romy".

WDR: In Deutschland ist Romy Schneider bis heute für viele die Sissi, in Frankreich sieht man das ganz anders. Sie sind in Berlin geboren, als Tochter einer Französin und eines Iraners, haben in den USA und Frankreich gelebt: Welches ist ihre Romy Schneider?

Filmszene "Sissi": Karlheinz Böhm und Romy Schneider

Filmszene "Sissi": Karlheinz Böhm und Romy Schneider

Emily Atef: Die Französische. Wir hatten nie Sissi geschaut, zu Hause, als ich noch in Berlin war, und ich war also von 13 bis ungefähr mitte 20 in Frankreich, das heißt ich hab Romy eigentlich wirklich in den französischen Filmen kennengelernt. Ich hatte immer so eine Nostalgie eigentlich und so war die erste Begegnung mit der Person. Aber mit dem Film waren es wirklich die Claude-Sautet-Film, die ganz oft um acht Uhr im Fernsehen liefen.

WDR: Und da spielt sie nicht nur so ein herziges Mädel wie die Sissi, die dann zur strahlenden Kaiserin wird, sondern eine viel gebrochenere Frau, oder?

Emly Atef: Ja, oder einfach vielschichtig. Sie ist in "Die Dinge des Lebens" eine Verliebte, die versucht, ihren Mann zu halten, obwohl er nicht zu ihr stehen kann. Und mein Lieblingsfilm war "Eine einfache Geschichte" und das ist es: Eine einfache Geschichte über eine Frau, die 40 ist und sich sucht, die noch eine Beziehung mit ihrem Ex-Mann hat, aber auch einen neuen und unglaublich wie authentisch ist sie da.

Emily Atef

Regisseurin Emily Atef

Die Filme von Claude Sautet sind so menschlich und so voller Leben – eine große Inspiration. Sie hatte halt in Frankreich die Möglichkeit, extrem spannende Rollen für eine Schauspielerin zu machen. Die wurde so geliebt dort, obwohl sie deutsch war und immer einen leichten Akzent hatte, sie wurde wirklich adoptiert als "La Romy". 

WDR: In welcher Lebenssituation befand sich Romy Schneider damals in Quiberon?

Emly Atef: 1981 war ein ziemlich furchtbares Jahr, auch nach Quiberon. Sie war wirklich ein bisschen in einer Sackgasse. Sie war in Scheidung, sie hatte massive Schulden, ihr geliebter Sohn wollte nicht mit ihr leben, er wollte in der Stieffamilie leben, also bei den Großeltern – er war damals 14.

Zwei Monate nach Quiberon ist er leider auf furchtbare Weise gestorben. Und sie war physisch auch extrem erschöpft und musste einen Film nach dem anderen machen, wegen den Schulden, und auch, weil sie alleinerziehend war. Immer musste sie das Geld generieren, um ihren Kindern und sich selbst das Leben zu ermöglichen.

Wenn man das Interview liest, fragt man sich: Warum erzählt sie ihnen (Anm. d. Red.: den Stern-Reportern) das alles. Einem Journalisten, als ob er ihr Therapeut wäre oder ihr bester Freund.

Der Film "Drei Tage in Quiberon" zeichnet das letzte großen Interview von Romy Schneider nach. Sie empfing dafür den Fotografen Robert Lebeck und den Stern-Reporter Michael Jürgs 1981 im bretonischen Seebad.

WDR: Ja, warum?

Emly Atef: Ich glaube, sie wollte den Deutschen erklären, wer sie ist. Sie hat sehr wenige Interviews gegeben in Deutschland, weil: Sie wurde von der Presse so fertiggemacht. Da war eine echte Aggression und man hat ihr nie vergeben, dass die pure, wunderbare Sissi zum - ich glaube immer noch Feindland - Frankreich mit einem Filou wie auch noch Alain Delon flieht oder geht und dann nie wieder wirklich zurückkommt.

Und sie wollte sich eigentlich erklären und sagen: Ich sag's vielleicht zum letzten Mal: Ich bin nicht eine fünfzehnjährige Filmfigur. Ich bin nicht Sissi. Es ist eigentlich absurd, dass man sowas sagen muss. Ich bin eine zweiundvierzigjährige und eigentlich unglückliche Frau und ich heiße Romy Schneider.

Das Interview führte Kornelia Bittmann im WDR 3 Samstagsgespräch.

Regisseurin Emily Atef im Samstagsgespräch

WDR 3 Gespräch am Samstag | 14.04.2018 | 33:31 Min.

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Stand: 13.04.2018, 17:55