Musik als filmisches Mittel

Ednas Tag

Musik als filmisches Mittel

Der Ton macht das Gefühl – Musik im Film

Welche Musik im Film eingesetzt wird, ist eine wichtige und oft schwierige Entscheidung für die Macherin oder den Macher. Denn: Die Musik kann die Wirkung von Bildern oder einer Szene stark beeinflussen: Ob zum Beispiel ein Spaziergang im Wald heiter, spannend oder gruselig "rüberkommt", hängt nicht zuletzt von der Musik ab.

Der Filmemacher Bernd Sahling hat für seinen Film "Ednas Tag" zwei unterschiedliche Versionen gemacht, die sich nur durch die Musik unterscheiden: Einmal ist der Film mit einer Geigen-Musik unterlegt, die extra für den Film komponiert wurde. Sie klingt modern und schwermütig und verleiht dem Film einen dramatischen Aspekt.

Für den fertigen Film hat sich Bernd Sahling aber für die zweite Variante mit einem Musikstück der Gruppe KAL entschieden. Denn die Gruppe kommt aus Ost-Europa, aus Serbien. Edna, um die es im Film geht, kommt aus Bosnien, was ebenfalls in Ost-Europa liegt. So ist durch die Musik auch ein wenig von Ednas Heimat und Kultur im Film vertreten – und erzählt damit auch etwas über sie.

Musik und Geräusche

Hör’ doch einfach mal selbst: Bevor im Film überhaupt ein Bild zu sehen ist, beginnt bereits die Musik. Sie ist der erste Kontakt zum Film und bestimmt so den ersten Eindruck. Neben der Musik sind auch Geräusche aus der Anfangsszene zu hören.

Wer also während der ersten 40 Sekunden des Films die Augen zulässt, wird leicht erraten, dass Bernd Sahling in einer Schule gefilmt hat. Es sind Stimmen und eine Schulklingel zu hören. Beides zusammen vermittelt eine typische Schul-Atmosphäre. Da man nicht nur die Musik hört, sondern vielmehr auch diese Atmo, ist man als Zuschauer direkt mitten im Schulalltag.

Stimmung

Edna hat es nicht immer leicht in ihrer Klasse, denn sie versteht vieles nicht und kann sich noch nicht so gut ausdrücken. Es gibt viel Streit in der Klasse und auf dem Schulhof. Trotzdem ist die Stimmung, die von der Musik ausgeht, nicht traurig und schwer.

Hier hast du die Möglichkeit, die Musik noch einmal zu hören, und du kannst dir überlegen, wie du die Musik beschreiben würdest.

Was meinst du dazu? Was sagt dir die Musik und wie würdest du die Stimmung beschreiben? Lustig, traurig, langweilig oder...

Und was meinen andere dazu? Hör' dich doch mal um und frag' mal nach. Vielleicht empfindet ja jeder die Musik ein bisschen anders.

Wiederholung und Abwechslung

Ednas Schulalltag ist eintönig und ohne Abwechslungen. Um diesen Alltag zu zeigen, hat Bernd Sahling einige Momente aus dem normalen Schulleben zusammen geschnitten und mit Musik unterlegt. In diesen Szenen gibt es keinen Off-Kommentar, der dem Zuschauer etwas erzählt oder erklärt, so wie es häufig in den Doku-Soaps im Fernsehen geschieht. Die Bilder – und eben besonders die Musik – übernehmen die Aufgabe des Erzählers oder des Kommentars.

Eines merkt man sofort: In Ednas Schultag geschehen immer dieselben Dinge. Und manchmal ist es auch ganz schön langweilig. Bernd Sahling hat eine Musik ausgesucht, die diese Stimmung wie ein Erzähler kommentiert. Die Musik wirkt eher leicht, manchmal sogar ein wenig heiter: Sie ist wie ein Erzähler, der beim Erzählen eher lächelt und nicht tief traurig ist. Das hilft, damit auch der Zuschauer Ednas Alltag nicht als durch und durch schrecklich empfindet. Die Musik sagt eher: "So ist das momentan in Ednas Leben!"

An mehreren Stellen im Film wird die gleiche Melodie wiederholt – so wie sich auch bei Edna immer alles wiederholt. Und so sieht das dann aus!

Auch Ednas Mitschülerin sieht es so, dass Ednas Unterricht immer gleich ist: "Immer nur Deutsch machen, stell’ ich mir langweilig vor", sagt sie. Während die anderen in der Klasse zum Beispiel Mathe- oder Biounterricht haben, müssen Edna und ihre Schwester Negra ständig Deutscharbeitsblätter ausfüllen, denn sie sollen erst einmal die Sprache lernen.

Alltägliche Streitereien

Auch Streitereien gehören zu Ednas Leben in der Schule. Ihre Mitschüler erzählen davon im Film. Aber höre und schaue selbst: Bernd Sahling hat einen Streit im Klassenzimmer und einen Streit auf dem Schulhof gefilmt. In beiden Szenen sind die Schüler zu hören, aber dann setzt die Musik wieder ein und übertönt alles. Die Musik signalisiert dem Zuschauer, dass sich auch die Streitereien und Kämpfe immer wiederholen und für Edna (und vielleicht auch für die anderen) fast normal geworden sind – eben immer das gleiche Lied!

Edna singt

Es gibt eine Szene, in der Edna und ihre Schwester alleine auf dem Schulflur tanzen und singen. Das ist auch Musik im Film, nur eben keine, die erst nach dem Filmschnitt unter die Bilder gelegt wurde, sondern Musik, die bei den Dreharbeiten in dem Flur zu hören war. Diese Szene ist für den Film wichtig, denn sie zeigt eine andere Seite von Edna als im Rest des Films – viel entspannter und fröhlicher.

Ungewöhnlich still hier

Eigentlich ist in Filmen ja fast immer irgendetwas zu hören: Entweder spricht jemand, man hört Geräusche oder eben Musik. Etwas Ungewöhnliches ist es, wenn im Film einmal gar nichts zu hören ist.

In "Ednas Tag" gibt es so ein stummes Ende: Edna sitzt vor der Kamera ohne ein Wort zu sagen. Alle anderen haben im Film über sie geredet – sie selbst schweigt. Zumindest spricht sie nicht mit Worten. Teste doch einmal selbst, wie diese Szene für dich ist!

Bernd Sahling hat sich entschieden, hier keine Musik oder Geräusche zu benutzen, die dem Zuschauer Stimmungen vermitteln. Stattdessen: Edna pur – ohne Ton. So kann sich jeder Zuschauer einmal nur mit Edna beschäftigen. Denn wenn es keine Geräusche gibt, dann konzentriert sich alles auf das Bild. In diesem Fall auf Edna.