Die Drittelregel als filmisches Mittel

Lisa beim Radio

Die Drittelregel als filmisches Mittel

Filmemacher und Kameraleute gestalten die einzelnen Bilder eines Films ganz bewusst. Sie überlegen sich: Wie soll der Zuschauer zum Beispiel die Personen in der Einstellung sehen? Worauf soll die Aufmerksamkeit gelenkt werden? Wie gestalte ich das Bild, damit es nicht langweilig wirkt? 

Rechts und links der Bildmitte

Lisa arbeitet am Computer

Lisa arbeitet am Computer

Hilfreich ist dabei die so genannte Drittelregel. Dafür teilt man ein Bild mit zwei senkrechten und zwei waagrechten Linien in jeweils drei gleich große Bereiche. Die obere waagerechte Linie wird als Augenlinie bezeichnet. Hier in dem Bild liegen die Augen von Lisa auf genau dieser (gelben) Linie, zwei Drittel oberhalb der unteren Bildkante. Das, was sie momentan macht – also auf der Computertastatur schreiben –, befindet sich unterhalb der waagrechten (gelben) Linie. Unsere Augen betrachten Bilder so, wie wir gelernt haben, einen Text zu lesen: von links nach rechts  und von oben nach unten. Bei diesem Bild wandert der Blick von links nach rechts, bis er bei Lisa ankommt. Dann etwas weiter unten wieder nach links, wo Lisa auf der Tastatur schreibt. Das Bild wird dadurch aussagekräftig, ein ausgewogenes Ganzes. Wegen dieser Regel filmen Kameraleute daher die wichtigsten Personen oder Objekte häufig rechts und links von der Bildmitte. 

In der Mitte liegt die Ruhe, manchmal aber auch die Langeweile

Lisa beim Abendessen

Lisa beim Abendessen

In diesem Bild siehst du Lisa, die  genau in der Mitte des Bildes beim Abendessen sitzt. Der Blick des Zuschauers wird dorthin gelenkt und auch festgehalten. Es gibt für ihn links und rechts der Mitte wenig zu sehen. Der Blick wird nicht wandern, sondern sich auf Lisa konzentrieren. In diesem Fall hat die Filmemacherin die Mitte vermutlich bewusst genutzt, um die Ruhe des Abendessens nach dem aufregenden Tag von Lisa einzufangen. Wären alle nun folgenden Bilder auch so, könnte das für den Zuschauer langweilig werden. Darum werden die folgenden Bilder anders gestaltet.

Abwechslung ist wichtig

Kameraleute filmen Einstellung für Einstellung, Bild für Bild. Man könnte auch sagen, sie komponieren ihren Film aus Einzelbildern, wie ein Lied aus vielen Noten und gestalten abwechslungsreiche Bilder. Das zeigt das Beispiel mit dieser Bildabfolge: In der ersten sitzt Lisa am Tisch beim Abendessen. Sie befindet sich genau in der Mitte des Bildes. 

Damit der Film nicht langweilig wird, ist die darauf folgende Szene am Computer wieder nach der Drittelregel gestaltet.

Horizontlinien

Ein Blick auf den mehrstöckigen Flur

Ein Blick auf den mehrstöckigen Flur

Waagerechte Linien werden von einigen Machern auch als Horizontlinien bezeichnet.  Dort, wo man bei einem Bild von einem Sonnenuntergang den Horizont sehen würde, ist dann eine Art Linie zu sehen. Die kann entweder hoch auf der oberen oder tiefer auf der unteren waagerechte (gelben) Linie platziert sein. In diesem Bild hat der Kameramann den Boden des oberen Flurs – eine sehr auffällige Linie im Bild – so platziert, dass er auf der obersten waagrechten (gelben) Linie liegt.

Goldener Schnitt

Die Drittelregel ist übrigens eine vereinfachte Form des sogenannten Goldenen Schnitts. Das ist eine geometrische Regel, die der griechische Mathematiker Euklid schon in der Antike entdeckte. Er erkannte, dass der Betrachter Bilder als besonders gelungen empfindet, wenn Dinge und Personen an ganz bestimmten Punkten im Bild positioniert sind.