Diego Maradona

Diego Maradona in einer Szene aus dem Dokumentarfilm "Diego Maradona"

Diego Maradona

Von Andrea Burtz

Diego Maradona gilt als einer der besten Fußballer der Geschichte. Seine große Zeit in den 1980er Jahren wurde jetzt in einer Dokumentation verewigt, zusammengestellt aus - teilweise noch unbekannten - Originalaufnahmen.

Neu im Kino: "Es - Kapitel 2" und "Diego Maradona"

WDR 2 Kino 05.09.2019 03:19 Min. Verfügbar bis 04.09.2020 WDR 2

Download

Neapel 1984. Bei einem Erdbeben vier Jahre zuvor haben mehr als 2.000 Menschen ihr Leben verloren, die Stadt ist schmutzig und arm, die Camorra wird zusehends mächtiger. Und dann kam er. Ein 24-jähriger, gedrungener Mann mit dichten schwarzen Locken, ein bisschen schüchtern, ein Gott am Ball: Diego Maradona.

Eine der ärmsten Städte Europa hatte den damals teuersten Spieler der Welt gekauft, nachdem er in Madrid mit seinem damaligen Verein Barcelona nach Abpfiff auf dem Spielfeld eine Massenschlägerei angezettelt hatte. Maradona musste wechseln.

Neapel statt Turin

Nach 44 Tagen war klar, das Diego Maradona ausgerechnet in den Süden Italiens ging und nicht etwa nach Turin. Neapels Fußballfans waren begeistert, feierten ihren Messias, als er im Stadion vorgestellt wurde – vor über 70.000 Fans, die "Diego, Diego" skandierten.

Ihr Diego trug mitten im Sommer einen Trainingsanzug mit langer Hose, schaute in die kreischenden Massen, dribbelte ein bisschen, um dann den Ball unter Jubel in den Himmel zu schießen. Der Beginn einer italienischen Fußballerweckung, die ihresgleichen sucht.

Vergessen waren die Zeiten, in denen Diego Maradona mit sieben Geschwistern im Slum Argentiniens wohnte. Sein Lebenstraum, den Eltern eine Wohnung zu schenken, war bereits in Erfüllung gegangen.  

Preisgekrönter Regisseur Asif Kapidia

Es gibt viele starke Szenen im Dokumentarfilm über die argentinische Fußballlegende Diego Maradona des britische Regisseurs Asif Kapidia. Für seine Filme über die Formel-1-Legende Ayrton Senna und die Sängerin Amy Winehouse wurde er mehrfach preisgekrönt.

Auch bei Maradona punktet Kapidia mit seinem schlichten Konzept, dass authentisch nah an den Protagonisten bleibt: Kapidia erzählt seine Geschichte ausschließlich aus altem Filmmaterial. Aktuelle Kommentare aus dem Off erklären, emotionalisieren und ordnen ein, doch die sogenannten sprechenden Köpfe aus aktuellen Interviews sind nie zu sehen. Maradona erzählt selbst, auch eine seiner Schwester, sein Trainer und anderen Weggefährten kommen zu Wort und erinnern sich. Doch dabei wird die Bilderflut aus alten Tagen nie gebrochen.

Kapidia hat zum großen Teil noch unveröffentlichtes Material zutage gefördert. Maradonas erster Spielerberater hatte zu Beginn seiner Karriere zwei Kameramänner verpflichtet, die ihn erst in Barcelona, dann in Neapel begleiteten.

500 Stunden Material

Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch zuhause, mit den Eltern, bei der Schlüsselübergabe zur ersten eigenen Wohnung, auf Partys, in der Umkleidekabine. 500 Stunden Material, das sowohl den gefeierten Fußballgott Maradona zeigt, als auch die schüchterne Privatperson Diego.

In Kapadias Film sind nicht nur schmeichelhafte Szenen zu sehen: Vorwürfe von Geliebten, Fotos inmitten der Camorra, Maradonas Kokainsucht, die Steuerprobleme – alles kommt darin vor. Ein starkes Portrait über einen argentinischen Fußballgott aus einer anderen Ära.

Dokumentarfilm, Großbritannien 2019

Regie: Asif Kapadia,

ab 12 Jahren

Kinostart: 05.09.2019

Stand: 05.09.2019, 00:00