Die Goldfische

Axel Stein als Rainman, Jella Haase als Laura, Luisa Wöllisch als Franzi und Kida Khodr Ramadan als Eddy (v.l.n.r.) in einer Szene des Films "Die Goldfische"

WDR 2 Kino

Die Goldfische

Von Andrea Burtz

In dem Newcomer-Film wird die Geschichten einer Behinderten-WG erzählt. Sehr witzig, mit viel Gefühl und ohne peinliche Betroffenheit.

Als Portfolio-Manager ist Oliver (Tom Schilling) Tempo gewohnt. Telefonate mit der Mutter und Stau auf dem Weg zur Arbeit nerven ihn gründlich. Als er eines morgens ungeduldig auf der Gegenspur abkürzen will, verursacht er einen Crash. Die Diagnose: Querschnittslähmung.

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WDR 2 Kino 21.03.2019 03:46 Min. WDR 2

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Blinde Zyniker, zwei Autisten und der stumme Michi

Drei Monate Reha sollen ihn auf das Leben im Rollstuhl vorbereiten. Doch Oliver will so schnell wie möglich raus aus dem "Behindertengefängnis mit schlechtem Internet". Auf der Suche nach stärkerem WLAN lernt er im Haus eine schräge Behinderten-WG kennen, die "Goldfisch Gruppe".

Magda (Birgit Minichmayr) ist eine blinde Zynikerin mit derbem Humor, zwei Autisten, den 80er Jahre Popfan "Rainman" (Axel Stein) und den stummen Michi (Jan Henrik Stahlberg) mit Schutzhelm, Franzi (Luisa Wöllisch) ein selbstbewusstes Mädchen mit Downsyndrom.

Schwarzgeldschmuggel im Behindertenbus

Außerdem die Betreuer: Laura (Jella Haase), die nach dem Studium der Förderpädagogik ihren Traumjob in der Praxis richtig gut machen will. Eddi (Kida Khodr Ramadan) ist das Gegenteil: ein Heilerziehungspfleger in zu kurzen T-Shirts, der seinen Job abgrundtief hasst.

Als Olivers schweizer Schließfach mit steuerfrei beiseite geschafftem Vermögen aufzufliegen droht, erkennt er schnell die Vorteile positiver Diskriminierung: er lädt die Goldfische zu einer kleinen Reise ein. Doch der von ihm gesponserte Ausflug im Behindertenbus ist keine nette Geste, sondern Kalkül: Er dient als perfekte Tarnung für seinen Schwarzgeldschmuggel über die deutsch-schweizerische Grenze.

Eine Geschichte ohne peinliche Betroffenheit

Newcomer Alireza Golafshan hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Ihm ist ein unverstellter Umgang mit behinderten Menschen gelungen. Die Geschichte ist witzig, mit Gefühl erzählt und lässt niemals Respekt vermissen. Peinliche Betroffenheit kommt nicht auf – dazu sind die Figuren zu ehrlich und wirken zu authentisch.

Allen voran der Fack ju Göhte Star Jella Haase als zupackende Betreuerin. Schnell ist klar, dass die Busreise trotz wohlmeinender Betreuer im Chaos enden wird. Das macht aber nichts. Denn die lustige Truppe auf ihrem Weg zu begleiten, ist ein großer Spaß. Das bunte Ensemble fügt sich zu einer sympathischen Schicksalsgemeinschaft, der man gerne folgt, weil das Drehbuch unverklemmt mit dem Thema Behinderung umgeht.

Komödie, Deutschland 2019

Regie: Alireza Golafshan

Darsteller: Tom Schilling („Who am I? – Kein System ist sicher“, „Oh Boy“, „Werk ohne Autor“), Jella Haase („Fack ju Göhte“, „25 km/h“), Birgit Minichmayr („Alle Anderen“), Axel Stein („Nicht mein Tag“, „Hilfe, ich hab‘ meine Eltern geschrumpft“), Jan Henrik Stahlberg („Fikkefuchs“, „Muxmäuschen Still“), Kida Khodr Ramadan („4Blocks“, „Mein Blind Date mit dem Leben“), Klaas Heufer-Umlauf („Coming In“, „Rubbeldiekatz“)

Länge: 111 Minuten

Ab 12 Jahren

Kinostart: 21.03.2019

Stand: 21.03.2019, 00:00