Das Familienfoto

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Das Familienfoto

Von Andrea Burtz

Drei Geschwister versuchen, sich abwechselnd um ihre demente Großmutter zu kümmern. Die französische Komödie trifft den perfekten Ton zwischen Leichtigkeit und Tragik.

Neu im Kino: "Das Familienfoto" und "The Sun Is Also A Star"

WDR 2 Kino 16.05.2019 02:59 Min. WDR 2

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Sie sind Geschwister und von Grund auf verschieden: Die alleinerziehende Gabrielle (Vanessa Paradis) arbeitet in Paris als "lebende Statue", um immer für ihren Sohn erreichbar zu sein.

Sozialarbeiterin Elsa (Camille Cottin) hat selten ihr Temperament im Griff, hadert mit ihrem Kinderwunsch und ihrem Ehemann. Spiele-Entwickler Mao (Pierre Deladonchamps) ist trotz des großen beruflichen Erfolgs noch nicht im Leben angekommen und wird von depressiven Gedanken geplagt.

Desinteresse und Distanz

Ihre schon lange getrennt lebenden Eltern haben ganze Arbeit geleistet. Der Vater (Jean-Pierre Bacri) war nie da und hat sich mehr für seine Sekretärinnen als für seine Kinder interessiert. Das wirft ihm seine Ex-Frau (Chantal Lauby), eine Psychotherapeutin, vor.

Sie mischt sich zwar in alle Angelegenheiten ein, hält die Familie aber professionell auf Distanz. Die Normalste in dem Haufen scheint da noch die demente Großmutter (Claudette Walker).

Wohin mit Oma?

Als ihr Ehemann, der Patriarch, stirbt, kommt die Familie zusammen und ist gezwungen, sich zusammenzuraufen. Denn allein kann die alte Dame nicht bleiben. Aber wie sollen Kinder und Enkel eine Lösung für sie finden, wenn schon in ihrem eigenen Leben Chaos herrscht?

"Ich möchte nach Saint-Julien!" Diesen Wunsch äußert Oma bereits auf der Beerdigung ihres Mannes. Was es genau mit diesem Sehnsuchtsort auf sich hat, legt der Film nach und nach frei.

Schicksalsschläge und Schimpftiraden

Sympathisch undramatisch vollzieht sich die Enthüllung - wie alle anderen Schicksalsschläge, die das Leben für die Familie bereithält: Unerfüllter Kinderwunsch, Trennungen, versuchter Selbstmord.

An diversen Schimpftiraden lässt sich ablesen, wieviel Wut sich in der Familie mit den Jahren aufgestaut hat. Und mittendrin sitzt "Mamie", wie Oma von allen genannt wird, und lächelt in die Runde.

Inszenierung mit Humor und viel Gespür

Ganz selbstverständlich wandert sie von der einen Familie zur nächsten, wie ein Schlüsselkind. Ihre freundliche Art bewegt Kinder und Enkel dazu, ihr das Herz auszuschütten, obwohl sie verstrickten Tiraden nicht mehr folgen kann.

Regisseurin Cécilia Rouaud inszeniert Drama und Seelenpein mit Humor, viel Gespür und leichter Hand, so dass man dieser Familie gern folgt.

Perfekter Ton zwischen Leichtigkeit und Tragik

Auch wenn manche Charakterzüge zugespitzt werden, verkommt keine Figur zur Karikatur, denn alle haben mehr als nur eine Facette. Rouaud führt die Geschichte schlüssig zu Ende.

"Das Familienfoto" findet den perfekten Ton zwischen Leichtigkeit und Tragik und überzeugt als Ensembleleistung.

Komödie, Frankreich 2018

Regie: Cécilia Rouaud ("Ich habe mich ganz klein gemacht")

Darsteller: Vanessa Paradis ("Elisa", "Der Auftragslover"), Pierre Deladonchamps ("Die kanadische Reise", "Sorry Angel"), Camille Cottin ("Allied – Vertraute Fremde"), Jean-Pierre Bacri ("Das Leben ist ein Chanson", "Das Leben ist ein Fest"), Chantal Lauby ("Monsieur Claude und seine Töchter"), Claudette Walker ("French Women – Was Frauen wirklich wollen") 

Länge: 98 min

Keine Altersbeschränkung

Kinostart: 16.05.2019

Stand: 16.05.2019, 00:01