Club der roten Bänder - Wie alles begann

WDR 2 Kino

Club der roten Bänder - Wie alles begann

Von Andrea Burtz

Sechs Jugendliche, sechs Krankengeschichten - Krebs, Magersucht, Koma führen sie als Langzeitpatienten in einer Klinik zusammen. Sie gründen einen "Club" und unterstützen sich gegenseitig.

Leo (Tim Oliver Schultz) bringt beim Fußball vollen Körpereinsatz, sein Bein macht ihm ab und zu Probleme. Jonas (Damian Hardung) ist ein interessierter und guter Schüler, deshalb macht ihm sein eifersüchtiger Bruder das Leben zur Hölle. Emma (Luise Befort) will ihren beschäftigten Eltern gefallen und mit ihren Problemen nicht zur Last fallen. Alex (Timur Bartels) hat Ärger mit seiner Lehrerin. Toni (Ivo Kortlang) wird nur von seinem Opa richtig verstanden und geliebt. Er nimmt seinen Enkel nicht nur in Schutz, sondern gleich bei sich auf. Und Hugo (Nick Julius Schuck) rafft für einen Sprung vom Zehn-Meter-Turm seinen ganzen Mut zusammen.

Das sind gewöhnliche Teenager-Probleme. Leo, Jonas, Alex, Emma, Toni und Hugo schlagen sich damit herum, wie jeder andere in dem Alter. Doch im Leben eines jeden dieser sechs schlägt das Schicksal bald heftig zu: Krebs, Magersucht, Koma führen die sechs als Langzeitpatienten im Albertus Klinikum zusammen.

Diagnosen platzen in den Teenageralltag

An dieser Stelle beginnt die erste Staffel der Fernsehserie "Der Club der roten Bänder", die so erfolgreich bei VOX lief, dass eine zweite und dritte folgten. Der Kinofilm erzählt die Zeit davor: Wie in den Teenageralltag Krebsdiagnosen und Verluste platzen und nicht jedes Familienmitglied mit der neuen Situation umgehen kann.

Bei sechs Figuren entsteht allerdings ein dramaturgisches Problem, denn es hagelt Schicksalsschläge. Und da jeder Protagonist in seinem Umfeld vorgestellt wird, gibt es diverse Nebenfiguren, die aufgrund der Fülle an Personal holzschnittartig geraten sind. So erzählt der Film zwar hochemotionalen Stoff, bleibt aber durch sein Tempo und die Vielzahl an Figuren auf Distanz.

Auch für Serienfans neu ist die Figur "Benni" (Jürgen Vogel). Er ist der schwer krebskranke Zimmergenosse von Leo, den er zunächst mit Zynismus überschüttet. Doch nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, in der Leo lernt, seiner Krankheit zu trotzen und trotz allem das Leben zu genießen.  

Ehrlicher und direkter Umgang mit schweren Krankheiten

Auch im Kinofilm beeindruckt der ehrliche, sehr direkte Umgang mit schweren Krankheiten und der eigenwillige, humorvolle Ton. Dass der Kern der Geschichte wahr ist, merkt man ihr an. Als Vorlage dienten der Serie die Memoiren "Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt" des Spaniers Albert Espinosa, der selbst als junger Mann viele Jahre fast ausschließlich im Krankenhaus verbrachte.

Serienfans werden es sich nicht nehmen lassen, die Vorgeschichten ihrer liebgewonnen Figuren zu erfahren und vielleicht noch unbekannte Seiten zu entdecken. Allen anderen wird mit dem Kinofilm ein Einstieg in die Serie eher schwerfallen.

Drama, Deutschland 2019, Regie: Felix Binder, ab 12 Jahren

Kinostart: 14.02.2019

Stand: 14.02.2019, 00:00