Britisches Kino: Von James Bond bis Harry Potter

Britisches Kino: Von James Bond bis Harry Potter

Von Antonia Kasparek

Großbritannien sorgte im Kino schon immer für Gänsehaut und Gelächter. Ob "Blow Up", "Uhrwerk Orange" oder "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" – die Filme zeigen die Facetten des britischen Lebens damals und heute.

Margaret Rutherford - Miss Marple

Das Vereinigte Königreich erlebte in den 1960er Jahren ein Aufblühen der Filmindustrie, das allerdings hauptsächlich dem Engagement amerikanischer Filmstudios zu verdanken war. So produzierte die britische Tochter von MGM 1961 mit "16 Uhr 50 ab Paddington" eine erfolgreiche Adaption eines Kriminalromans von Agatha Christie, die drei Fortsetzungen mit Margaret Rutherford als Miss Marple fand.

Das Vereinigte Königreich erlebte in den 1960er Jahren ein Aufblühen der Filmindustrie, das allerdings hauptsächlich dem Engagement amerikanischer Filmstudios zu verdanken war. So produzierte die britische Tochter von MGM 1961 mit "16 Uhr 50 ab Paddington" eine erfolgreiche Adaption eines Kriminalromans von Agatha Christie, die drei Fortsetzungen mit Margaret Rutherford als Miss Marple fand.

Auch die erfolgreichste britische Filmreihe der 60er entstand mit Geldgebern aus den Vereinigten Staaten. Die amerikanischen Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli hatten 1960 die Verfilmungsrechte für Ian Flemings James-Bond-Romane erworben und zu diesem Zweck die britische Gesellschaft Eon Productions gegründet. 1962 entstand als Koproduktion mit United Artists "James Bond – 007 jagt Dr. No", der sich als so profitabel erwies, dass nur ein Jahr später mit "Liebesgrüße aus Moskau" ein zweiter Film produziert wurde. 1964 wurde mit "Goldfinger" der bislang erfolgreichste James-Bond-Film veröffentlicht.

Die britische Filmförderung ermöglichte die Produktion von Monumentalfilmen wie Joseph L. Mankiewicz’ "Cleopatra" (1963), dem bis dahin teuersten Film aller Zeiten, oder David Leans Epen "Lawrence von Arabien" (1962) und "Die Brücke am Kwai" (1957) mit Alec Guinness.

Der Aufschwung der britischen Filmwirtschaft lockte nicht nur amerikanische Geldgeber, sondern auch ausländische Regisseure wie Stanley Kubrick an. Kubricks erste britische Arbeit war die Verfilmung von Vladimir Nabokovs Skandalroman "Lolita". Ähnlich wie bei dem Science-Fiction-Film "2001: Odyssee im Weltraum" (1968), war England dort Drehort, nicht aber Schauplatz. Erst in den 70ern drehte Kubrick mit der Dystopie "Uhrwerk Orange" in seiner Wahlheimat angesiedelte Filme. Das Werk irritierte und schockierte, wird aber seither in den Top-Ten-Listen internationaler Filme geführt.

Auch eine Reihe europäischer Regisseure arbeitete Mitte der 60er in London. Michelangelo Antonionis "Blow Up" zeigte 1966 ein realistisches und vielschichtiges Porträt der Londoner Jugendszene, die David Hemmings als Modefotograf mit seiner Kamera einfing.

Unter dem Einfluss der 68er-Bewegung entstanden sozialkritische Filme wie "Quadrophenia" aus dem Jahr 1979. Inspiriert von dem gleichnamigen Rockalbum der britischen Gruppe "The Who" porträtiert der Film die jugendliche Subkultur im England der frühen 60er-Jahre. Sting, damals Sänger der Band "The Police", gab in diesem Film sein Schauspieldebüt. Der Film zeigt die Identitätskonflikte britischer Jugendlicher der Arbeiterklasse und den Konflik zweier zeitgenössischer Subkulturen – Mods und Rocker. Musikfilme waren zu dem Zeitpunkt bereits ein etabliertes Genre im britischen Film.

Der Film "Trainspotting" zeichnet ein negativ-satirisches Bild der britischen Gesellschaft in den späten 80ern. Das schottische Filmdrama des Regisseurs Danny Boyle aus dem Jahr 1996 hat mittlerweile Kultstatus. Der Film ist ein schockierendes und zugleich einfühlsames Porträt der Junkie-Szene.

Doch die Briten sind auch bekannt für ihren Humor. Der Meister dieses Fachs ist unbestritten die britische Komikergruppe Monty Python. Sie wurde 1969 gegründet und hatte ihre Blütezeit in den 70ern, in denen die Fernsehserie "Monty Python’s Flying Circus" und mehrere Kinofilme, unter anderem "Das Leben des Brian", "Die Ritter der Kokosnuss" und "Der Sinn des Lebens" entstanden. Serie und Filme bestachen durch ihren ungewöhnlichen und absurden Humor. In Anlehnung an den Ausdruck "kafkaesk" wurde diese Stilrichtung auch als "pythonesk" bezeichnet.

In diese Fußstapfen britischen Humors trat Rowan Atkinson alias "Mr. Bean". Er spielt den weltfremden und kindischen Tollpatsch, der wegen seiner egoistisch-anarchistischen Züge von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt und sich in der modernen Welt nur schwer zurechtfindet. Seine ständigen Begleiter sind sein Mini und sein Teddybär, den er wie einen Menschen behandelt. Die Serie wurde von 1989 bis 1995 produziert und besteht aus 15 Episoden, die im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Außerdem gab es zwei Kinofime: "Bean – Der ultimative Katastrophenfilm" und "Mr. Bean macht Ferien".

"Vier Hochzeiten und ein Todesfall" ist eine britische Filmkomödie aus dem Jahr 1994. Sie bedeutete den internationalen Durchbruch für den Schauspieler Hugh Grant. Rowan Atkinson (Mr. Bean) tritt hier als unerfahrener und tollpatschiger Priester auf. Der Film wurde 1995 für den Oscar in den Kategorien Bester Film und Bestes Originaldrehbuch nominiert. Elton John steuerte zur Musik des Films zwei exklusive Titel bei, doch die eigentlichen musikalischen Gewinner des Films war die Gruppe "Wet Wet Wet". Mit ihrer Coverversion des Troggs-Songs "Love is All Around" stand die Band im Sommer 1994 15 Wochen lang auf Platz 1 der britischen Charts.

Zu den kommerziell erfolgreichsten Reihen der Filmgeschichte gehören die Verfilmungen der Harry-Potter-Romane der britischen Fantasy-Autorin Joanne K. Rowling durch Warner Bros. Rowling stimmte dem Projekt erst zu, als Warner bereit war, ihr erhebliche Mitspracherechte bei der Umsetzung des Films, der Merchandisingprodukte und eventueller Nachfolger zuzusichern. Insbesondere stellte sie sicher, dass alle Fortsetzungen auf ihren Romanen basieren müssen. Darüber hinaus bestand sie darauf, dass alle Schauspieler britisch sind und dass in den Filmen britisches Englisch gesprochen wird. In den Jahren 2001 bis 2011 wurden die Bücher in acht Teilen verfilmt.

Stand: 10.04.2019, 14:19 Uhr