Bohemian Rhapsody

WDR 2 Kino

Bohemian Rhapsody

Von Andrea Burtz

Als Frontsänger der Band Queen wurde Freddie Mercury zur Ikone, der Regisseur Bryan Singer setzt ihm mit "Bohemian Rhapsody" jetzt ein filmisches Denkmal. In seine Rolle schlüpft der bislang eher unbekannte Rami Malek.

Im weißen Muscle-Shirt gockelt Freddie Mercury über die Bühne, Massen im Wembley Stadion feiern ihn. Es ist der legendäre Queen Auftritt beim Live Aid Konzert 1985. Er gilt als einer ihrer besten und war damit nach langer Ruhepause eine Art Comeback für die Briten. Diese Show, die sich damals bei 1,5 Milliarden Zuschauern eingebrannte, ist letztes Kapitel und Höhepunkt des Musikfilms "Bohemian Rhapsody". Wer die Originalaufnahmen kennt, wird sich im Kino die Augen reiben. Denn die Spielfilmbilder zeigen die legendäre Show 1:1. Hier stimmt jedes Detail: von den Pepsi Bechern auf Freddie Mercurys Klavier bis zu den überkurzen Shorts eines Bühnenmitarbeiters, der durchs Bild flitzt.

Die Imitation ikonischer Queen-Momente ist die große Stärke des Films. Die Darsteller der Weltstars ahmen Bewegung und Mimik der Weltstars nach und lassen so in kurzer Zeit vergessen, dass es sich um Schauspieler und nicht die Originale handelt.

Das Biopic, das den charismatischen Sänger Freddie Mercury (Rami Malik) in den Mittelpunkt stellt, beginnt 1970, als er in einem Club auf Roger Tayler (Ben Hardy) und Brian May (Gwilym Lee) trifft. Den beiden ist der Sänger abhandengekommen, Freddie übernimmt, John Deacan (Joseph Mazello) kommt dazu. Dann geht es steil aufwärts mit Queen, die sich auf keinem Erfolg ausruhen, immer weiter experimentieren. Wo das hinführte, exerziert Bryan Singer an der Aufnahme zu "Bohemian Rhapsody" durch. Für den richtigen Sound fliegen Boxen am Seil durchs Studio, Münzen tanzen auf Bongos und Roger Taylor wird beim Falsettgesang in den Wahnsinn getrieben.

Einfallsreichtum und Begabung

Besser kann man den Einfallsreichtum der Band und die musikalische Begabung aller vier Bandmitglieder nicht darstellen! Auf solche Situationen, die fürs große Ganze stehen, weiß sich das Drehbuch von Anthony McCarten und Peter Morgan zu beschränken. Hier wird nicht jedes Bandkapitel und jede Musikgröße erwähnt, sondern mit Zeitsprüngen und Lücken gearbeitet, um zu verdichten und die zwei Kerngeschichten des Films zu erzählen: Vom Drama des Paradiesvogels Mercury, der mit seiner Herkunft und seiner Sexualität haderte. Wie aus dem selbstbewussten Frontmann im heimischen Wohnzimmer ein von Unsicherheiten zerfressener, einsamer Mann wird, ist gleich mehrfach zu sehen. Parallel dazu illustriert Regisseur Bryan Singer in großen Schritten die musikalischen Höhepunkte der Band.

Roger Taylor und Brian May haben den Film mitproduziert und unterstützt. So wurde eine großartige Abmischung möglich: Die Hauptdarsteller sangen beim Dreh, Originalspuren, auch von Proben, wurden untergemischt, so dass der echte Freddie Mercury hörbar wiederaufersteht.

Biopic, USA 2018

Regie:
Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen", "Superman returns", "X-Men")

Darsteller:
Rami Malek ("Papillon", "Nachts im Museum", Serie: "Mr. Robot"), Lucy Boynton ("Sing Street", "Mord im Orient-Express"), Ben Hardy ("X-Men: Apocalypse"), Joseph Mazzello ("Jurassic Park", "The Social Network"), Gwilym Lee ("The Tourist")

Länge: 135 Minuten

ab 6 Jahren

Kinostart: 01.11.2018

"Bohemian Rhapsody": Verblüffend überzeugender Film über Freddie Mercury

WDR 2 | 31.10.2018 | 03:45 Min.

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Stand: 31.10.2018, 15:00