Alles außer gewöhnlich

Vincent Cassel (l.) als Bruno und Reda Kateb als Malik in einer Szene des Films "Alles außer gewöhnlich"

Alles außer gewöhnlich

Von Andrea Burtz

Zwei Freunde setzen sich für Kinder mit Autismus ein, bei denen Eltern und Ärzte resigniert haben. Ihre Methoden sind unkonventionell, aber erfolgreich. Neuer Film des Regieduos von "Ziemlich beste Freunde".

Neu im Kino: "Alles außer gewöhnlich" und "Auerhaus"

WDR 2 Kino 05.12.2019 03:02 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 WDR 2

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Bruno (Vincent Cassel) hastet durch volle Gänge der Pariser Metro bis zur Polizeistation, um Joseph abzuholen. Der Junge hatte zum wiederholten Mal in der Stoßzeit die Notbremse gezogen. Bruno beteuert, dass es ein Irrtum, der Junge nett und verständig sei. Charmant befreit er Joseph aus dem Büro, um ihn im Berufsverkehr persönlich zu seinem Praktikumsplatz zu fahren. Joseph leidet an schwerem Autismus und er ist nur einer von vielen, die Bruno betreut.

Zuhause für Kinder mit schwerem Autismus

Ursprünglich hatte der zupackende Mann Kinderfreizeiten organisiert. Josephs Mutter hatte ihn damals angefleht, Joseph mitzunehmen, weil er einfach mal raus sollte. Bruno nahm die Aufgabe an und beschloss anschließend, ein Zuhause für Kinder wie Joseph mit schwerem Autismus zu gründen. Ein Ort, an dem sie liebevoll beschäftigt, nicht nur versorgt werden und möglichst normal leben können.

Brunos unkonventionelle Einrichtung ist in der Stadt bekannt, Krankenhäuser schicken ihm schweren Fälle, weil der umtriebige, alleinstehende Mann immer eine Lösung für die Kinder findet. Auch wenn ihm mittlerweile Bewohnerzahl und Rechnungen über den Kopf wachsen.

Lebensumstände verbessern

Um jeden Preis will er die Lebensumstände der Kinder verbessern – ohne Sentimentalität und auch ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Unterstützt wird er von Malik (Reda Kateb), der wiederum Jugendliche aus der Banlieue zu Betreuern ausbildet – eine Truppe von 19, 20-Jährigen, die mit den Kindern lebt.

Doch die Behörden wollen Brunos Einrichtung schließen, weil sie nicht den Standards entspricht. Bruno lehnt sich mit aller Kraft dagegen auf.

Schweres Thema, mit Humor erzählt

Vor acht Jahren begeisterte die französische Tragikomödie "Ziemlich beste Freunde" das Publikum. Die beiden Regisseure Eric Tolédano und Olivier Nakache schaffen es mit "Alles außer gewöhnlich" erneut, ein schweres Thema mit großer Menschlichkeit und Humor zu erzählen.

Wieder basiert die Geschichte auf realen Personen und Ereignissen. Im Kino ist regelrecht zu spüren, dass der Stoff aus dem Leben gegriffen ist, so wuchtig, so packend ist er inszeniert, so natürlich und echt wirken Figuren mit ihren Ecken und Kanten. Die autistischen Kinder werden von Autisten gespielt.

Miteinander der Religionen

Vorbildlich, wie selbstverständlich das Miteinander der Religionen gezeigt wird: Bruno ist Jude, trägt immer Kippa, sein Freund Malek ist Moslem. In der Freundschaft wird ihre Religion nie thematisiert.

Auch wenn "Alles außer gewöhnlich" nicht so viele komödiantische Szenen hat wie "Ziemlich beste Freunde", triff auch diese besondere Geschichte ins Herz.

Sozialkomödie, Frankreich 2019

Regie: Olivier Nakache, Eric Toledano ("Ziemlich beste Freunde", "Heute bin ich Samba", "Das Leben ist ein Fest")

Darsteller: Vincent Cassel ("Black Swan", "Eine dunkle Begierde", "Jason Bourne"), Reda Kateb ("Irréversibel", "Ocean’s 12", "Public Enemy No. 1")

Länge: 113 min

FSK ab 6

Kinostart: 05.12.2019

Stand: 05.12.2019, 00:01