Anna von der Horst, geb. von Palandt (+1585), nach 1560

Ausstellung "Eine Klasse für sich" in Essen

Stand: 22.12.2021, 10:15 Uhr

Bevor das Ruhrgebiet zum Pott wurde, waren die Adligen an der Macht. Wasserschlösser und Herrenhäuser erzählen bis heute davon. Die Schau zeigt eine Art Prachtstraße in Form eines Glaspalasts.

Von Stefan Keim

Ausstellung "Eine Klasse für sich" in Essen

WDR 4 Ausgehen 23.12.2021 02:51 Min. Verfügbar bis 23.12.2022 WDR 4


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Die Rüstung sieht fast zu schön aus, als dass sie mal jemand im Kampf getragen hätte. Es ist auch ein Prunkharnisch, ein Schmuckstück zum Angeben. Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg war der Besitzer, "Wilhelm der Reiche" wurde er genannt. Als Krieger war er nicht besonders erfolgreich, aber ein Humanist und Freund der Künste. Nun steht sein Prunkharnisch in der Ausstellung "Eine Klasse für sich. Adel an Rhein und Ruhr".

Das Ruhr Museum Essen hat dafür eine Menge kostbarer Leihgaben bekommen. Die Rüstung kommt aus Wien, viele westfälische Adelige haben Gemälde, Schmuck oder einen Wandteppich aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Es gab zwar keine überregional bedeutende Residenzstadt im Ruhrgebiet, aber im Stift Essen eine fast tausendjährige Frauenherrschaft.

Als die Kohleförderung in größerem Ausmaß begann, waren auch Adelige unter den Industriepionieren. Die Grenze zum Bürgertum verschwamm zusehends, und viele der neuen "Schlotbarone" wollten beweisen, dass sie genau so feudal und luxuriös leben konnten wie der Adel. Im 20. Jahrhundert kamen manche allerdings in Geldnot. Denn der Unterhalt eines Schlosses oder Herrenhauses verschlang eine Menge Geld. Ein riesiges Löwenfell liegt in der Ausstellung. Es deutet darauf hin, dass der Graf Westerholt in Herten einen Löwenpark mit 50 Raubkatzen betrieb. Heute gibt es dort allerdings nur noch ein chinesisches Restaurant, das so heißt.

Um den Adel an Rhein und Ruhr angemessen prunkvoll zu präsentieren, hat sich Ausstellungsdesigner Bernhard Denkinger einen "Glaspalast" ausgedacht. Wie auf einer Prachtstraße schreitet das Publikum durch die in Glasvitrinen ausgestellten Kostbarkeiten, während in den Seitenräumen andere Themen zu sehen sind – zum Beispiel die Gestaltung der Gärten oder Interviews mit Angestellten. Die Ausstellung zeigt ebenso unterhaltsam wie informativ eine bisher weitgehend unbekannte Seite des Ruhrgebiets.

Ausstellung "Eine Klasse für sich. Adel an Rhein und Ruhr"

bis 24. April
Montag bis Sonntag 10–18 Uhr
Nur an Heiligabend, dem 1. Weihnachtsfeiertag und Silvester ist die Ausstellung geschlossen.

Ruhr Museum
Gelsenkirchener Straße 181
45309 Essen