"West Side Story" im Theater Bonn

Szene aus "West Side Story": Maria (Marie Heeschen) und Tony (Jan Rekeszus) reichen sich liebevoll die Hände

"West Side Story" im Theater Bonn

Von Stefan Keim

Das Theater Bonn zeigt Leonard Bernsteins Musical "West Side Story" rau, packend und mit Bezug zur Gegenwart. Die Musik reißt ebenso mit wie die kraftvollen Choreographien.

"West Side Story" im Theater Bonn

WDR 4 Gut zu wissen 19.09.2019 02:03 Min. Verfügbar bis 18.09.2020 WDR 4

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Szene aus "West Side Story": Maria (Marie Heeschen) und Tony (Jan Rekeszus) stehen an einem Geländer oberhalb der U-Bahn-Station und schauen sich in die Augen

Maria (Marie Heeschen) und Tony (Jan Rekeszus) schauen sich in die Augen

Tony liebt Mary. Beide stammen aus Einwandererfamilien. Seine kommt aus Polen, ihre aus Puerto Rico. Das trennt die beiden, denn ihre Jugendgangs sind verfeindet. Sie wissen nicht, wohin mit ihrer Wut und ihrer Enttäuschung. Also dreschen sie aufeinander ein. Leonard Bernstein nahm die grundlegende Handlung von Shakespeares "Romeo und Julia" für sein Musical "West Side Story". Auch 62 Jahre nach seiner Uraufführung am 26. September 1957 ist es eins der beliebtesten und besten Musicals überhaupt.

Harter Kampf zwischen Jugendgangs

Szene aus "West Side Story": Bernardo (Andreas Wolfram), der Anführer der "Sharks" und seine Anhänger im Gefecht mit den "Jets"

Bernardo (Andreas Wolfram), der Anführer der "Sharks", im Gefecht mit den "Jets"

Regisseur Erik Petersen lässt im Theater Bonn keine Nostalgie aufkommen. Zwar gibt es keine Handys auf der Bühne. Aber der Tonfall, in dem die Jugendlichen sich unterhalten, ist eindeutig von heute. Die Choreographien sind rasant, rau und voll überschäumender Energie. Es gibt einige harte Szenen – aber auch Bernsteins wunderbare Melodien, die von der Hoffnung auf Liebe und Frieden erzählen. Als zwei Gangmitglieder tot auf dem Boden liegen, singen alle den Song "Somewhere". Darin geht es um den Traum, dass es irgendwo einen Platz gibt, an dem alle glücklich zusammen leben können.

Szene aus "West Side Story": Riff (Lucas Baier) und vier andere junge Darsteller tanzen in der graffiti-beschmutzten U-Bahn

Riff (Lucas Baier), der Anführer der "Jets", tanzt mit seinem Gefolge in der U-Bahn

Dirk Hofackers tolles Bühnenbild zeigt eine U-Bahn-Station, durch die hinten und vorne manchmal Züge fahren. Die Darstellerinnen und Darsteller können auf drei Ebenen spielen – und manchmal verwandelt sich die Bühne in eine Häuserwand, vor der die Liebesszenen statt finden. Im riesigen Ensemble verschwindet keiner, jeder hat einen eigenen, nachvollziehbaren Charakter. Zum Beispiel Sergeant Schrank, der mit autoritärem Auftreten versucht, das Schlimmste zu verhindern. Er sieht mit grauen Zauselhaaren abgerissener aus als die meisten Jugendlichen. Einer, der mal Ideale hatte, und zusehen muss, wie seine Welt verroht.

Die "West Side Story" in Bonn ist eine packende, gefühlvolle und niemals kitschige Aufführung mit einer Musik, die einem lange nicht mehr aus dem Ohr geht.

Termine

19. September 19:30 Uhr,
29. September 16 Uhr,
3. Oktober 18 Uhr,
5. Oktober 19:30 Uhr,
9. Oktober 19:30 Uhr,
13. Oktober 20 Uhr,
25. Oktober 19:30 Uhr
und viele weitere Aufführungen

Adresse

Theater Bonn Opernhaus
Am Boeselagerhof 1
53111 Bonn

Karten

Telefon: 0228 – 778 000

Stand: 16.09.2019, 10:19