Die experimentelle Musikszene Kölns in Zeiten von Corona

Matthias Schuller von Electronic ID, Echo Ho, Elisabeth Coudoux (v.l.n.r.)

Die experimentelle Musikszene Kölns in Zeiten von Corona

Ein Cello mit Elektromotor, eine Zither aus Plexiglas, ein Zwiegespräch von Laptop und Posaune oder eine Querflöte mit integrierter Endoskop-Kamera: Elisabeth Coudoux, Echo Ho und Electronic ID gehören zur aktuellen Kölner Musikavantgarde zwischen Freier Improvisation, Jazz, Sound-Art und Neuer Musik. Die WDR Kulturambulanz vermittelt Ihnen hier einen Einblick in das Schaffen der Künstler*innen.

Elisabeth Coudoux: Vom Knistern und Knarzen - Klang als Sprache

Kulturambulanz - Elisabeth Coudoux

Elisabeth Coudoux am Cello

Solo bis hin zum Kollektiv: Die Cellistin Elisabeth Coudoux hat sich in den letzten Jahren zu einer der spannendsten Improvisator*innen der NRW-Szene entwickelt. Zunächst klassisch und später im Jazz ausgebildet, bewegt sie sich mittlerweile zwischen Jazz, Neuer Musik und Klangforschung.
Die Mitbegründerin des Kölner IMPAKT Kollektivs für Improvisation und aktuelle Musik spielt in der Band Phase:vier oder in interdisziplinären Projekten zwischen Musik und Tanz. Mit ihrem eigenen Projekt Emißatett, u. a. mit dem Bassisten und WDR Jazzpreisträger Robert Landfermann, zeigt sie beeindruckend, wie komplex und gleichzeitig direkt musikalische Kommunikation passieren kann. 

Kulturambulanz - Elisabeth Coudoux

Elisabeth Coudoux vor dem Werk von Eva Jeske

Für die WDR Kulturambulanz haben wir Elisabeth Coudoux in ihrem Proberaum am Kölner Rhein getroffen, wo sie vor einer Arbeit der Malerin Eva Jeske spielt. Coudoux zeigt auf wunderbare Weise, wie sie die Begriffe der musikalischen Improvisation und experimentellen Entdeckungsreise in Sound übersetzt.

Electronic ID: Neue Musik zwischen Mensch und Maschine

Ein Ensemble hat keine Angst. Nicht vor der Zukunft und auch nicht vor zu viel Technik. Ein Gegensatz von Musikalität und Ditigalität? Den gibt es bei diesem Kölner Ensemble nicht!

Kulturambulanz - Electronic ID

Matthias Schuller (Posaune) und Sergej Maingardt (Elektronik)

Electronic ID wurde 2014 gegründet und nennt sich selbst "Ensemble für intermediale Musik des 21. Jahrhunderts". Ein Kollektiv junger Musiker*innen mit Hang zur Performance. Das achtköpfige Ensemble spielt in wechselnden Besetzungen von solistisch-streng bis hin zu beinahe explodierender Klangfülle, oft kombiniert mit komplexen Lichtinstallationen – wie zum Beispiel bei Uraufführungs-Konzerten am Kölner Festival Acht Brücken.

Kulturambulanz - Electronic ID

Flötistin Sarah Heemann: Einblicke ins Instrument per Endoskop-Kamera

Die WDR Kulturambulanz hat drei Ensemblemitglieder im eigenen Probenstudio getroffen. Matthias Schuller (Posaune) und Sergej Maingardt (Elektronik) improvisieren vollkommen frei miteinander. Flötistin Sarah Heemann hingegen hält sich strikt an die Noten der kanadischen Komponistin Annesley Black (*1979) vor sich. Das Stück heißt "Innermost tidings of the tube"– also "Botschaften aus dem Allerinnersten der Röhre". Diese Botschaften lassen sich vielleicht sogar erahnen, mit einer Endoskop-Kamera im Instrument.

Echo Ho und ihre Slow Qin - Fernöstliche Tradition trifft digitale Sounds

Die traditionelle Zither Qin gilt als das älteste Saiteninstrument Chinas. Ein Instrument für die meditative Praxis von Gelehrten und Philosophen, zur Versenkung in die Natur und ins eigene Innere  – auch Konfuzius soll meisterhaft darauf gespielt haben. In traditionellen chinesischen Landschaftsdarstellungen sind die meist einsamen Qin-Spieler in idyllischen Naturszenerien - neben Wasserfällen, an Flüssen, in den Bergen, unter Bäumen - ein häufiges Motiv.

Echo Ho spielt für die WDR Kulturambulanz Mutual Love

Echo Ho mit der von ihr entwickelten Slow Qin

Die Kölnerin Echo Ho hat vor 15 Jahren mit der Entwicklung eines elektronischen Qin-Updates begonnen. Ihren Plexiglas-Nachbau, den sie uns in ihrem Kölner Garten vorführt, nennt sie Slow Qin. Echo Ho benutzt sie als Interface, um Audiosoftware auf dem Laptop anzusteuern, und verwebt so Saitensounds mit Fieldrecordings, digital erzeugten Klängen und ihrer Stimme. Der Name ihres Instruments "Slow" soll einerseits an den Namen ihrer Mutter erinnern, eine Maschinenbauprofessorin, die bei der Konstruktion des Instruments geholfen hat, andererseits geht es ihr - nicht erst seit Corona - auch um das Prinzip der Langsamkeit, um das "zur Ruhe kommen" und um neue künstlerische Symbiosen zwischen Natur und Technik.

Echo Ho spielt für die WDR Kulturambulanz Mutual Love

Echo Ho bei den Aufnahmen für die WDR Kulturambulanz

Echo Ho wurde 1973 in Peking geboren und hat, nach einem Abschluss im Bereich Film und Fernsehen an der Academy for Performing Arts in Hong Kong, bis 2003 an der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert. Als performende und bildende Künstlerin, Musikproduzentin und Sound Designerin ist Echo Ho international präsent.

Stand: 23.04.2020, 06:00