Theatermacherinnen treffen sich in Bonn

Theatermacherinnen treffen sich in Bonn

Kaum Führungspositionen, geringere Gehälter, weniger Rollen. Unter dem Motto"Burning Issues" setzt sich das Theater Bonn am Sonntag (11.03.2018) mit der Situation von Frauen am Theater auseinander. Zu den Organisatorinnen dieses Treffens von Theatermacherinnen gehört die Schauspielerin Lisa Jopt.

WDR 3: "Burning Issues" haben Sie diese Konferenz genannt. Was sind die drängendsten Fragen und Probleme, mit denen Frauen am Theater zu tun haben?

Lisa Jopt: Da wäre zum einen, dass 70 Prozent der Inszenierungen von Männern stammen. Zum anderen, dass nur ungefähr 20 Prozent der Personen, die Theater leiten, weiblich sind. Dann stammen vor allem die historischen Stücke aus männlicher Feder, und in den Ensembles sind meistens mehr Männer als Frauen. Außerdem haben wir einen "gender pay gap" und noch viele viele weitere Sachen wie Frauenbilder, also wie werden Frauen auf der Bühne dargestellt. Wir haben also eine Menge "burning issues".

WDR 3: Jetzt gibt es ja für Aufsichtsräte inzwischen eine Quote und die hat auch eine ganz gute Wirkung. Können Sie sich so etwas auch für das Theater vorstellen?

Jopt: Es gibt von dem Verein "Pro Quote Bühne" die Forderung 50:50, also 50 Prozent Frauen sollen leiten, 50 Prozent Frauen sollen in den Ensembles vorhanden sein und auch in Auswahl-Gremien und bei Stiftungen sitzen. Ich finde diese Quote eine wunderbare Drohung, weil die jetzt schon bereits dafür gesorgt hat, dass sich überhaupt ein Verein gegründet hat, dass mehr Frauen Regie führen, dass auf einen "gender pay gap" geachtet wird.

WDR 3: Zu den Theatermännern: Vielleicht kommt bald eine jüngere, gleichberechtigtere, emanzipiertere Generation von Theatermachern, wenn die alten berühmten Männer wie Claus Peymann oder Frank Castorf tatsächlich irgendwann in den Ruhestand gehen?

Jopt: Ja, absolut. Peymann und Castorf, die stören auch überhaupt gar nicht, weil der eine hat phantastische Kunst gemacht und der andere ist ein ulkiger Typ, also der beschädigt auch unsere Bewegung gar nicht. Es kommt absolut eine neue Generation, die Interesse an Teilhabe hat, die Interesse an Transparenz hat. Die Strukturen am Theater, die Machtmissbrauch begünstigen - zum Beispiel durch einen künstlerischen Liebesentzug oder auch einen Arbeitsvertrag, der einfach nicht verlängert werden kann - das wird sich möglicherweise durch eine Gewerkschaft ändern. Aber der Klimawandel, der wird durch diesen Generationswechsel vorangetrieben werden.

Das Gespräch führte Andrea Gerk in WDR 3 Resonanzen.

Stand: 08.03.2018, 12:09