"Wintersaat" von Almuth Herbst

"Wintersaat" von Almuth Herbst, Cover

"Wintersaat" von Almuth Herbst

Von Stefan Keim

Jeremias ist ein eingebildeter Junge. Er ist adlig, Sohn des Erbdrosten von Neuhoff-Ascheberg, und hat mit den einfachen Arbeiten und Mühen des Lebens nichts zu tun. Denkt er.

Bis seine Kutsche auf dem Weg zum Studium nach Münster von Räubern überfallen wird. Plötzlich muss er sich in einer anderen Welt zurecht finden, im Wald, bei den Gesetzlosen.

"Wintersaat" von Almuth Herbst

WDR 4 Bücher | 07.11.2017 | 03:03 Min.

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Der Roman "Wintersaat" spielt Ende des 17. Jahrhunderts im Münsterland. Vor allem Olfen ist ein wichtiger Spielort. Dort hat der Schwiegervater der Autorin die Füchtelner Mühle vor dem Verfall gerettet.

Almuth Herbst ist eigentlich gar keine Schriftstellerin, sondern Opernsängerin. Als sie vor zehn Jahren ins Berufsleben startete, bekam sie nicht sofort genug Engagements. Sie begann zu schreiben und fand eine Legende aus dem Münsterland als Grundlage. Heute gehört Almuth Herbst zu den Stars des Gelsenkirchener Musiktheaters. Und überzeugt nun auch als Autorin.

Fast 900 Seiten dick ist dieses Buch und unterteilt in drei Aufzüge, wie im Theater. Zunächst steht nicht Jeremias im Mittelpunkt, sondern die Kaufmannstochter Anderske. Sie soll in der westfälischen Provinz ein bisschen Bodenständigkeit lernen und dann reich heiraten. Die querköpfige junge Dame verliebt sich aber in einen Bauern, einen Leibeigenen des Erbdrosten. Als sie heiratet, wird sie auch zum Eigentum des Adligen, und muss die erste Nacht ihrer Ehe bei ihrem Besitzer verbringen.

Historiker sagen heute, dieses "Recht der ersten Nacht" sei bloß eine Erfindung. Aber der Roman ist auch kein Geschichtsbuch. Sondern eine rasante, saftige, toll geschriebene Mischung aus Liebesgeschichte und Abenteuer, garniert mit viel Humor.

Vor allem die westfälische Formulierungslust Almuth Herbsts begeistert. Da sieht eine attraktive Frau aus "wie eine Mischung aus Marzipan und Sülze". Manche Sätze wirken ziemlich heutig – "Ich finde euren Humor echt krank" –, dennoch sind die Schilderungen des Lebens in der Barockzeit stimmig.

"Wintersaat" ist ein großes Lesevergnügen mit nur einer Einschränkung. Man sollte dieses Buch nicht mit ins Bett nehmen. Wenn es einem beim Einschlafen auf den Kopf fällt, könnte es Beulen verursachen. Aber so schnell schläft man dabei auch nicht ein.

Wintersaat
Autorin: Almuth Herbst
Verlag: solibro
896 Seiten
20 Euro