Natasha Korsakova - Tödliche Sonate

Christian Kosfeld

"Tödliche Sonate" ist ein Kriminalroman der Geigerin Natasha Korsakova, der auch als Hörbuch mit drei großartigen Sprechern vorliegt. Eine spannend und fachkundig erzählte Geschichte um Commissario Di Bernado.

Natasha Korsakova
Tödliche Sonate

Gelesen von Johannes Steck, Frank Arnold und Oliver Brod
11 Stunden Spielzeit
Random House Audio
ISBN 976-3-83714310-2

Natasha Korakova "Tödliche Sonate" (Hörbuch) WDR 3 Mosaik 29.11.2018 05:46 Min. Verfügbar bis 29.11.2019 WDR 3

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Es gibt wohl in der Geschichte des Instrumentenbaus keinen klangvolleren Namen als den von Antonio Stradivari. Um den Meister aus Cremona und seine Instrumente gibt es seit 300 Jahren Geschichten, Forschungen, Rätsel und Geheimnisse. Legendär ist die Violine, die den Namen "Messias" bekam. Bis heute wurde sie nur wenige Male gespielt, und liegt unter Verschluss im Ashmolean Museum in Oxford. Stradivari baute sie 1716, es war das einzige Instrument, das er nicht verkaufte. Im 19. Jahrhundert geriet die Violine in die Hände eines italienischen Instrumentenhändlers, 1855 erwarb sie der Geigenbauer Jean-Baptiste Villaume. Er baute 25 geniale Kopien der Violine.

Stradivari in seiner Werkstatt | Bildquelle: dap

Eine dieser Stradivari-Kopien spielt heute Natasha Korsakova, eine international gefragte Virtuosin. Korsakova hat sich intensiv mit ihrem Instrument und der Geschichte der"Messias"- Violine beschäftigt. Und jetzt hat sie einen Kriminal-Roman veröffentlicht, in dem es nicht nur um einen Mordfall an einer Konzertagentin geht, sondern auch um zwei geheimnisvolle Violinen von Stradivari. "Tödliche Sonate" heißt ihr Buch, und jetzt ist auch das Hörbuch bei Random House erschienen, gelesen von den Sprecher-Stars Johannes Steck, Frank Arnold und Oliver Brod. Die Besonderheit: die Geigerin hat für das Hörbuch selbst mehrere Musikstücke eingespielt.

Rosenknospe und Messias

Das Hörbuch der Autorin Natasha Korsakova beginnt im Jahr 1716, in der Werkstatt von Antonio Stradivari. Der hat gerade ein Meisterstück vollendet, und gibt ihm den Namen "Rosenknospe". Die Violine ist ein fiktives Zwillingsinstrument zu der legendären "Messias".

"Ihm war, als hätte sie sein Innerstes in sich aufgesogen. Er fühlte sich seltsam leer und beglückt zugleich. Welchen Weg das Instrument wohl gehen würde? In wessen Hände es geraten würde, wessen Hände wieder verlassen. Ob es noch gespielt werden würde, wenn er selbst nicht mehr unter den Lebenden weilte? Antonio griff sich in den Nacken und kämpfte gegen einen leichten Schwindel an. Seine Söhne kamen ihm in den Sinn. Keiner der Jungen begriff, was es mit dem Geigenbau wirklich auf sich hatte. Eine Meistervioline zu erschaffen war kein bloßes Handwerk, es war eine Kunst, die einem zuweilen alles abverlangte."

Durch die Jahrhunderte bis ins Rom unserer Zeit

Natasha Korsakova | Bildquelle: Markus Hoffmann / Copyright Natasha Korsakova

Immer wieder kehrt Korsakova zu den Zwillings-Geigen zurück, erzählt von Instrumentenbauern, Händlern und Geheimnissen, fantasievoll und sachkundig. Diesen Teil der Geschichte liest Frank Arnold. Ruhig, hellwach folgte er dem Weg der zwei Violinen durch die Jahrhunderte bis ins Rom unserer Zeit.

Die mächtige, 76jährige Konzertagentin Cornelia Giordano ist ermordet worden. Der Kommissar Dionisio Di Bernardo und sein bärbeißiger Assistent del Pino beginnen mit den Ermittlungen, befragen auch die Nichte der Toten Arabella, eine Violin-Virtuosin.

"Sie kann nicht tot sein, das ist unmöglich! Sie kennen meine Tante nicht. Nein ich kannte sie nicht. Soll das vielleicht ein dummer Scherz sein? Ich muss doch sehr bitten! Halten Sie unseren Besuch um diese Uhrzeit wirklich für einen Scherz? Arabella starrte ihn an, ohne zu blinzeln. Ihm fiel auf, dass Ihre Augen vom gleichen Braun waren wie seine: warm und dunkel. Einen Moment lang war er wie gebannt. Wieder schüttelte sie den Kopf, zuerst unschlüssig, dann vehementer. Es muss sich um eine Verwechslung handeln, sagte sie, doch ihre Stimme klang eine Spur brüchiger als zuvor. Leider nicht, sagte di Bernardo leise. … „Aber sie war kerngesund, vielleicht ein wenig überarbeitet! Er hasste sich selbst für seine Worte als er fortfuhr: Signorina, es tut mir leid, aber ihre Tante wurde ermordet."

Schön, geheimnisvoll und verdächtig

Arabella ist schön, geheimnisvoll und verdächtig. Der Kommissar erfährt, dass Arabella von ihrer Tante Geld für ein Musikfestival verlangte, und eine Stradivari. Doch welche Rolle spielt Sohn Lorenzo, der erfolgreich in der Musikbranche arbeitet? Wo versteckt sich das schwarze Schaf der Familie, Boris, der wegen Drogendelikten im Gefängnis war? Dann ist da noch die Haushälterin Marina Abramova, die viel Geld erbt, außerdem hunderte Musikerinnen und Musiker, die wütend auf die mächtige Agentin waren. Di Bernardo findet - verborgen in einer Kommode - einen Umschlag mit Zeitungsausschnitten und Konzertkritiken.

"Er blätterte weiter. Ein Bericht über die junge Geigerin Laura Maffia. Und schließlich ein Artikel über Arabella Giordano, bei dem ein quer über die Seite verlaufendes Kreuz prangte. Der Text war mit einem dicken schwarzen Filzstift vertikal und horizontal durchgestrichen. Schon nach zwei Sätzen war klar, dass es sich um einen Verriss handelte. Das letzte Blatt war mit Druckbuchstaben beklebt, die aus Zeitungen heraus geschnitten waren. “Liebe Cornelia, du bist mächtig, aber nicht allmächtig, du bist stark, aber nur ein Mensch Genieße deine Zeit, und am Ende wünsche ich dir eine gute Nacht. Erinnere dich daran, dass die lange Nacht für dich gerade erst beginnt. Ich fahr sicher hin mit Frieden, es ist genug. Johann Sebastian Bach BWV 60."

Auf den Spuren des Verbrechens

Johannes Steck | Bildquelle: Pressebild

Johannes Steck gestaltet den Haupt-Erzählstrang des Krimis. Er gibt dem Commissario Di Bernado eine eigene, lakonische Stimme, und es ist beeindruckend, wie er in die verschiedenen Rollen schlüpft, und mit hörbarer Freude den Spuren des Verbrechens folgt.

Und da ist noch der dritte Erzählstrang: der Monolog des Mörders, der nicht nur seine Lust am Töten entdeckt, sondern auch den Kommissar beobachtet. Oliver Brod spricht ihn wunderbar abgründig, ganz klar, eisig kalt.

"Ich verspüre keinerlei Trauer, denn alles ist besser als zu versagen, besser als den Erfolg andere aus dem Schatten zu beobachten. Zulassen, dass das eigene Talent mit Füßen getreten wird. Die Enttäuschung, sie hatte mein Inneres wie ein Krebsgeschwür zerfressen, aber jetzt bin ich frei davon, so frei davon. So frei. Ich darf mir nur keinen Fehler erlauben. …Heute habe ich meinen Jäger gesehen: Commissario Dionisio Di Bernardo. Dass ich nicht lache! Ich werde ihn in eine Sackgasse nach der anderen treiben. Ich werde mir zum Abschluss die Befriedigung gönnen, dass Messer in seinen Hals zu stoßen."

Ein Hörbuch mit besonderem Mehrwert

Korsakova hat einen unterhaltsamen, fantasievollen und sachkundigen Krimi geschrieben. In jedem Moment merkt man, das sie weiß, wovon sie spricht, wenn es um Instrumentenbau, Komponisten, das Musikbusiness und den internationalen Konzertbetrieb geht. Das Hörbuch hat zudem einen besonderen Mehrwert. Korsakova ist selbst zu hören, mit Werken von Bach, Ysaye, Corelli, Arvo Pärt und Heinrich Wilhelm Ernst, auf ihrer Violine, die eine Kopie der "Messias" von Stradivari ist. Ein ungewöhnliches, spannendes, sehr gelungenes Hörbuch!

Musik:
Eugene Ysaye
aus: Sonate G-dur, op. 27,5
L`Aurore
Natasha Korsakova, Violine