Ortwin Ramadan - Moses und das Schiff der Toten

WDR 2 Krimitipp

Ortwin Ramadan - Moses und das Schiff der Toten

Wie kommt ein nackter Ertrunkener auf eine Parkbank in Hamburg? Nicht die einzige Frage, die sich Stefan Moses stellen muss. Schwarz sehen aber meist nur die andern.

WDR 2 Krimitipp: Ortwin Ramadan - Moses und das Schiff der Toten

WDR 2 Lesen 12.03.2019 03:56 Min. WDR 2

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Leichen gehören in der Mordkommission zum Handwerk. Einen Toten, der nackt auf einer Parkbank sitzt, hat Stefan Moses allerdings auch noch nicht gehabt. Als sich dann noch herausstellt, dass der Mann in Salzwasser ertrunken ist, wird der Fall noch rätselhafter.

Krumme Touren und ein dubioser Frachter

Die wurmartigen Wesen in den Augen der Leiche sind zwar eklig, aber sie liefern erste Spuren. Sie führen zu einer Aalfarm und einem angesehenen alteingesessenen Fischhandel, der mit krummen Touren den nach Spezialitäten gierigen Markt in Asien beliefert. Und ein Frachter, der dabei benutzt wird, hat üble Gestalten in der Mannschaft, die nicht bloß das anlanden, was in den Papieren steht. Von einem Marokkaner, der eigentlich an Bord sein sollte, fehlt dafür jede Spur, vorerst jedenfalls. Und was der Parkbank-Tote mit dem Schiff zu tun haben könnte, bleibt lange das größte Rätsel.

Sogar im SEK untragbar

Der spannende Roman um einen Fall mit vielen Fährten ist prima erzählt. Und als es zum Schluss richtig brenzlig wird, ist Moses erstmals froh, dass er die widerborstige neue Kollegin ins Team aufnehmen musste. Sie galt zuvor sogar im Sondereinsatzkommando mit seinen ruppigen Gepflogenheiten als untragbar. Diese beiden treten künftig aber öfter zusammen auf, denn mit "Moses und das Schiff der Toten" beginnt eine neue Krimi-Serie. Im Herbst folgt der nächste Band. Und besonders Hauptfigur Moses hat reichlich Potential. Er ist Anfang 40, schlau, Kampfsportler und außerdem wohlhabend, also finanziell unabhängig, was jedoch im Präsidium keiner weiß und auch nicht wissen soll. Aufgewachsen ist er in Blankenese, wo in der Stadt das dicke Geld sitzt.

Figur mit reichlich Potential

Reiche Hamburger haben den Jungen aus Afrika einst adoptiert. Seine Kindheit war traumatisch, wie mehrfach angedeutet wird und was ihn als Serienhelden noch interessanter macht. Da kommt in den folgenden Bänden sicher mehr. Dass er immer wieder wegen seiner Hautfarbe in unangenehme Situationen gerät, nimmt Moses inzwischen so gelassen wie den Regen, wenn er denn fällt: Leute machen ihn deshalb an, was eindeutig häufiger passiert, oder sie signalisieren ihm, ihn gerade deswegen zu mögen - was allerdings im Umkehrschluss genauso bescheuert ist. Wie es ist, wenn einen Leute behandeln, als wäre man nicht von hier, weiß der in Aachen geborene Autor Ortwin Ramadan. Er ist Deutsch-Ägypter und lebte übrigens selbst einige Zeit in Hamburg. Mit Stefan Moses ist ihm eine interessante Figur gelungen, die für weitere Bände noch einiges an Erzählstoff verspricht. Verbrechen gibt es in der Stadt ja ohnehin genug.

Ortwin Ramadan
Moses und das Schiff der Toten
Verlag: Atrium
ISBN: 3855350302
Preis: 17 Euro

Stand: 11.03.2019, 00:00