"Lubetkins Erbe oder Von einem, der nicht auszog" von Marina Lewycka

"Lubetkins Erbe oder Von einem, der nicht auszog" von Marina Lewycka, Buchcover

"Lubetkins Erbe oder Von einem, der nicht auszog" von Marina Lewycka

Von Stefan Keim

"Lass nicht zu, dass sie die Wohnung kriegen, Bertie!" Das ist der erste Satz des Romans "Lubetkins Erbe oder Von einem, der nicht auszog". Bertholds Mutter ächzt ihn auf dem Weg ins Krankenhaus.

Denn sie kann niemand vertreiben aus der Sozialwohnung, die der Architekt Lubetkin einst erbaut hat. Ihren Sohn, der mit ihr darin zusammen wohnt, schon. Und es warten schon lange Investoren, die Geld machen und die alten Mieter vertreiben wollen.

"Lubetkins Erbe oder Von einem, der nicht auszog" von Marina Lew

WDR 4 Bücher | 05.12.2017 | 02:52 Min.

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Das Buch hat also ein ernstes Thema. Und doch ist es heiter, menschlich, liebenswert. Die Autorin Marina Lewycka wurde 1946 als Kind ukrainischer Eltern in einem Flüchtlingslager in Kiel geboren. In England ist sie eine bekannte Schriftstellerin und hatte auch hier Erfolg zum Beispiel mit dem Roman "Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch". Schräger Humor und ein genauer Blick auf das Leben zeichnet auch ihr neues Buch aus.

Die Mutter stirbt im Krankenhaus. Vorher wiederholt sie ihre Mahnung. Sohn Berthold fragt die Bettnachbarin der Verstorbenen, eine einsame Dame aus der Ukraine, ob sie zu ihm zieht. Sie will er dann den Kontrolleuren als seine Mutter präsentieren. Außerdem stört es ihn nicht, dass sie ihn bekocht. Allerdings gibt es gleich Probleme. Denn manche Nachbarn kennen Bertholds Mutter, und schon bald muss der 53-Jährige immer neue Lügen erfinden, damit der Betrug nicht auffliegt.

Ein zweiter Erzählstrang handelt von Violet, einer jungen, farbigen Nachbarin. Sie hat gerade einen Job in einem Versicherungsunternehmen begonnen und erhält erste Einblicke in die große Finanzwelt. Berthold verliebt sich in sie. Marina Lewycka schreibt die beiden Ebenen der Geschichte in unterschiedlichem Stil. Berthold ist ein Ich-Erzähler, der aus der Vergangenheit berichtet. Violets Geschichte wird in der Gegenwart erzählt. Ein spannender literarischer Kunstgriff, der die beiden Stränge klar auseinander hält.

"Lubetkins Erbe" ist pures Lesefutter mit Humor und Gefühl, gleichzeitig aber auch ein Buch über ein wichtiges Problem. Dass Menschen zu solchen Tricks greifen müssen, um eine anständige Wohnung zu verteidigen, macht einen schon nachdenklich.

Lubetkins Erbe oder Von einem, der nicht auszog
Autorin: Marina Lewycka
Verlag: dtv
448 Seiten
16,90 Euro