Gaston Lreoux - Das Phantom der Oper

Gaston Lreoux - Das Phantom der Oper

Gaston Lreoux - Das Phantom der Oper

Von Christoph Vratz

Das Phantom der Oper ist ein Roman aus dem frühen 20. Jahrhundert. Berühmt wurde der Stoff durch Verfilmungen und das gleichnamige Musical. Nun gibt es eine faszinierende Hörspiel-Version rund um die geheimnisvolle Gestalt aus den Katakomben der Oper

Gaston Lreoux
Das Phantom der Oper

Hörspiel
Bearbeitung und Regie: Regine Ahrem Matthias Habich, Mirco Kreibich, Fabian Hinrichs,
Marina Frenk, Ursina Lardi, Gerd Wameling, Regina Lemnitz, Martin Seifert, Carl Heinz Choynski,
Carmen-Maja Antoni, Udo Schenk, Martina Hesse, Max von Pufendorf, Joachim Bliese, Dominik Maringer
DAV
2 CDs
978-3-7424-1001-6

Gaston Leroux "Das Phantom der Oper" (Hörspiel)

WDR 3 Mosaik 16.05.2019 05:51 Min. WDR 3

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Eigentlich schien die Gattung des Schauerromans mit dem Ende der Romantik abgeschlossen. Doch dann erschien 1909 und 1910 in einer französischen Zeitung ein Werk des Autors Gaston Leroux mit dem Titel „Das Phantom der Oper“. Die Geschichte wurde nicht zuletzt dank mehrerer Verfilmungen und der Adaption für die Musical-Bühne zu einem Welterfolg. Nun ist der Roman in einer Hörspiel-Adaption auf einer Doppel-CD erschienen.

Ein rätselhafter Vorfall

Mit einem Schrei beginnt das „Phantom der Oper“. Und es dauert nur Sekunden, schon ist der Hörer mitten drin in dieser rätselhaften Geschichte.

"Schreie –
Paris, den 3. Dezember 1879. Ein rätselhafter Vorfall, der sich gestern auf der Bühne des großen Hauses der Oper ereignete, erschüttert ganz Paris. Mitten in der Vorstellung ist die Sängerin Christine Daaé auf offener Bühne verschwunden.
Schreie"

Der Star löst sich in Luft auf

Die Handlung spielt in der Pariser Opéra Garnier. Sie wurde im 19. Jahrhundert zum kulturellen Herzen der Seine-Metropole – ein Symbol für den ruhmreichen Aufstieg und möglicherweise auch tiefen Fall von namhaften Musikern, Sängern, Komponisten, Regisseuren. Hier nun löst sich plötzlich eine Sängerin, die einst als einfaches Chormädchen an der Opéra begonnen hat und inzwischen zum Star geworden ist, einfach in Luft auf!?

Raoul, der adelige Vicomte de Chagny, ist ein Jugendfreund der Sängerin und erinnert sich.

"Ich war noch ein junger Mann, als ich diesem Abend auf der Hinterbühne des Opernhauses herumirrte und verzweifelt nach Christine suchte. Nach ihrem rätselhaften Verschwinden wusste ich, dass nur einer dafür verantwortlich sein konnte: das Phantom. Es war die Nacht, in der sich unser aller Schicksal entscheiden sollte."

Eine neue, zeitgemäße Hörfassung

Gaston Lreoux

Gaston Lreoux

Die erste deutsche Übersetzung von Gaston Leroux‘ Roman "Das Phantom der Oper" erschien 1912, rund zwei Jahre nach der französischen Originalfassung. Doch viel nachhaltigeren Erfolg hatte die Geschichte erst, nachdem 1927 eine Kinofassung erschienen war – mit Lon Chaney in der Titelrolle. Der hatte sich gleich mit zwei sehr ähnlichen Rollen kurz hintereinander unsterblich gemacht: als Buckliger in "Notre Dame" nach Victor Hugo und als ebenfalls entstellter, tragischer Erik – eben als das „Phantom der Oper“. Schließlich folgte 1986 der Riesenerfolg durch die Musicalfassung von Andrew Lloyd Webber, der einige Brüche und überflüssige Grausamkeiten des Originals gestrichen und den Kern der Tragödie noch stärker in den Fokus gerückt hat.

Nach einer ersten Hörspielfassung im Jahr 2005 und einer Lesung des Romans durch Christoph Bantzner 2008 hat nun Regine Ahrem eine neue, zeitgemäße Hörfassung erstellt – und zwar in Form einer sogenannten „Kunstformproduktion“. Wer das "Phantom der Oper" mit all seinen akustischen Illusionen, sozusagen im 3-D-Modus erleben möchte, braucht dafür einen Kopfhörer. Aber auch im herkömmlichen Stereo-Modus erfährt man schnell, mit wie vielen Effekten und technischen Kniffen hier gearbeitet worden ist, ob bei den Engelsstimmen oder den Geräuschen wie aus einer Folterkammer – oder schlicht im Hintergrund der ohnehin packenden Dialoge.

"Christine öffnete leise die Garderobentür. Durch den Spalt sahen wir, wie eine Gestalt in einem schwarzen Umhang leise den Korridor zu den Falltüren hinunterschlich.
Für einen Moment drehte sich die Gestalt um, und ich sah in das Gesicht des Totenkopfes.
Diesmal entgeht er mir nicht.
Bei Ihrem Leben, wagen Sie’s nicht."

17 Geschosse über 1500 Türen und 900 Gaslampen

Die Opéra Garnier wurde 1875 festlich eröffnet – ein ebenso prunkvolles wie geheimnisvolles Haus mit über 1500 Türen und 900 Gaslampen. Vom Dachfirst bis in den tiefsten Keller hat es 17 Geschosse, von denen jedoch nur zehn oberirdisch sind. Im fünften unterirdischen Stockwerk haust – das Phantom der Oper, dieses abstoßende und zugleich faszinierende Wesen:

Kapelsky & Marina - Marina Frenk

Marina Frenk

"Was war das? Hast Du das gehört? Es klang wie ein Seufzer.
Auch wenn er nicht da ist, habe ich immer seine Seufzer im Ohr. Also es ist abgemacht. Wir fliehen. Und wenn ich mich sträuben sollte, Raoul, musst Du mir versprechen, mich gewaltsam zu entführen.
Warum solltest Du Dich sträuben?
Weil seine Stimme – sie übt eine solche Anziehung auf mich aus, dass ich nicht weiß, ob ich mich ihrer erwehren kann."


In Christines Tagebüchern wird deutlich, wie groß die Macht des Phantoms über Christine von Anfang an war.

Effektvoll und begeisternd

Matthias Habich

Matthias Habich

Das Phantom regiert unsichtbar die Geschicke der Oper und zieht mit schier übersinnlichen Kräften auch Christine immer mehr in seinen Bann. Die Geschichte bietet ideale Voraussetzungen für ein effektvolles, begeisterndes Hörspiel.

Das ist Regine Ahrem in zwei Stunden Spielzeit gelungen – bis zum packenden Finale.

"Es klang wie eine Sprengung. Ein Geräusch, das in meiner Todesangst nur das äußerste Grauen ankündigen konnte."

Fabian Hinrichs

Fabian Hinrichs

Das Sprecherensemble ist glänzend besetzt – mit Matthias Habich als rückblickendem Raoul, Mirco Kreibich als jungem Raoul, mit Gerd Wameling als hoffnungslos überfordertem Theaterdirektor und schließlich mit Fabian Hinrichs als Phantom Erik sowie Marina Frenk als Christine.

In stark verkürzter, aber prägnanter Form ist hier Leroux‘ Roman auf ebenso moderne wie kunstvolle Weise Klang geworden – eine wunderbar lebendige und fesselnde Inszenierung.

Stand: 15.05.2019, 12:43