Jeanne Marie Laskas - Briefe an Obama

Jeanne Marie Laskas - Briefe an Obama

Jeanne Marie Laskas - Briefe an Obama

Wie kein anderer Präsident vor ihm hat sich Barack Obama für die vielen Briefe interessiert, die ihn im Weißen Haus erreichten. Das Hörbuch stellt eine Auswahl vor und gibt Einblicke in die Arbeit der Mitarbeiter, die sich darum kümmerten.

Jeanne Marie
Laskas Briefe an Obama

Das Portrait einer Nation
Gelesen von Christian Baumann, Julia Cortis, Juliane Köhler, Franz Pätzold
Der Hörverlag
ISBN 978-3-8445- 3300-2
8 Audio CDs

"10 letters a day" – das war das Pensum, das sich Präsident Barack Obama vorgenommen hat. Gemeint waren die Briefe der Bürger, die täglich in rauen Mengen im Weißen Haus ankamen. Für ihn lag darin die Chance, die Stimmung im Land kennen zu lernen. Manche Briefe beantwortete er persönlich oder er gab genaue Anweisung, wie sie zu beantworten seien. Die amerikanische Journalistin Jeanne Marie Laskas hat sich dafür interessiert, wie man im Weißen Haus zu Obamas Zeiten mit der Flut von Bürgerbriefen verfuhr, sie hat sich im sogenannten Lektüreraum umgesehen, mit dem Präsidenten und seinen Mitarbeitern gesprochen.

"10 letters a day"

10. November 2008. An den designierten Präsidenten Barack Obama, Senat der vereinigen Staaten von Amerika.

George Washington erhielt im Durchschnitt fünf Briefe pro Tag. Ein reitender Bote brachte sie vorbei. Der Präsident las und beantwortete sie. In späteren Zeiten beschäftigte sich ein Stab von Mitarbeitern mit den Zuschriften, die das Volk an den ersten Mann im Staat richtete. Es gab Präsidenten, die sich kaum dafür interessierten und solche, die Vorlieben und Abneigungen entwickelten.

"Nixon beispielsweise weigerte sich am Ende seiner Präsidentschaft irgendetwas Negatives über sich zu lesen. Reagan beantwortet an den Wochenenden Dutzende Schreiben, schaute hin und wieder in der Poststelle vorbei und las gerne die Briefe von Kindern."

Was die Menschen bewegte

Barack Obama war der Erste, der alle Zuschriften systematisch auswerten ließ, der sich täglich damit beschäftigte und die vielen Briefe als Vertrauensbeweis zu schätzen wusste. Wie nichts sonst gaben sie ihm Auskunft darüber, was die Menschen bewegte. Es ging um das Waffengesetz, um die Rechte der schwarzen Bevölkerung, um ökologische Probleme und immer wieder darum, dass Menschen den Eindruck hatten, viel arbeiten zu müssen und dennoch kaum über die Runden zu kommen.

"An alle im Weißen Haus, die noch ein bisschen gesunden Menschenverstand haben…"

Jeanne Marie Laskas "Briefe an Obama" (Hörbuch)

WDR 3 Buchrezension 09.05.2019 05:46 Min. WDR 3

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Ein Brief mit der Handschrift des Präsidenten

Hin und wieder nahm er sich die Zeit, die Antwort selbst zu formulieren, ob es sich um einen Wut-Brief handelte, den er beantwortete, oder um ein ganz spezielles Problem.

Christian Baumann

Christian Baumann

Die staunenden Empfänger erhielten dann einen Brief aus dem Weißen Haus mit der Handschrift des Präsidenten. Auf Floskeln verzichtete er und ging stattdessen auf den Inhalt des Briefes ein, der ihn erreicht hatte. Kritische Stimmen wusste er besonders zu schätzen.

"Lieber Richard, vielen Dank für Ihren Brief und Ihren Dienst an unserem Land. Ich zolle Ihrem verantwortungsvollen Leben höchste Anerkennung, aber ich bin offen gestanden verwirrt darüber, dass Sie glauben, ich würde diese Werte nicht teilen..."

Also schreibe ich Ihnen, damit Sie wissen

An den vielen Beispielen, die das Hörbuch versammelt, lässt sich ablesen, dass die Briefeschreiber großes Vertrauen in den Präsidenten setzten und dass sie seine Arbeit gezielt und kompetent zu beurteilen wussten.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine alberne Idee ist, dem Präsidenten zu schreiben, aber ich weiß auch, dass sich nie etwas ändern wird, wenn man nur schweigt über das, was man sieht und was verändert werden muss. Also schreibe ich Ihnen, damit Sie wissen, wie das Leben für uns hier in der Mitte des Landes ist."

Offensichtlich fühlten sie sich ernst genommen. Diesem Präsidenten traute man zu, dass er etwas bewirken konnte und außerdem noch nicht vergessen hatte, was ein Liter Milch kostete.

Katharina Thalbach, Guido Maria Kretschmer und Juliane Köhler

Juliane Köhler

Einer wie er errichtete auch im höchsten Amt keine Barrieren um sich. Ein Brief aus der Zeit, als die Wirtschaftskrise begann:

"Ich bin 73 Jahre alt und Inhaberin eines Fabrikationsbetriebs. Mein Mann und ich haben mit nichts angefangen, jeden Cent wieder in das Geschäft gesteckt. Seit drei Monaten haben wir keine Bestellungen oder Anfragen mehr. … Wir haben ein Haus, die Kreditrate beträgt 979 Dollar und 71 Cent. Und wir haben immer noch 120 Tausend Dollar Schulden. Was sollen wir tun?"

Die Briefe waren wichtig!
Und wenn die Briefe wichtig waren, dann waren es auch die Menschen.

Jeanne Marie Laskas,

Jeanne Marie Laskas,

Die amerikanische Journalistin Jeanne Marie Laskas beschreibt den Weg, den die tägliche Flut von Briefen nahm, sobald sie im Weißen Haus angekommen war. Es gab den Lektüreraum, wo sich jeder Mitarbeiter einen Überblick verschaffen konnte, und das Büro, in dem das Schreibteam arbeitete.

Auf Obamas Anweisung hatten Hilfesuchende, die sich an ihn wandten, einen Anspruch darauf, so gut wie möglich beraten zu werden oder zu erfahren, wo ihnen bei Bedarf geholfen wurde. Entsprechend geschätzt durften sich die Mitarbeiter fühlen.

"Die Briefe waren wichtig! Und wenn die Briefe wichtig waren, dann waren es auch die Menschen, die sie bearbeiteten."

Einige von ihnen stellt die Autorin ausführlich vor. Fiona Reeves hatte eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe.

"Jeden Nachmittag gegen vier Uhr machte sie sich daran, die Auswahl des Tages durchzusehen und aus diesen rund 200 Schreiben – nicht nur die Briefe aus dem Lektüreraum, sondern auch die Mails, die das E-Mail-Team an sie weiterleitete – jene zehn herauszusuchen, die der Präsident lesen sollte."

Das Portrait einer Nation

Julia Cortis

Julia Cortis

Die Stimmen von Christian Baumann, Julia Cortis, Juliane Köhler und Franz Pätzold gestalten den Text und machen die Aufzeichnungen der Autorin Jeanne Marie Laskas ebenso lebendig wie die Mitteilungen der Briefeschreiber. Das Portrait einer Nation im doppelten Sinn: Was verraten die Briefe über ein Land und seine Bürger und wie arbeitete das Team im Weißen Haus, das auswertete, analysierte und die Briefe in Absprache mit dem Präsidenten beantwortete. Eine Stimme darf nicht fehlen: die des Präsidenten im Originalton. Ein Ausschnitt aus der Antrittsrede von Barack Obama, 2009:

(Applaus) My fellow citizens….(Rufe, Applaus).

Stand: 07.05.2019, 12:30