Karen Köhler schreibt poetische Gesellschaftskritik

Cover Karen Köhler "Miroloi"

Karen Köhler schreibt poetische Gesellschaftskritik

Von Denis Scheck

  • Eine Frau lehnt sich auf und kämpft für ihre Freiheit
  • Die Autorin hat das Buchcover selbst gestaltet
  • Eine politische Parabel mit Sogkraft

Karen Köhler - Miroloi

WDR 2 Lesen 15.09.2019 04:59 Min. Verfügbar bis 14.09.2020 WDR 2

Download

Worum geht es?

"Miroloi" ist nicht nur der Titel dieses Romans, sondern auch der Name für ein Totenlied in der griechisch-orthodoxen Kirche. Gesungen wird dies von den Klageweibern über das Leben des Verstorbenen. Das ist hier anders, denn hier singt die namenlose Ich-Erzählerin ihr eigenes Totenlied.

Sie erzählt darin von einer Inselgesellschaft, die an das Mittelalter erinnert. Die Männer haben das Sagen und nutzen es gnadenlos aus. Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen, und erst recht keine eigene Meinung haben. Wenn eine Frau sich nicht an die Regeln hält, droht ihr der Schandpfahl.

Die Ich-Erzählerin ist ein Findelkind, weshalb ihr noch nicht einmal ein Name zusteht und sie fast automatisch zur Außenseiterin wird. Doch sie will sich mit dieser Rolle nicht zufrieden geben und beginnt sich aufzulehnen.

Karen Köhler ist gelernte Schauspielerin und hat über zehn Jahre am Theater gespielt. Mittlerweile schreibt sie Theaterstücke, Drehbücher und Prosa. 2014 erschien ihr Erzählband "Wir haben Raketen geangelt". "Miroloi" ist ihr erster Roman.

Was sagt Buchkritiker Denis Scheck?

Karen Köhler hat es mit ihrem ersten Roman "Miroloi" direkt auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Und auch wenn sie den Preis vielleicht nicht gewinnen wird, sollte "Miroloi" hier doch als gelungene politische Parabel erwähnt werden.

"Miroloi" ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Auch wenn das hier beschriebene Gesellschaftsbild auf den ersten Blick weit weg zu sein scheint, entdeckt man nach und nach doch erschreckende Parallelen zu unserer Gegenwart.

Dieser Roman überzeugt jedoch nicht allein durch seine Gesellschaftskritik, sondern auch dadurch, dass der Text seine ganz eigene Poesie und Sprachkraft entwickelt.

Für wen ist das Buch?

Für Leser, die gerne gesellschaftskritische Bücher lesen wie "Der Report der Magd" von Margeret Atwood.

Das Buch auf einem Blick:

Karen Köhler
Miroloi
464 Seiten
Hanser-Verlag
ISBN: 978-3-446-26171-6
24 Euro

Stand: 15.09.2019, 12:57