Jane Austen - Northanger Abbey

Jane Austen - Northanger Abbey

Jane Austen - Northanger Abbey

Von Christian Kosfeld

Die junge Catherine Morland liebt nicht nur Schauergeschichten, sondern auch einen amüsanten Geistlichen. "Northanger Abbey" unterhält mit einem munter spielenden Ensemble, stimmiger Atmosphäre, überraschenden Wendungen.

Jane Austen
Northanger Abbey

Aus dem Englischen von Andrea Ott
Bearbeitung und Regie: Silke Hildebrandt
Mit Ulrich Noethen, Anna Drexler, Max Bretschneider u.v.a.
Produktion HR 2019
Der Hörverlag, 2 CDs
ISBN: 978-3-8445-3449-8

Schwarz-weiß Bild Jane Austen

Jane Austen

"Sinn und Sinnlichkeit", "Stolz und Vorurteil", "Emma": die Romane der Schriftstellerin Janes Austen sind Klassiker der englischen Literatur. Ihre Geschichten um Liebe, Schicksal, Verirrungen und Verwirrungen spielen in der bürgerlichen Gesellschaft um 1800. Die kannte Jane Austen gut: sie war die Tochter eines Geistlichen, und selbst sehr gebildet. Vor allem konnte sie genau beobachten und beschreiben, stilistisch elegant, auch mit ironischen, manchmal kritischen Untertönen. Ihre Romane veröffentlichte sie anonym, schnell wurden sie populär. Doch mit nur 41 Jahren starb Jane Austen. Bis heute werden ihre Werke immer wieder verfilmt oder als Hörspiele inszeniert.

Jetzt hat der Hessische Rundfunk begonnen, alle sieben Romane von Austen als Hörspiele zu produzieren. Das erste wurde im April urgesendet, Anfang des Monats war es auch im Hörspiel auf WDR 3 zu erleben. Jetzt erscheint „Northanger Abbey“ auf CD im Hörverlag. In dem zweistündigen Hörspiel geht es um die junge Catherine Morland, die nicht nur Schauergeschichten liebt, sondern auch einen amüsanten Geistlichen.

Eine wunderbare Romanheldin

"Musik (Streicher) Erzähler:
Niemand, der Catherine Morland als Kind gekannt hatte, wäre auf den Gedanken gekommen, dass sie zur Romanheldin bestimmt sei. Ihr Aussehen und ihre Veranlagung sprachen gegen sie. Sie wirkte dünn und linkisch, hatte eine fahle, bleiche Haut, dunkles strähniges Haar und ausgeprägte Gesichtszüge. Sie zog Cricket und Schlagball den Puppen vor, war laut und wild, und tat nichts lieber auf Erden, als den grünen Abhang hinter dem Haus herunter zu kullern."

Doch natürlich ist Catherine eine wunderbare Heldin im Roman und in diesem Hörspiel. Ihr Vater ist Geistlicher, die Mutter liebevoll, die Familie glücklich. Catherin wächst zu einer fantasievollen jungen Frau heran, sie liebt Literatur und Schauerromane. Als sie 17 ist, darf sie mit einem befreundeten Ehepaar einige Wochen in Bath verbringen. Dort wird sie in die Gesellschaft eingeführt, und geht erstmals auf einen Ball, wo sie den jungen Geistlichen Henry Tilney kennen lernt.

"Sind Sie schon lange ist Bath?
Etwa eine Woche, Sir.
Wahrhaftig?
Warum verwundert Sie das?
Ja, in der Tat, warum eigentlich? Aber irgendeine Gefühlsregung muss Ihre Antwort ja auslösen. Waren Sie schon im Theater?
Ja, Sir, am Montag habe ich mir ein Stück angesehen, es gefiel mir sehr gut.
Jetzt muss ich noch einmal affektiert lächeln...aber ich sehe schon, was Sie von mir halten. Ich werde in Ihrem morigen Tagebucheintrag eine traurige Figur abgeben...
In meinem Tagebuch? Ja: 'Ging mit Mrs. Allen zum Tanz, trug mein geblümtes Musselinkleid, wirkte sehr vorteilhaft, aber wurde von einem komischen Mann inkommodiert, der mich mit seinen Albernheiten behelligte.'
Also niemals würde ich so etwas schreiben....
Soll ich Ihnen sagen, was Sie schreiben sollen?
Aber ja!
Habe mich mit einem sehr netten Mann unterhalten, scheint ein außergewöhnlicher Kopf zu sein. Hoffe ihn noch näher kennen zu lernen."

Über Literatur- und Schauer-Romane

Henry Tilney ist ein aufrechter, geistreicher Mann aus guter Familie. Er gefällt Catherine. Sie freundet sich bald auch mit der gleichaltrigen Isabella Thorpe an, sie verbringen Zeit, reden über Leute, Mode, Frisuren, Romane. Isabellas Bruder John ist mit Catherines Bruder bekannt, beide kommen bald nach Bath. John nähert sich Catherine an, doch er ist ein lauter, rüpelhafter Mensch, der viel über Geld redet. Für Literatur- und Schauer-Romane wie ihren geliebten „Udolfo“ interessiert er sich gar nicht.

Anna Drexler

Schauspielerin Anna Drexler

"Mögen Sie offene Kutschen, Miss Morland?
Ich hatte erst selten Gelegenheit, in einer zu fahren, aber ich mag sie sehr.
Das freut mich kolossal. Meine Kutsche habe ich in London gekauft.
Sagen Sie, Mr. Thorpe, haben Sie schon einmal "Udolfos Geheimnisse" gelesen? "Udolfo?" Um Gottes Willen, ich doch nicht! Ich lese nie Romane, ich habe Besseres zu tun. Romane lesen ist langweilig und öde!
Ich glaube, Udolfo würde Ihnen gefallen, es ist sehr spannend.
Bestimmt nicht. Nein, wenn ich mal was lese, dann von Mrs. Radcliffe. Ihre Romane sind noch ganz unterhaltsam, sie hat einen gewissen Witz.
Aber Udolfo ist doch von Mrs. Radcliffe geschrieben!
Tatsächlich?"

Regisseurin Silke Hildebrandt hat Janes Austens Roman aus dem Jahr 1817 inszeniert.

Ulrich Noethen

Ulrich Noethen

Anna Drexler spricht in dieser unterhaltsamen Produktion Catherine Morland, mit heller Stimme, und verkörpert die junge phantasievolle Frau ausgezeichnet. Max Bretschneider spielt mit viel Witz Henry Tilney, Julius Forster rüpelt als der großspurige John Forb, Anne Müller gibt eine herrlich flatterhafte Isabella, und Ulrich Noethen hält als Erzähler souverän die Fäden in der Hand. Catherine lernt bald die Schwester von Henry Tilney, Eleanor kennen. Von ihr und dem Vater General Tilney wird sie auf den Familiensitz Northanger Abbey eingeladen. Die alte Abtei befeuert ihre Fantasie. Warum verhält sich der General so sonderbar? Und warum starb Mrs. Tilney vor Jahren so unerwartet?

Ein gelungener Auftakt dieser Jane-Austen Hörspielreihe

"Diese Fragen wirbelten in Catherines Kopf, und ihr Interesse an Mrs. Tilney wuchs mit jeder Frage, ob sie nun beantwortet wurde oder nicht. Bestimmt war die Ehe unglücklich, und der General ein rücksichtsloser Gatte gewesen. Er liebte ihren Spazierweg nicht. Konnte er sie da geliebt haben? In seinen Gesichtszügen lag etwas, was Catherine verriet, dass er sich ihr gegenüber nicht gut benommen hatten.
"Ihr Porträt hängt sicher im Zimmer ihres Vaters!"
"Nein, mein Vater war mit dem Gemälde unzufrieden, und kurz nach ihrem Tod bekam ich es. Es hängt in meinem Schlafzimmer und ist ihr sehr ähnlich, ich zeig es Ihnen gerne."
Das war ein weiterer Beweis: ein Gemälde der verstorbenen Frau sehr ähnlich, das der Ehemann nicht haben wollte!"

Das zweistündige Hörspiel "Northanger Abbey" ist ein gelungener Auftakt dieser Jane-Austen Hörspielreihe, mit einem munter spielenden Ensemble, akustisch mit viel stimmiger Atmosphäre gebaut, mit überraschenden Wendungen bis zum Schluss.

Jane Austen: "Northanger Abbey"

WDR 3 Buchrezension 09.10.2019 05:45 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 WDR 3

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Stand: 08.10.2019, 14:05