"Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?"

Timo Blunck

"Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?"

Seine Popstar-Zeiten bei "Palais Schaumburg" habe er längst hinter sich, sagt Timo Blunck. Jetzt fragt er in seinem ersten Roman: "Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?" WDR 3 hat mit dem Autor gesprochen.

WDR 3: Hallo Herr Blunck, Sie haben gerade Ihren ersten Roman veröffentlicht: "Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?" Es geht um die 80er-Jahre, um Sex - und natürlich auch um Musik. Was hat Sie getrieben, dieses Buch zu schreiben?

Timo Blunck: Also es fing damit an, dass ich vor vier Jahren fast gestorben wäre. Ich hatte einen Darmverschluss und bin während eines Konzerts der "Zimmermänner" von der Bühne gekippt, hatte dann eine Not-OP und hab es gerade so überlebt. Weil ich nicht so richtig auf den Damm kam, bin ich dann in der Situation gewesen, dass ich mal nichts gemacht habe, und in dieser Zeit habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was mein Leben eigentlich so ausgemacht hat und angefangen, das aufzuschreiben.

WDR 3: So eine geradliniege Musikerbiografie wollten Sie dann doch nicht schreiben?

Blunck: Nein, vor allem deswegen nicht, weil mich ja eigentlich kaum jemand kennt. Also "Palais Schaumburg" ist zwar relativ bekannt gewesen zu der Zeit und vielleicht auch in Musikerkreisen und in der Kultur einflussreich, aber nicht wirklich populär. Also mich kennt kaum jemand. Deshalb habe ich versucht, mich darauf zu konzentrieren, was mich interessant macht und mich dafür entschieden, nicht eine wirkliche Musikerbiografie zu schreiben, sondern einen Roman, der sich so ein bisschen meines Lebens als Steinbruch bedient, aber sich nicht darauf verlässt, dass ich mit meiner "Palais Schaumburg"-Geschichte hausieren gehe.

Timo Blunck - Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?

Nachdem eine Party-Nacht in der Notaufnahme endet, stellt Schröders Schwester ihn vor die Wahl: "Entweder Therapie, oder ich sags Mama." So findet er sich auf der Couch der Kette rauchenden Psychologin Dr. Schulz wieder und erzählt ihr sein Leben: Von den Saunapartys der Hippie-Eltern. Von der ersten Liebe, die tragisch endete. Von ausverkauften Konzerten seiner Band Villa Hammerschmidt. Von Mardi Gras in New Orleans, Kneipenschlägereien in London und bizarren Orgien in Hamburg. Und natürlich von Sophia, der Frau, für die er alles tun würde. Dumm nur, dass es Knirpsi gibt - Schröders bösen Zwilling, der in seinem Kopf wohnt und nie aufhört, ihn zu wilden Exzessen anzustiften …

Verlag: Heyne Hardcore
ISBN: 978-3-453-27137-1

WDR 3: Sie werden in diesem Monat 56. Sie sagen auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere waren sie mit 19. Das kann doch aber nicht ganz ernst gemeint sein, oder?

Blunck: Naja, also, das stimmt schon auf eine Art. Weil die meisten Menschen, die mich kennen lernen, sagen: "Ach, du warst doch mal bei 'Palais Schaumburg.'" Und das stimmt. Da war ich mit 19. Nein, also natürlich war meine Karriere anschließend auch keine ereignislose, die hat nur ein bisschen weniger unter dem Auge der Öffentlichkeit stattgefunden. Ich habe ja sehr viel Filmmusik gemacht, Musik für Werbefilme komponiert und war auch ansonsten sehr aktiv, aber als richtiger Popstar habe ich nie wieder so Erfolg gehabt.

WDR 3: Hatten Sie eigentlich keine Skrupel, in Ihrem Roman so offen und so drastisch über Ihr Intimleben - und nicht nur Ihres - zu schreiben?

Blunck: Ich habe mir von Anfang an vorgenommen, dass ich nicht um den heißen Brei herumrede, da bin ich ein relatives Risiko gegangen. Ich haue aber eigentlich mich selbst in die Pfanne und bin relativ milde mit denen, die zwischendurch ihr Fett wegbekommen. Die kriegen immer alle die Kurve. Und Sophia, die tatsächliche Vorlage der Mutter meiner Kinder, die war von Anfang an eingeweiht und ist auch tatsächlich mitbeteiligt am Buch. Und die empfindet auch: "Das ist unser Buch."

Das Interview führte WDR-3-Moderatorin Katja Schwiglewski. Das ganze Gespräch zum Nachhören:

Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?

WDR 3 Kultur am Mittag | 07.03.2018 | 08:40 Min.

Stand: 08.03.2018, 09:57