Hamed Abdel-Samad: "Integration ist eine Entscheidung"

Der deutsch-ägyptische Politologe und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad.

Hamed Abdel-Samad: "Integration ist eine Entscheidung"

In seinem Buch "Integration: Ein Protokoll des Scheiterns" beschreibt Hamed Abdel-Samad insbesondere den Integrationsunwillen mancher Mulisme. Warum? Eine Frage an den Autor.

WDR: Sprechen Sie als Ägypter eigentlich aus eigener Erfahrung? Beide Kulturen sind Ihnen vertraut, sind das persönliche Erfahrungen und Beobachtungen?

Hamed Abdel-Samad: Unter anderem. Natürlich sind es meine Erfahrungen und alles, was ich gesehen habe bei den arabischen Studenten um mich herum, Kinder der zweiten Generation, die meine Nachbarn waren. Ich habe viele, auch wissenschaftliche, Studien zu dem Themengebiet veröffentlicht, was Muslime über Deutschland denken. Aber nicht nur.

Muslimin liest im Koran Rechte

Koran vs. Grundgesetz?

Ich habe auch die vorhandenen Studien in Deutschland beobachtet und wenn ich feststelle, dass diese Studien zu dem Ergebnis kommen, dass fast die Hälfte der hier lebenden Muslima den Koran und die Scharia über das Grundgesetz stellen, dann ist das alarmierend.

Wenn ich feststelle, dass viele von ihnen den Westen als Feind betrachten, der den Islam zerstören will, dann ist es alarmierend. Wie kann Integration gelingen, wenn Menschen Angst oder Skepsis gegenüber dieser Gesellschaft haben und nicht nur das, sondern sie moralisch verachten? Ich habe mich nicht nur auf Interviews verlassen, sondern auch auf Fakten.

Wie können wir überhaupt vom Gelingen der Integration sprechen, wenn wir erfahren, dass die Zahl der Salafisten sich verdoppelt hat, dass die Zahl der Gefährder und Terroristen sich verdreifacht hat, dass die Zahl der Erdogan-Anhänger immer mehr wird.

Dass Menschen, die Produkte unseres Bildungssystems sind, Menschen, die in der Freiheit und der Demokratie aufgewachsen sind, einem System in der Türkei zujubeln, dass Minderheiten und Oppositionelle unterdrückt, dass Kurden im eigenen Land und in Syrien bekämpft und dass auch die Islamisierung voranschreitet und dass man das hier bejubelt und unterstützt.

Dass zigtausende junge Menschen in Köln für die Todesstrafe in der Türkei demonstrieren und sich gleichzeitig hier beschweren, dass sie nicht als Deutsche anerkannt werden. Es tut mir leid, aber das sind keine Voraussetzungen dafür, Deutsche zu werden.

Das gesamte Gespräch können Sie hier nachhören. Das Interview führte Katja Schwiglewski.

Ist die Integration gescheitert?

WDR 3 Kultur am Mittag | 13.04.2018 | 10:54 Min.

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Stand: 13.04.2018, 15:37