Gil Ribeiro - Lost in Fuseta

Cover Gil Ribeiro - "Lost in Fuseta", im Hintergrund ein Bild der Algarve-Küste bei Portimao

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Gil Ribeiro - Lost in Fuseta

Von Oliver Steuck

Ein toter Privatdetektiv und eine deutsch-portugiesische Zusammenarbeit der Polizei, die erstmal einige Hindernisse überwinden muss. "Lost in Fuseta" von Gil Ribeiro ist spannend, lustig und versprüht viel südeuropäisches Flair.

Gil Ribeiro - Lost in Fuseta

WDR 2 Krimitipp | 03.04.2017 | 03:02 Min.

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Mord an einem Privatdetektiv: Seine Leiche wird in einem Boot an der Küste des südportugiesischen Fuseta gefunden. Und das Motiv für den Mord liegt möglicherweise in seiner letzten Ermittlung. Sub-Inspektorin Graciana Rosado und ihr Kollege Carlos Esteves übernehmen den Fall. Und sie bekommen sogar Verstärkung: den deutschen Kommissar Leander Lost aus Hamburg. Der nimmt an einem europaweiten Austauschprogramm der Polizei teil. Eigentlich für die Elite gedacht, scheinen die Länder es aber vor allem dafür zu nutzen, ihre Problemfälle ins Ausland wegzuloben. Und Leander Lost ist in den Augen seiner portugiesischen Kollegen eine absolute Katastrophe.

Kommissar mit Handicap

Lost erscheint ihnen als humorloser Klugscheißer, der bei größter Hitze in schwarzem Anzug und Lederschlips herumrennt. Vordergründig ist er freundlich und höflich, aber hintenrum hat er offenbar nichts Besseres zu tun, als seine Kollegen wegen ihres angeblichen Fehlverhaltens anzuschwärzen. Die Stimmung zwischen ihm und seinen portugiesischen Partnern Rosado und Esteves ist von Anfang an alles andere als gut. Die beiden wissen eben noch nicht, was der Leser schon auf den ersten Seiten ahnt: Leander Lost ist Autist. Er pflegt seine Gewohnheiten, kann mit Humor und anderen Gefühlsregungen nur schwer umgehen und vor allem kann er nicht lügen. Das führt im Zusammenspiel mit den neuen Kollegen zu vielen Missverständnissen und zu sehr witzigen Situationen.

Humor mit Feingefühl

Es gibt viel zu lachen in diesem Krimi. Allerdings macht sich der Autor Gil Ribeiro niemals über die Krankheit lustig. Wohl aber sieht er sehr genau das komische Potential, das darin steckt, wenn die Welt von Leander Lost und die sogenannte "normale" Welt aufeinander prallen. So merkt Leander Lost etwa, dass sein Kleidungsstil sehr auffällt. Er weiß sich nicht anders zu helfen, als sich an seinem Kollegen Carlos zu orientieren. Der findet es aber gar nicht amüsant, dass Leander nun wie eine 1:1-Kopie von ihm herumläuft und glaubt, er wolle ihn auf den Arm nehmen. Solche und andere Momente beschreibt Ribeiro mit viel Witz und Feingefühl und auch mal mit einem Hauch Melancholie, denn Leander ist sich der Grenzen seiner Welt durchaus bewusst. Und die werden so auch für den Leser ein wenig erlebbar.

Preisgekrönter Autor

Der Autor Gil Ribeiro trägt eigentlich den wenig portugiesischen Namen Holger Karsten Schmidt. Er ist einer von Deutschlands besten Drehbuchautoren und vielfach ausgezeichnet, zuletzt für den Fernsehfilm "Auf kurze Distanz" über die Sportwetten-Mafia oder "Das weiße Kaninchen", ein Drama über Cyber-Stalking und Kindesmissbrauch. Harte Stoffe, doch Schmidt kann auch schräg, wie er mit mehreren Nordseekrimis um Privatdetektiv Finn Zehender oder der ARD-Reihe "Nord bei Nordwest" beweist. Auch sein Roman "Lost in Fuseta" ist auf der eher leichteren Schiene unterwegs, aber rundum gelungen, vor allem wegen der liebenswerten Hauptfiguren. Und die sollen zum Glück in Serie gehen. Es gibt also bald noch mehr Geschichten aus Fuseta.

Gil Ribeiro
Lost in Fuseta
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04887-2
14,99 Euro
auch als eBook erhältlich
Hörbuch bei Argon erschienen

Stand: 03.04.2017, 00:00