"Lady Liberty" - Biografie über die jüngste Marx-Tochter

Eva Weissweiler: Lady Liberty

"Lady Liberty" - Biografie über die jüngste Marx-Tochter

"Lady Liberty" ist die Biografie über die jüngste Marx-Tochter, Eleanor Marx. Die Journalistin und Übersetzerin stand zeitlebends im Schatten ihres Vaters. Die Mönchengladbacher Autorin Eva Weissmüller über das tragische Leben einer begabten Frau.

WDR: Tussy und Lady Liberty - so wurde Eleanor Marx von US-amerikanischen Arbeitern genannt. Spitznamentechnisch baut sich eine wunderbare Dialektik zwischen diesen beiden Namen auf. Wie hat sie sich denn diesen grauenvollen Namen "Tussy" eingebrockt?

Die Schriftstellerin Eva Weissweiler im Porträt

Autorin Eva Weissweiler

Eva Weissweiler: Das war damals kein Spitzname, das war ein Kosename, der nicht den pejorativen Beigeschmack hatte, den er für uns heute hat. Vermutlich lag es daran, dass sie als Kind viele Katzen hatte, die sie "Pussy" nannte und da sie noch nicht richtig sprechen konnte, hat sie "Tussy" gesagt und war damit selber die Tussy.

WDR: Eleanor Marx hat als Sekretärin ihres Vaters gearbeitet, sie hat den Nachlass verwaltet und sich sehr für ihn engagiert. Sie war auch Journalistin und eine wichtige Figur der englischen Frauengewerkschaftsbewegung. Warum ist ihr Name bis heute relativ unbekannt?

Eva Weissweiler: Zunächst hat sie immer im Schatten des väterlichen Mythos gestanden. Ganz besonders nach seinem Tod. Da galt sie nur noch als "Tochter von...". Und dann hat sie kein in sich geschlossenes Oeuvre hinterlassen. Sie hat keine dicken Wälzer wie "Das Kapital" geschrieben, sondern lauter hochinteressante Artikel und Aufsätze, die aber kein in sich geschlossenes Ganzes bilden.

WDR: Aus ihrer Biografie lässt sich zudem schließen, dass sie ein unglaubliches sprachliches Talent besessen und literarische Übersetzungen angefertigt hat.

Karl Marx mit seiner Ehefrau Jenny und den Töchtern Laura und Eleanor und Friedrich Engels, 1870

Karl Marx mit Ehefrau Jenny, den Töchtern Laura und Eleanor und Friedrich Engels (1870)

Eva Weissweiler: Ja, sie hat ja nie eine Schule besucht, davon hielt Karl Marx nichts. Er hielt nichts von dem englischen privaten Schulsystem, es gab noch keine allgemeine Schulpflicht - weder für Jungen noch für Mädchen. Sie hat alles zu Hause gelernt durch die internationalen politischen Gäste, die dort verkehrten.

Auch Engels soll ja an die 17 Sprachen gesprochen haben. Er hat wohl auch sehr anregend auf sie gewirkt. Aber sie muss ein Genie gewesen sein. Sie konnte Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch fließend und dann nachher auch noch Norwegisch und Jiddisch.

WDR: Hat Karl Marx sie denn als Frau unterstützt ein eigenständiges, selbstständiges Leben anzugehen?

Eva Weissweiler: Nein, überhaupt nicht. Das kann man wirklich glatt verneinen. Er hat ihre intellektuellen Fähigkeiten sehr geschätzt, auch den politischen Diskurs mit ihr, aber er hat sie als sein Alter-Ego gesehen. "Tussy, that's me", war sein ständiger Ausspruch.

Das Interview führte Daniel Finkernagel in WDR 3 Mosaik. Das ganze Gespräch können Sie hier hören:

Lady Liberty - jüngste Marx-Tochter-Bio von Eva Weissweiler

WDR 3 Mosaik | 09.04.2018 | 09:22 Min.

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Stand: 09.04.2018, 13:56