Deutschlandreise - Historische Berichte

Deutschlandreise - Historische Berichte

Deutschlandreise - Historische Berichte

Von Christian Kosfeld

Ein prominentes Sprecher-Ensemble liest Reiseberichte aus 400 Jahren. Zu Fuß, per Zug, Auto oder Floß geht es durch Deutschland, mit aufschlussreichen und vergnüglichen Gedanken über Menschen, Städte und Gebräuche.

Deutschlandreise
Historische Berichte von Otto Julius Bierbaum, Theodor Fontane,
Georg Forster, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine,
Harry Graf Kessler, Michel de Montaigne, Germaine de Staël,
Mark Twain
Sprecher: Frank Arnold, Heikko Deutschmann, Ulrike Hübschmann,
David Nathan, Oliver Rohrbeck
Audiobuch
Acht Audio-CDs
ISBN 978-3-95862-043-8

Das Internet verändert unsere Arbeit, unseren Alltag, unsere Kommunikation und auch die Art, wie wir uns durch die Welt bewegen. Mit Smartphones, Ortungsdiensten, Wetter-und Übersetzungs-Apps reisen wir in ferne Länder. Kann man eigentlich noch weg fahren, wenn man überall in den Maschen des weltweiten Netzes www. hängt? Manche Menschen freut das, und sie verschicken von jedem Ort der Welt Nachrichten und Bilder. Die Reiseberichte unserer Zeit finden wir heute auf facebook, instagramm oder als digitales Logbuch, als weblog. Je einfacher und schneller wir an fast jeden Ort der Welt gelangen, umso interessanter ist es, historische Reiseberichte zu lesen oder zu hören. Der Audiobuch Verlag hat bereits mehrere solcher Hörbücher veröffentlicht. Jetzt ist eine Sammlung erschienen mit Berichten von – mitunter abenteuerlichen – Deutschlandreisen. Fünf Sprecher lesen neun Texte aus vier Jahrhunderten.

Hörbuchrezension: Deutschlandreise

WDR 3 Mosaik | 12.04.2018 | 05:35 Min.

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Mark Twain

Heikko Deutschmann liest beim Literaturmarathon 2018

Heikko Deutschmann

Vor genau 140 Jahren machte sich Mark Twain auf den Weg durch Deutschland, begleitet von seinem Freund Joseph Twickel. Von Nord nach Süd sollte es gehen, die beiden wollten Kultur, Sprache und Menschen kennen lernen. Twain und Twickel besuchten Hamburg, das Goethehaus in Frankfurt und das Heidelberger Schloss. Überall erzählten sie, sie seien Wanderer. Doch damit das nicht zu anstrengend wurde, nahmen sie oft den Zug, Pferdewagen oder ein Floß. Heikko Deutschmann liest frisch und fröhlich Twains kluge, witzige Berichte. Die Floßfahrt auf dem Neckar war gefährlich, denn an den Ufern wurden Felsen für eine neue Bahnstrecke gesprengt.

Mark Twain

Mark Twain

"Und es war ohne Zweifel eine der aufregendsten und unbehaglichsten Zeiten, die ich je erlebt habe, auf See wie an Land. Natürlich griffen wir immer wieder nach den Stangen und stakten eifrig. Aber sobald eine dieser Staub- und Steinfontänen in die Höhe schoss, ließen alle ihre Stangen fallen und blickten nach oben, um zu sehen, was da auf sie zukam. Eine Weile ging es hoch her. Wir waren alle überzeugt, dass wir umkommen würden, aber das war nicht die Vorstellung, die uns am meisten schmerzte, nein: die so überaus unheroische Todesart, sie bereitete uns Pein. Sie und der bizarre Wortlaut des sich daraus ergebenden Nachrufs: Erschlagen von einem Stein auf einem Floß."

Michel de Montaigne & Goethe

Frank Arnold

Frank Arnold

Dreihundert Jahre vor Twain bereiste der französische Adlige und Gelehrte Michel de Montaigne deutsche Städte. Die meisten der Aufzeichnungen stammen allerdings nicht von ihm, sondern von einem Begleiter. Der beschreibt Städte, Gebräuche, Trachten, es geht aber auch um Wassermühlen, Quittensuppe und die Auswirkungen der Reformation. Die Reise führte Montaigne unter anderem in die Fuggerstadt Augsburg:

Portrait des Michel de Montaigne

Michel de Montaigne

"Er richtete sich so sehr nach diesen Leuten, dass er begann, die Trachten nachzumachen und sich eine ebensolche samtene Mütze anzuschaffen als sie die Augsburger trugen. In Augsburg sagt man, hätten sie zwar Mäuse, aber doch keine Ratten, womit das übrige Deutschland sonst recht besät wäre. Sie erzählen rechte Wunderdinge davon. Sie glauben nämlich, dieses Vorrecht einem Bischofe, der allda begraben liegt, verdanken zu haben. Den Montag gingen wir zusammen in den Dom unserer Lieben Frau, um das reichste aber auch hässlichste Mädchen der ganzen Stadt mit einem Faktor der Fugger'schen Handlung trauen zu sehen."

Frank Arnold gelingt eine lebendige Gestaltung dieser 400 Jahre alten Erzählungen, ebenso bei Aufzeichnungen Goethes von einer Rheingau-Reise.

Germaine de Stael

Nur eine Frau ist auf den acht CDs zu hören. Ulrike Hübschmann liest schlank und elegant im Ton die Aufzeichnungen der Germaine de Stael.

Ulrike Hübschmann

Ulrike Hübschmann

Die Adlige bereiste 1803 Weimar, Berlin und Leipzig, traf Wieland, Goethe, Schiller, und prägte ein idealisiertes Deutschlandbild.

"Friedrich hat sich durch die französische Philosophie des 18. Jahrhunderts gebildet. Diese Philosophie ist den Völkern verderblich, sobald in ihnen die Quelle des Enthusiasmus austrocknet. Gibt es aber einmal in einem Land ein Wesen, das man einen unumschränkten Monarchen nennt, so steht zu wünschen, dass liberale Grundsätze das Feuer des Despotismus in ihm niederschlagen. Friedrich führte die Denkfreiheit im nördlichen Deutschland ein. Die Reformation hatte zwar den Geist der Prüfung, nicht aber den der Toleranz verbreitet."

Unterschiedlichste Reiseberichte

David Nathan und Martin Keßler

David Nathan

Auf den acht CDs finden sich sehr unterschiedliche Reiseberichte, etwa von Harry Graf Kessler, dem Naturforscher Georg Forster oder Theodor Fontane. Weniger bekannt ist der Journalist und Schriftsteller Otto Julius Bierbaum. Er unternahm 1902 eine ungewöhnliche Fernreise: im Automobil über Dresden, Prag und Wien bis nach Italien, mit acht PS, Ehefrau und Fahrer. David Nathan liest mit Schwung und Neugier über den sanften Rausch der Geschwindigkeit und tückische Steigungen.

Otto Julius Bierbaum

Otto Julius Bierbaum

"Der Besuch der Albrechtsburg war die erste Prüfung unseres Adler-Wagens auf seine Fähigkeit, größere Steigungen zu nehmen. Er hat sie glänzend bestanden. Wir fuhren durch die steilen und engen Gassen Meißens bis vor das Tor des wundervollen alten Doms hinauf, nicht ohne eine gewisse Bänglichkeit unsererseits, da wir uns vorstellten, in welchem Tempo es rückwärts hinunter gehen würde, wenn es dem Motor mitten in der Steigung einfallen sollte, zu versagen. Unser Führer bemerkte unsere ungewissen Mienen und benutzte die Gelegenheit, uns alle die Sicherungsmittel auseinander zu setzen, die den Wagen sofort zum Stehen verbringen zu mögen, wenn er bei Gefälle oder Steigung ins Rollen kommen sollte."

Heinrich Heine

WDR 2 Möglichmacher und die drei ???

Oliver Rohrbeck

Das letzte Wort hat einer, der die schönsten und schärfsten Verse über Deutschland schmieden konnte.

Oliver Rohrbeck interpretiert die Harzreise von Heinrich Heine. Bei ihm lagen bissige Ironie und sanftes Nachsinnen immer nah beieinander. Mit dieser Reise-Box kann man getrost den Frühling genießen.

Heinrich Heine

Heinrich Heine

"Wie ein Meer des Friedens ergießt sich der Frühling über die Erde. Der weiße Blütenschaum bleibt an dem Bäumen hängen. Ein weißer, warmer Nebelglanz verbreitet sich überall. In der Stadt blitzen freudig die Fensterscheiben der Häuser, an den Dächern bauen die Spatzen ihre Nestchen. Auf der Straße wandeln die Leute und wundern sich, dass die Luft so angreifend, und ihnen selbst so wunderlich zumute ist."

Stand: 12.04.2018, 09:00