"Der Zorn der Einsiedlerin" von Fred Vargas

Buchcover "Der Zorn der Einsiedlerin" von Fred Vargas

"Der Zorn der Einsiedlerin" von Fred Vargas

Von Stefan Keim

Fred Vargas gelingt mit "Der Zorn der Einsiedlerin" wieder ein meisterhafter Krimi. Die Französin verbindet humorvolle Dialoge mit einer packenden Geschichte um Missbrauch, Morde und Spinnenbisse.

"Der Zorn der Einsiedlerin" von Fred Vargas

WDR 4 Bücher 26.02.2019 02:21 Min. WDR 4

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Eigentlich ist der Fall schon nach 60 Seiten vorbei. Kommissar Adamsberg wird aus seinem Island-Urlaub zurück gerufen, weil eine Frau überfahren wurde. Fast nebenbei findet er heraus, wer der Mörder ist, durch genaue Beobachtung und Kombination. Fast wie Sherlock Holmes. Doch dann entdeckt er etwas Mysteriöses: Mehrere alte Männer sind durch den Biss der Einsiedlerspinne gestorben. Das könnte Zufall sein. Ist es aber nicht.

Fred Vargas ist eine Meisterin der Dialoge. Wie sie ihren Dauerhelden Adamsberg und die von ihm geleitete "brigade criminelle" wieder ins Spiel bringt, ist leicht, witzig und abgründig. Alle sind ein bisschen schräg und enorm sympathisch. Mit feinem Witz öffnet Fred Vargas ihre Leser für eine Geschichte, die tief in seelische Verletzungen führt. Sie schockiert nicht mit blutigen Taten, bei ihr pirscht sich das Entsetzen langsam heran.

Der Biss der Einsiedlerspinne ist normalerweise nicht tödlich. Man braucht das Gift von zwei Dutzend, damit ein Mensch daran stirbt. Außerdem sind die Tiere sehr scheu. Es ist also äußerst seltsam, dass es zu einigen Todesfällen gekommen ist. Wahrscheinlich wäre das kaum einem Polizisten aufgefallen. Aber Adamsberg ist eben etwas anders, er hat ein Gespür für Dinge, die falsch laufen. Das Jucken und Kratzen nach einem Spinnenbiss zieht sich durch den Roman und kommt in verschiedenen Abwandlungen immer wieder vor.

Die Romane von Fred Vargas spielen in der Wirklichkeit, haben aber auch mit dunklen Märchen und Legenden zu tun. Diesmal geht es um Missbrauch in einem Waisenhaus vor vielen Jahrzehnten und um Gewalt gegen Frauen. Obwohl manche Szenen verstörend sind, bleibt der Roman zutiefst menschlich. Wieder gelingt es Fred Vargas, Spannung, Grusel, Witz und ein bisschen Poesie zu vereinen. Ganz hohe Krimikunst!

Der Zorn der Einsiedlerin
Autorin: Fred Vargas
Verlag: Random House
512 Seiten
23 Euro

Stand: 26.02.2019, 00:00