Lukas Linder - Der letzte meiner Art

"Der letzte meiner Art" von Lukas Linder

WDR 2 Buchtipp

Lukas Linder - Der letzte meiner Art

Von Christine Westermann

Der kleine Alfred von Ärmel wird auf knapp dreihundert Seiten erwachsen. Es passiert nicht viel, aber dieses Nichts versteht der Autor fabelhaft ironisch zu beschreiben.

Lukas Linder - Der letzte meiner Art

WDR 2 Lesen | 06.01.2019 | 05:04 Min.

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Die Handlung ...

Christine Westermann vor einem Bücherregal

WDR 2 Literaturkritikerin Christine Westermann

... spielt in der Schweiz, im Mittelpunkt steht Alfred von Ärmel, ein kleiner Junge. Adel verpflichtet, Alfred wäre gern so ein Held wie sein gleichnamiger Vorfahr, der in einer Schlacht vor ein paar hundert Jahren einige Franzosen zur Strecke gebracht hatte. Ähnlich Heroisches hat Alfred junior nicht vorzuweisen. Er wächst in einer Familie auf, in der der Vater mit einem Wimpelgeschäft, zu großem Reichtum gekommen und seine Frau einfach nur schön ist. Wie diese Frau sich in den vertrottelten Vater von Alfred verlieben konnte, bleibt ein Familiengeheimnis. Der kleine Alfred wird nun auf knapp dreihundert Seiten erwachsen. Echt mühsam, wenn man dabei auch noch versucht, ein Held zu werden, obwohl man in der Schule schon der krasse Außenseiter ist, bei den Mädchen nicht wirklich punkten kann und eine Anzeige aufgeben muss, um für den Abschlussball eine Tanzpartnerin zu finden. Dass die dann knapp 50 Jahre alt ist und Alfred entjungfert, wundert einen nicht wirklich.

Die Bewertung

Vorne auf dem Umschlag eine düstere Zeichnung, eine Familie im Halbdunkel, sollte wohl ein Porträt werden, alle sehen irgendwie schräg aus und im Vordergrund thront auf einem samtbezogenen Stuhl eine fette Katze. Ein Buchcover, bei dem ich sofort Lust auf die Lektüre hatte.

Es passiert nicht viel auf dreihundert Seiten, aber dieses Nichts versteht der Autor fabelhaft ironisch zu beschreiben. Ein Buch, das großartige Sketchvorlagen liefert, man fühlt sich an Loriot erinnert, so real und gleichzeitig skurril sind die Szenen. Nur leider reicht dem Autor das offensichtlich nicht. Er versemmelt in schöner Regelmäßigkeit die Pointen, weil er entweder noch eine draufsetzen will oder einen Gag erklärt - was so ziemlich das Schlimmste ist, was man tun kann. Und das ist schade. Denn der Roman hat unglaublich viel Potential, so schräge Einfälle, dass es im Grunde ein Vergnügen sein könnte, ihn zu lesen. Ich glaube, dieses Buch ist ein ideales Buch, um sich gegenseitig daraus vorzulesen, gemeinsam zu lachen, über die allzu dick aufgetragenen Scherze einfach hinwegzulesen.

Der Autor ...

... ist Schweizer, 34 Jahre alt, Dramatiker, der für seine Theaterinszenierungen mehrfach ausgezeichnet wurde.

Lukas Linder
Der letzte meiner Art
Verlag: Kein & Aber
ISBN: 3036957855
Preis: 19,00 Euro

Stand: 06.01.2019, 13:50